Kräftezehrendes Abfischen im Schlamm-Meer des Atzmannsees

Eslarn
06.11.2022 - 14:24 Uhr

Im tiefen Schlamm watend machten sie die Fischer am vergangenen Samstag an das Abfischen des Atzmannsees. Was dabei so alles zum Vorschein kam? Erstaunlicherweise nicht nur Muscheln, Pflanzen und Fische.

Nach Jahren war ein Ablassen und Abfischen des Atzmannsees erforderlich. Die ersten Vorbereitungen zum Ablassen des Natursees, den der Fischereiverein noch bis 2024 als Hegegewässer nützt, waren bereits 14 Tage zuvor getroffen worden. Am Mönch, das regulierbare Ablaufwerk eines Teichs, war immer nur ein Brett gezogen worden und somit ein fischschonendes und für die Wasserbewohner stressfreies Ablassen gewährleistet.

Wagemutig ging es dafür jeweils einige Meter tief in den Schacht, um Tage nacheinander die Bretter zu entfernen. Die Fischer hatten sich dafür mit Wathose und für den Einstieg in den tiefen Mönch (Schacht) mit Haltegurten ausgerüstet. Dennoch war es nicht zu verhindern, dass einige Fische, vor allem Aale, den Bach hinuntergespült wurden. Die im Schilfgebiet lebenden Fischotter freuten sich über den gedeckten Tisch.

Trotz des nur noch geringen Zulaufs konnte das Abfischen erst am Samstag beginnen. Die Mitglieder des Fischereivereins rückten mit Keschern und zahlreichen Behältnissen an. "Keiner von uns hatte eine Ahnung, was uns erwartet", stellten einige Vorstandsmitglieder des Fischereivereins fest. Der knietiefe und kräftezehrende Schlamm im Badesee machte die Aktion nicht leichter.

Beim Herausfischen der Wasserbewohner leisteten die Mitglieder im tiefen Schlamm kraftraubende Arbeit. Mit Hilfe eines Krans an einem landwirtschaftlichen Gefährt konnten die mit Fischen gefüllten schweren Behältnisse über die Böschung hinaufgehievt und die Fische in größere Behältnisse umgesetzt werden. In den Wasserbehältern tummelten sich Barsche und Karpfenarten wie Gras-, Mamor-, Schuppen- und Spiegelkarpfen. Zahlreich gesammelt wurden auch kleinere karpfenartige Weißfische wie Brachsen und Rotaugen. Die über 2000 aufgefundenen Teichmuscheln belegen die tadellose Wasserqualität des Atzmannsees.

Bei den vergangenen Kontrollen hatte das Wasserwirtschaftamt im mikrobiologischen Befund stets perfekte Werte festgestellt. Nur in diesem Jahr hatte ein Biologe auf die, wie in vielen anderen Gewässern vorkommend, auftauchende Algenbildung hingewiesen.

Aber nicht nur Fische tauchten beim Abfischen auf, sondern auch ein Fahrrad und Handy ein Blumentopf, zahlreiche Glasflaschen und ein Kasten mit teilweise noch vollen Bierflaschen. Obwohl der Fischereiverein bereits einigen Unrat eingesammelt, liegt, verteilt auf den See, noch einiger Abfall herum. Die größte Gaudi im tiefen Schlamm zu stampfen und nach Aalen zu suchen, hatten am Samstag übrigens vor allem die Jungfischer.

Bevor das Wasser der seit 2021 ausgewiesenen Badestelle wieder angestaut wird, möchte die Gemeinde als Eigentümerin die Gelegenheit nutzen, die Uferbereiche zu reparieren, den Damm zu verstärken und mit einer Teilendlandungsmaßnahme den Schlamm aus dem See entfernen. Nach Abschluss der Maßnahmen soll der Badesee wieder angestaut werden. Noch nicht einig sind sich die Verantwortlichen, ob der Atzmannsee erneut mit Friedfischen besetzt werden soll oder nicht. Einige fürchten, dass sich im See ohne karpfenartige Fische die Wasserpflanzen und Algen vermehren könnten.

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