09.02.2020 - 10:21 Uhr
EslarnOberpfalz

Elf Gemeinden schmieden gemeinsam Zukunftspläne

Gemeinsam ist man stärker. Unter diesem Motto tun sich elf Kommunen als "ILE Naturparkland" zusammen, um über Gemeindegrenzen hinweg an einem zukunftsfähigen Konzept zu feilen. Im Blick haben die Mitglieder vor allem staatliche Förderungen.

Bürgermeister, Hausherr und Vorsitzender der ILE Naturparkland, Reiner Gäbl, verspricht sich in der Auftaktversammlung des Zusammenschlusses der "Elf Freunde" erhebliche Vorteile bei der Umsetzung komunaler Vorhaben.
von Walter BeyerleinProfil

„11 Freunde für eine Region“ – seit Oktober vergangenen Jahres arbeiten die Mitgliedsgemeinden der ILE Naturparkland gemeinsam mit dem Amt für Ländliche Entwicklung und dem Leipziger Stadtentwicklungsbüro „ums – Stadtstrategien“ an dem integrierten-ländlichen Entwicklungs-Konzept (ILEK). Am Freitagabend fand in der Alten Turnhalle die Auftaktversammlung statt.

Bürgermeister Reiner Gäbl, auch Vorsitzender der ILE Naturparkland, erinnerte an die Gründung des Zusammenschlusses „11 Freunde“ im Jahr 1993, damals gedacht für den touristischen Bereich, besonders zur Entwicklung gemeinsamer Prospekte, Freizeitkarten und Marktauftritte. Der Erfolg hat insgesamt zu einer guten Aufstellung des touristischen Bereiches geführt, sagte Gäbl. Als Meilenstein dazu nannte der Eslarner Bürgermeister die Einrichtung der Geschäftsstelle in der Friedrichsburg Vohenstrauß. Bis dato sei dies eine Vereinigung ohne Rechtscharakter gewesen, die sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge finanziert habe. Die jetzigen Überlegungen hätten dazu geführt, dass die elf Kommunen weiterhin zusammenarbeiten wollen, diese Zusammenarbeit jedoch weiter über den Tourismus hinausgeht und nahezu alle Bereiche einer interkommunalen Zusammenarbeit abdecken soll.

In der Gründungsversammlung sei dafür der Name „Naturparkland“ festgelegt worden. Als notwendige Maßnahme sei das Projekt „ILEK“ – Integriertes-ländliches Entwicklungs-Konzept“ ausgeschrieben worden, in dem viele Arbeitsfelder in den nächsten Jahren bearbeitet werden sollen. Eindringlich formulierte der Eslarner Bürgermeister an die Kollegen und Räte aus den Mitgliedskommunen die Bitte „mit aller Intention dabei zu sein“. Als besonders positiv hob er die mit der Gründung der ILE möglich gewordene Inanspruchnahme staatlicher Förderungen hervor, was sich besonders beim Straßenbau mit um zehn Prozent erhöhten Zuschüssen zeige.

Leitender Landwirtschaftsdirektor Erik Bergner, Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz, Tirschenreuth, lobte die „11 Freunde“ erkannt zu haben, dass anstehende Probleme oftmals über die Gemeindegrenzen hinweggehen und deshalb die Bereitschaft besteht, dagegen gemeinsam anzugehen. „Sie werden anders wahrgenommen“, meinte Bergner zum Erfolg des Zusammenschlusses der elf Kommunen. „Und wir belohnen das mit einem Förderbonus“, sagte der Landwirtschaftsdirektor zur verbesserten Zuschussgewährung. Gerade bei der Beantragung von Förderungen werde immer nach einem Konzept gefragt, dessen Erstellung jetzt möglich sei.

Jens Gerhardt, Büro - ums – Stadtstrategien, lieferte interessante Zahlen zur demografischen Entwicklung. Bei einer gleichbleibenden Fläche von rund 500 Quadratkilometern des „Naturparklandes“ verringert sich die Einwohnerzahl seit dem Jahr 2000 konstant. Waren es zum damaligen Zeitpunkt noch 30.900 Einwohner, sind es jetzt nur noch 25.900 Einwohner. Im Gegensatz dazu erhöhen sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche regelmäßig. Eine Tatsache, die laut Jens Gerhardt nicht auf Dauer hingenommen und verkraftet werden kann.

Bei ständig zurückgehenden Einwohnerzahlen muss nach den Worten Gerhardts ein immer größerer Bereich an Infrastruktur unterhalten werden. „Wenn Sie am Ende nur Straßen und Kanäle erneuern müssen, bleibt Ihnen kein Geld mehr für Kultur“. Als besonders wichtig nannte der Referent, „alle Kraft“ in die Ortskerne zu legen und Leerstände zu beseitigen. Dazu regte Gerhardt Überlegungen an, ob nicht ein Mitarbeiter für mehrere Kommunen sich um Leerstände, auch mögliche Abklärungen mit den Erben von Grundstücken bemühen sollte.

Viel Lob fand Gerhardt für den „sanften Tourismus“. Es gebe bei den Mitgliedskommunen „keinen langweiligen Raum“, vielmehr beispielsweise mit dem Rosenquarzfelsen in Pleystein ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal. Mit Blick auf Urlauber wurde Gerhardt deutlich: Qualität ist absolut notwendig. Gleichzeitig erkennt der Stadtstratege aber auch, dass die Gastronomie manchenorts „in die Jahre gekommen ist“.

„Vier Wege gibt es in der Region mit Gesteinsnamen, vielleicht sollte das auf einen Weg konzentriert werden“. Als kritisch sieht Gerhardt auch die vielen Namen für die Gebiete der Oberpfalz, während das österreichische Bundesland „Tirol“ nur mit diesem Namen Werbung macht, ebenso wie der Schwarzwald. Für die beteiligten Kommunen sei es wichtig, alle Ziele finanzieren zu können. Dazu nannte er einen Zeitraum von 20 Jahren. Darüber müssen sich jetzt die Mitgliedsgemeinden Eslarn, Floß, Flossenbürg, Georgenberg, Leuchtenberg, Moosbach, Pleystein, Tännesberg, Vohenstrauß, Waidhaus und Waldthurn im klaren sein.

Jens Gerhardt (rechts) stellt an den großen Schautafeln die bisherigen Erkenntnisse aus den elf Kommunen vor.
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