11.07.2019 - 15:27 Uhr
EslarnOberpfalz

Gedenkfeier im tschechischen Zelezna

Beim Totengedenken am Ehrenmal im ehemals böhmischen Eisendorf und am großen Kreuz am "Steinock" erwachten Erinnerungen an verstorbene Mitmenschen und an nicht mehr vorhandenen Gebäude

Direkt an der Straße in Zelezna trafen sich ehemalige Angehörige des Kirchensprengels "Eisendorf und Umgebung" zu einem Gedenken.
von Karl ZieglerProfil

"Direkt neben dem Ehrenmal stand die Barbara-Kirche, daneben der Friedhof und gegenüber die Schule", berichteten Ehrenvorsitzender Josef Hoffmann und ehemalige Bewohner. Das fast 100-jährige und 1992 neu sanierte Kriegerdenkmal stammt aus dem ersten Weltkrieg. Zum Gedenken an die damals 78 gefallenen und vermissten Kriegsteilnehmer aus Eisendorf, Franzlhütte, Ruhstein, Walddorf und Karlbach wurde 1935 im ehemaligen Eisendorf ein Kriegerdenkmal errichtet.

Nach einer grundlegenden Sanierung durch den Heimatverein "Eisendorf und Umgebung" mit Sitz in Eslarn enthält die Gedenktafel auch die Erinnerung an alle vermissten und gefallenen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg. Im Ehrenmal integriert ist zudem in tschechischer Inschrift ein Gedenken an alle Verstorbenen der Region bis 1952.

Das Todengedenken umrahmten mit Gebeten, Gesängen und Fürbitten Monsignore Gerhard Hettler aus Passau, Vorsitzender Waldemar Hansl, Ehrenvorsitzender Josef Hoffmann und Elisabeth Würfl. In den Fürbitten baten alle die politischen Vertreter um ein friedliches Zusammenleben im Glauben mit Gott und um den Erhalt des Weltfriedens. Die Anwesenden beteten für die vielen Opfer der Kriege, des Terrors und des Machtmissbrauchs.

Nach dem zweiten Weltkrieg musste die böhmische Bevölkerung nicht nur in Eisendorf, dem heutigen Zelezna, ihre Häuser verlassen und wurden ab 1946 zwangsweise ausgesiedelt. Im Anschluss folgte im Rahmen des Kasernenbaus für die tschechischen Grenzsoldaten in den 1960er Jahren die Sprengung der 1718 erbauten Pfarrkirche Sankt Barbara und das Einebnen des Friedhofs und zahlreicher Häuser, deren Mauerwerk zum Straßenbau verwendet wurde. "Wie durch ein Wunder blieben Schul- und Pfarrhaus, das Kreuz am Steinock und das Kriegerdenkmal vom Ersten Weltkrieg von der Zerstörung verschont" stellte Hoffmann fest.

Die herrliche Waldkapelle auf der sogenannten Koppe zwischen Zelezna und Bela nad Radbuzou (ehemals Weißensulz) wurde dem Verfall preisgegeben, so dass mitten im Wald nur noch eine Grundmauer an den Sakralbau erinnert. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entlang der deutsch-tschechischen Grenze sanierte der Eslarner Hans Poingfürst 1992 auf Initiative des Heimatvereins und im Einvernehmen mit der tschechischen Stadt Bela nad Radbuzou das Kriegerdenkmal. In den weiteren Jahren nagte erneut der Zahn der Zeit am Ehrenmal, so dass sich der Heimatverein 2012 gemeinsam mit Belá nad Radbuzou und dem Markt Eslarn mit der Generalüberholung des Kriegerehrenmals in Zelezná befassten.

Den Erhalt der Gedenkstätte garantierten die Investitionen in Höhe von 8000 Euro aus dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond, der LAG Brückenland Bayern-Böhmen und die enge Zusammenarbeit der Patengemeinden Belá nad Radbuzou und Eslarn mit dem Heimatverein "Eisendorf und Umgebung".

Nach der Gedenkfeier am Ehrenmal machten sich die Mitglieder mit ihren Angehörigen zum Kreuz am Eisendorfer Hausberg Steinock auf den Weg. Ebenfalls unmittelbar nach der Grenzöffnung 1989 wurde der 1,75 Meter große und 130 Kilogramm schwere Christuskörper, der durch Rost stark in Mitleidenschaft gezogen war, unter der Regie vom ehemaligen Ortsbetreuer Toni Ziegler vom großen Kreuz am Steinock abgebaut, von Hans Poingfürst in Eslarn durch Sandbestrahlung, mit neuem Goldlack restauriert und 1992 am Steinock eingeweiht. Das vier Meter hohe Kruzifix hatte der Landwirt Johann Siegler 1906 auf seinem Grundstück am Steinock errichten lassen. All dies wurde nur durch den Konsens zwischen Tschechien und Deutschland möglich, den es so Jahrzehnte zuvor in der deutsch-tschechischen Geschichte nie gegeben hatte.

Am traditionellen Gedenken am Ehrenmal in Zelezna (ehemals Eisendorf) nahmen Ehrenvorsitzender Josef Hoffmann (von rechts), Monsignore Gerhard Hettler und Vorsitzender Waldemar Hansl teil.
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