"Die moderne Gehirnforschung geht davon aus, dass unser Gehirn bis zum dritten, vierten Lebensjahr sieben Entwicklungssstufen durchläuft." In einem Vortrag in der Schule erklärte Realschullehrerin und Evolutionspädagogin Katja Gieler aus Vohenstrauß wie wichtig gewisse Sicherheiten in Hinblick auf Körpergleichgewicht, Sprache und sozialer Fähigkeiten sind und welche Möglichkeiten sich nach gezielten Übungen für Kinder und Erwachsene in den einzelnen Entwicklungsstufen ergeben.
Im Namen des Bayerischen Bauernverbandes begrüßte Ortsbäuerin Sieglinde Reindl in den Reihen der 31 anwesenden Frauen und zwei Herrn besonders Schulleiterin Katharina Merther und Vertreterin Ramona Mensch, sowie Kindergartenleiterin Ramona Zangl, Vertreter vom Kindergarten und des Elternbeirates. Mit so vielen Zuhörern habe Evolutionspädagogin Katja Gieler nicht gerechnet. Die Referentin erklärte den Zuhörern verbal und anhand praktischer Beispiele die sieben Entwicklungsstufen der Kinder und verglich das Verhalten mit der Evolution. "Plötzlich fällt einem nichts mehr ein und man fühlt sich als würde man ein Brett vorm Kopf haben." Diese Blockade, die bei Kindern und Erwachsenen vielfältige Gründe wie auch Stress haben kann, begründet sich aus der ungenügenden Zusammenarbeit von rechter und linker Gehirnhälfte und lasse sich durch bestimmte Übungen lösen.
"Arbeiten nicht alle Gehirnbereiche optimal zusammen, so sind Verhaltensauffälligkeiten, Lern- und Schreibprobleme die Folge." Neueste Forschungsergebnisse aus der Neurologie zeigen, dass die Bewegungsfähigkeit des Menschen beim Lernen eine sehr große Rolle spielt, denn durch Bewegung bilde und öffne sich das gesamte Netzwerk im Gehirn. "Kinder reifen in den ersten drei Jahren in sieben Entwicklungstufen heran, vieles strömt auf sie ein." Vergleichbar einer Sperrmüllentsorgung müssen die Kinder Wichtiges behalten und Überflüssiges rauswerfen. Die Entwicklung des Menschen entspricht in ihren typischen Bewegungs- und Verhaltensmustern der biologischen Evolution, der allmählichen Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population. Ein Kleinkind versucht erstmals das Robben und Krabbeln, nach dem Vierfüßlergang das vollständige Aufrichten und die Sprachentwicklung. "Kinder können auch bestimmte Bewegungsabläufe wie Krabbeln überspringen, holen sich diese unbewusst wieder und verknüpfen dies im Gehirn." Mit praktischen Beispielen erläuterte Katja Gieler nach dem Motto "Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen" die sieben Entwicklungsstufen. Ein Kind braucht wie ein Fisch vor allem Sicherheit und findet diese einerseits in der Ruhe, aber auch in der Bewegung. "Gehalten und getragen werden, ohne etwas tun zu müssen, ist das Erlebnis." Die Erlebnissicherheit weckt wie bei den Amphibien dagegen Neugierde, aber auch Rückzug. "Ein Kind braucht diese beiden Extreme."
Die Körpersicherheit vergleicht die Pädagogin mit dem Verhalten eines Reptils, das sehr lange ruhig daliegt und plötzlich seine ganze Kraft mobilisieren kann. "Kinder kommt wir machen ein Krokodil." Dabei schlängelte sich die Realschullehrerin wie ein Reptil durch das Klassenzimmer. "Hier lernen die Kinder den positiven Umgang mit der eigenen Kraft und die Balance zwischen Abwarten und Loslegen, zwischen Lauern und Zupacken." Träumen und Energie sind laut Katja Gieler für Kinder und die beide Gehirnhälften wichtig. Ein Kind braucht wie ein Säugetier aber auch die Nähe und Distanz und soll die Unterschiede ausleben. Wichtig sei auch die Gruppensicherheit und die Fähigkeit sich unterordnen oder anpassen, sowie eigene Fähigkeiten einbringen zu können. "Jede Gruppe braucht seinen Affen, der Stimmung macht, sonst funktioniert die Gruppe nicht." Die sechste Stufe betrifft die Sprachsicherheit, sich ausdrücken, aber auch verstecken und sich behaupten können. Bereits am Halten eines Stiftes in den Händen könne die versierte Fachfrau manches erkennen. Das Ende der Entwicklungsstufen bildet der moderne Mensch, die Kommunikations- und Kooperationssicherheit.
"Stellen Sie sich in einer ruhigen Stunde vor dem Spiegel und sprechen Sie in allen Gefühlslagen, ruhig, aufgebracht, freundlich und müde mehrmals ihren Namen." Damit werde das Gehirn wie eine Gitarre eingestimmt. Viele Zuhörer haben es schon befürchtet, dass die 90 Minuten nicht ohne Mitarbeit und sozusagen mit einer "Zettelarbeit" enden werden. Alle durften auf einem Zettel einige Achter und Schleifen malen und feststellen, ob es nach einigen Übungen beim zweiten Mal leichter von der Hand geht oder nicht. "Durch die Übungen, die mit den Kindern zu Hause ausprobiert werden können und dazu noch Spaß machen, werden die beiden Gehirnhälften geöffnet und manches erscheint leichter."













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