24.01.2020 - 13:04 Uhr
EslarnOberpfalz

Förderverein des TSV Eslarn betreibt Sportgaststätte in Eigenregie

Der Förderverein des TSV Eslarn stellt sich gegen den Trend des Wirtshaussterbens. Er wird die seit 29 Jahren bestehende und seit Jahresbeginn geschlossene Gaststätte „Zum Sportzentrum“ Ende Januar in Eigenregie betreiben.

Der TSV-Vorsitzende Thomas Meckl und Carina Kaiser, Fördervereinsvorsitzende Stefanie Kaiser-Lehner und Martin Nickl (von rechts) stehen nicht das erste Mal vor und hinter der Theke.
von Karl ZieglerProfil

Der Förderverein des Turn- und Sportvereins sucht derzeit einen neuen Pächter für die Sportgaststätte. Bis der gefunden ist, übernimmt der Verein ab Ende Januar einstweilen in Eigenregie mit ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen die Bewirtschaftung des Lokals. Am Freitag, 31. Januar, um 18 Uhr werden sich die Türen wieder öffnen.

„Die bisherigen Pächter waren alle mit dem Erlös im Nebenerwerb und als zweites Einkommen zufrieden“, stellten TSV-Vorsitzender Thomas Meckl und Fördervereinsvorsitzende Stefanie Kaiser-Lehner fest.

Die Geschichte des Sportzentrums reicht bis ins Jahr 1979 zurück, wobei der erste Spatenstich im Dezember 1988 erfolgte. Mit dem Bau des eigenen Vereinsheims begann der Turn- und Sportverein (TSV) im März 1990. Der mitgliederstärkste Verein – der TSV hatte damals bereits über 500 und zählt aktuell über 600 Mitglieder – konnte die Bauarbeiten im Juni 1991 abschließen.

Der Bauabschnitt umfasste eine Gaststätte mit Nebenräumen, eine Dachgeschosswohnung und Kellerräume. Insgesamt 30 Monate arbeiteten fast 100 freiwillige Helfer unter der Regie des ehemaligen TSV-Vorsitzenden Georg Rauch, der ab 1986 an der Vereinsspitze stand, an der Fertigstellung. Rauch ging 1988 als gelernter Maurer in den Vorruhestand und stellte damit sozusagen einen Lottogewinn für den Verein dar.

Die Mitglieder und weitere Helfer bewältigten mit der Umsetzung der geforderten Eigenleistungen das schier Unmögliche. Der ehrenamtliche Arbeitstrupp schuftete Tag für Tag, opferte für ein paar Halbe Bier und eine Brotzeit auf der Baustelle fast die gesamte Freizeit und den Urlaub. Vor dem geräumigen Lokal, in dem sich eine modern eingerichteten Küche befindet, wurde für das Sportzentrum ein großzügiger Parkplatz für etwa 90 Fahrzeuge geschaffen. Eine vorgelagerte Terrasse gestattet freie Sicht auf die Rasenspielplätze und zum Eslarner „Stückberg“.

Das Gesamtwerk kostete dem TSV allein um die 400 000 Mark, wovon 219 770 Mark an Eigenleistungen erbracht wurden. Laut den Vereinbarungen mit der Marktgemeinde hatte der TSV anteilig zudem die Planungskosten in Höhe von 30485 Mark zu tragen. In den vergangenen Jahrzehnten trug der Förderverein Jahr für Jahr die Schulden ab. Die Bewirtschaftung übernahmen kurzzeitig ein Grieche, ein gelernter Koch, und ab 1993 Eslarner Familien. Bis 2002 wurden die Gäste dann von von Luise und Siegfried Kleber bestens bewirtet.

Die pächterlose Zeit überbrückte der TSV-Förderverein mit eigenen Mitgliedern und ab 2004 folgte zehn Jahre das Pächterehepaar Erika und Hans Bauer mit seinem bewährten Team. Nach einigen Monaten ohne Pächter folgten Simone Kraus und Bernhard Kirschner, die 2018 aufhörten und das Gasthaus „Wienerhof“ mit dem „Heustodl“ wiederbelebten. Im Anschluss folgte ab April 2018 der Pächter Johannes Meckl mit seiner Familie. Nach der überraschenden Kündigung zum 31. Dezember 2019 durch Meckl, der als Gemeindearbeiter eine neue Arbeitsstelle fand und die Nebentätigkeit aus zeitlichen und arbeitsintensiven Gründen nicht mehr ausführen konnte, begab sich der Förderverein auf die Suche nach einem Nachfolger.

„Es gab mehrere Interessenten, jedoch sprangen diese wieder ab, weil sie davon leben wollten und die Gaststätte als Haupteinnahmequelle und Speiselokal sahen.“ Das Lokal eigne sich aber besser als Einnahmequelle im Nebenerwerb, wobei aufgrund der Größe und der Ausstattung jederzeit Feste und Veranstaltungen möglich sind.

Da sich bisher kein passender Pächter fand, entschied sich der TSV-Förderverein um Vorsitzende Stefanie Kaiser-Lehner und Mitorganisatorin Carina Kaiser, den Gaststättenbetrieb vorerst mit einem starken Team in Eigenregie zu managen. Für die zeitraubende Tätigkeit stellten sich weitere 35 ehrenamtliche Helfer zur Verfügung. Das Lokal „Zum Sportzentrum“ wird ab Ende Januar wieder das Wirtshausangebot vor Ort bereichern.

Um die Aufgabe stemmen zu können, kürzte die Vorstandschaft des Fördervereins die Öffnungszeiten und verkleinerte den Lokalraum um einige Quadratmeter. Zur Kegelbahn hin wurde mit einer Holzwand eine räumliche Trennung vorgenommen, so dass ab sofort die Schützen und Kegler ihren eigenen Zugang haben und für die Bewirtung eigenständig verantwortlich zeichnen. „Diese Lösung wurde einvernehmlich mit der Marktgemeinde und den Vereinen abgesprochen“, stellte Thomas Meckl fest. Weitere Helfer sind gerne willkommen.

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