Der 54-jährige Formenbauer ist bereits 30 Jahre aktiv im Vogelzuchtverein und im Landesbund für Vogelschutz tätig. Zudem kümmert er sich seit 20 Jahren um den Storch im Horst auf dem Kommunbrauhaus. „Ich habe für das Volksbegehren gestimmt, da ich der Meinung bin, es muss sich etwas ändern“, betont Zierer.
Bei seinen Kontrollgängen durch die Natur und den Wald kümmert er sich mit Mitgliedern des Vogelzuchtvereins nicht nur um rund 100 Nistkästen, sondern beobachtet auch ständig das aktive Leben in Wald und Flur. „Vor Jahren hatten wir noch Braunkehlchen und Bekassine in den Wasserschutzgebieten.“
Auch die Rebhuhn-Population und im Allgemeinen die Bodenbrüter sind wegen der fehlenden Hecken und Feldraine etwa um 84 Prozent geschrumpft. Die Zahl der Kiebitze ist um 80 Prozent zurückgegangen. „Ich registriere schon über Jahre einen Rückgang der heimischen Vogel- und Tierwelt.“
Zudem fehlen wegen der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung und dem Einsatz von Spritzmittel in den angrenzenden Feldern die Insekten, die Vögel dringend zur Aufzucht der Jungen benötigen. Jeder könne dies beim Fahren mit dem Auto feststellen. „Früher klebten entgegen heute eine große Anzahl an Insekten an der Windschutzscheibe und den Scheinwerfer.“ Als Beispiel nannte der Vogelzüchter brütende Spatzen, die in 30 Minuten rund 100 kleine Insekten verfüttern und damit echte Schädlingsvertilger sind.
Drei Viertel aller Tierarten gehören zu den Insekten, die trotz ihres winzigen Daseins eine zentrale Funktionen in der Nahrungskette und im Ökosystem unserer Welt einnehmen, sei es als Nahrungsquelle oder zur Bestäubung. Gleichzeitig schränkt Zierer ein, dass die Landwirtschaft nicht alleine schuld sei und auch im Vogelzuchtverein nicht alle derselben Meinung sind.
Laut Zierer wirke sich häufigeres Mähen vor allem auf die Bodenbrüter negativ aus, von denen 50 Prozent gefährdet sind. Nach Aussage eines befreundeten Biobauern werde die landwirtschaftliche Arbeit durch die beabsichtigte Reform des Naturschutzgesetzes auch schwieriger und nicht leichter. „Dann müssen die anderen Bauern wenigsten auch etwas tun“, fügte der Biobauer an.
Bei einer Änderung des bayerischen Naturschutzgesetzes werde unter anderen die Biolandwirtschaft weiter ausgebaut und untereinander besser vernetzt, sowie die landwirtschaftliche Ausbildung zum Naturschutz intensiviert und ein jährlicher Bericht über den Zustand der Natur im Freistaat erstellt. Bereits heute sind jede zweite der etwa 35 000 in Bayern vorkommenden Tierart gefährdet, 54 Prozent aller Bienen bedroht und 73 Prozent aller Tagfalterarten verschwunden. „In Bayern leben heute nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren.“ Eine Auswirkung habe der Rückgang der Insekten und Kleintiere auch auf das Fressverhalten des Storchs, der sich aus Mangel an Kleintieren seit einigen Jahren auch an jungen Vögel vergreift. Einen Beitrag zum Naturschutz könnten nicht nur die Landwirte, sondern auch die Gartenbesitzer leisten, in dem sie vermehrt Bäume und Sträucher, aber auch Blumen für die Bienen pflanzen.
„Das der Umstieg schwierig ist, ist mir bewusst, aber es muss nicht jeder ein Biobauer werden und wenn jeder mit einem Bruchteil an Chemie auskommen könnte, wäre ein Anfang gemacht“, fasste Zierer zusammen. Der verstärkte Einsatz von Chemie auf den Feldern zeige sich auch in manchen Testergebnissen von Honig. Aber nicht nur die Insekten und Vögel sind betroffen, auch viele Fisch- und Amphibienarten stehen inzwischen auf der Roten Liste. Selbst bei Allerweltsarten wie beim Grasfrosch gebe es einen deutlichen Rückgang. „Es ist das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier“, weiß Zierer.
Nach Rücksprache im Rathaus hatten sich am Mittwoch erst 134 Bürger in die Liste eingetragen, so dass allein in Eslarn für die erforderliche Einzehntel-Mehrheit noch knapp 100 Stimmen fehlen.













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