08.01.2019 - 13:12 Uhr
EslarnOberpfalz

Der letzte Helfer in Eslarn

Stefan Hammerl hält die Stellung. Wenn in Eslarn etwas passiert, springt der gelernte Rettungssanitäter ins Auto und fährt los. Seine Bereitschaft dauert 24 Stunden, an sieben Tagen. Er ist der letzte verbliebene Helfer vor Ort.

Stefan Hammerl übernahm im vergangenen Jahr fast alle Einsätze der Helfer vor Ort in Eslarn.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Stefan Hammerl kommt im Schnitt fünf Minuten vor dem Krankenwagen an. Er gibt den Patienten Sauerstoff, versorgt Wunden, prüft Vitalzeichen und ruft bei Bedarf gleich den Notarzt dazu. Der 44-Jährige ist Helfer vor Ort. Im Jahr 2018 war Hammerl mit Ausnahme weniger Tage der Einzige in der Grenzgemeinde, der den ehrenamtlichen Dienst für das Rote Kreuz geleistet hat. Das war nicht immer so.

"Wir haben vor über zehn Jahren mit sieben oder acht Leuten begonnen", erinnert sich der gelernte Intensiv- und Anästhesiepfleger. "Wir waren neben Windischeschenbach einer der ersten Standorte der Helfer vor Ort im Landkreis." Eslarn war also Vorreiter bei diesem ehrenamtlichen Dienst, der Leben retten kann. Doch die Bereitschaft zum freiwilligen Dienst am Menschen hat mit der Zeit immer mehr abgenommen.

Immer Bereitschaft

Bis Mitte 2017 hatte sich Hammerl noch den Dienst mit BRK-Urgestein Manfred Bäumler geteilt, bis dieser aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht mehr weitermachen konnte. Seither hat Hammerl laut eigener Aussage "Bereitschaft rund um die Uhr." Dabei betreibt er selbst inzwischen einen Pflegedienst, fährt gelegentlich dafür auch bis nach Neustadt. Abends und Nachts, sagt er, wenn er daheim ist, fährt der Eslarner immer zu den Einsätzen. Vier- oder fünfmal im Jahr wird er zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand gerufen und beginnt mit der Wiederbelebung. Da zählt jede Minute, und Hammerl weiß, dass sein frühes Eintreffen Leben retten kann.

Nicht immer ist es so dramatisch. Seine ehrenamtliche Aufgabe wahrzunehmen, sei aber immer wichtig, findet er. "Mit der Beruhigung des Patienten ist schon viel erreicht. Einfach mit dem Da-sein." Manchmal hat es auch für Hammerl keinen Sinn, zum Einsatzort zu fahren. Wenn er zum Beispiel gerade in Neustadt unterwegs ist und der Krankenwagen schneller da ist. Immer würde er zu größeren Unglücken kommen, von denen er wisse, dass jede Hand gebraucht wird.

Problem auch für Waidhaus

Doch Hände hat Hammerl nur zwei und eigentlich würden an der Grenze noch einige mehr gebraucht, um die Bereitschaft der Helfer vor Ort zu gewährleisten. Eslarn ist nicht der einzige Ort mit Problemen bei der Besetzung. In Waidhaus haben sich 2 Kräfte im vergangenen Jahr 71 Einsätze geteilt (Eslarn: 101). Im Bereich Leuchtenberg kamen 11 Helfer auf 116 Einsätze, in Vohenstrauß fuhren 10 Helfer zu 350 Einsätzen.

BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer sagt, das Rote Kreuz suche natürlich immer Freiwillige in unterbesetzten Gebieten. Das sei allerdings nicht so leicht. "Tagsüber sind die Leute nicht dort. Die arbeiten in Ballungsräumen." Außerdem seien Dienste auch am Wochenende und nachts zu besetzen. "Wenn es möglich ist, machen wir es rund um die Uhr. Das geht zum Beispiel mit Schichtarbeitern." Der Kreisgeschäftsführer stellt klar, dass es sich beim Dienst der Helfer vor Ort um eine freiwillige Leistung handelt. "Der Dienst ist nicht zu hundert Prozent gewährleistet." Dafür gibt es den Rettungswagen, der Eslarn seit seiner Verlegung von Vohenstrauß nach Lohma im Jahr 2015 in 9 bis 11 Minuten erreichen kann.

Die Helfer entlasten allerdings die Arbeit der Rettungssanitäter. Galitzdörfer wünscht sich eine flächendeckende Versorgung. "Wir bilden die Leute auch aus", sagt er. Ohne Grundausbildung habe es keinen Sinn, jemanden rauszuschicken. Wer Helfer vor Ort werden möchte, brauche Idealismus, Menschlickeit und Freude am Helfen. Das hat offenbar Laura Roth aus Eslarn. Sie hat die Sanitätsgrundausbildung abgeschlossen und immer wieder Hammerl bei den Einsätzen begleitet. "Von selber wäre ich nicht draufgekommen", sagt sie. "Der Manfred Bäumler hat mich damals darauf angesprochen, das in die Wege geleitet und sich einen Nachfolger gesucht." Für die Arzthelferin ist es die perfekte ehrenamtliche Ergänzung zu ihrem Beruf. Roth wird sich als neue Helferin ab diesem Jahr mit Hammerl die Dienste in Eslarn teilen.

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