12.07.2019 - 11:46 Uhr
EslarnOberpfalz

"Liebes Eslarn, bleibe in Frieden besteh'n"

Eine Eslarnerin stellt ein Feldkreuz auf. Christl Birnkammer möchte an ihre verstorbenen Eltern erinnern. Ihr Vater, der Heimatforscher Wilhelm Kleber, hat dort oft gestanden.

Bürgermeister Reiner Gäbl, Pfarrer Erwin Bauer, Thomas, Christl und Franziska Birnkammer mit Freund Ludwig Brugger (von rechts) haben ein Feldkreuz auf den höchsten Ort von Eslarn platziert.
von Karl ZieglerProfil

Die Sitzbank am Schlossberg war für das verstorbene Ehepaar Anna und Wilhelm Kleber und deren Tochter Christl stets ein Ort der Besinnung. Nun steht ein neues Kreuz zu Ehren des verstorbenen Bankdirektors der Raiffeisenbank Eslarn und des Bürgermedaillenträgers Kleber auf dem Schlossberg. Für Tochter Christl Birnkammer erfüllte sich mit dem Feldkreuz zum Gedenken ihrer Eltern ein lang gehegter Wunsch. "Diese Stelle, an der sich meine Eltern und auch ich immer sehr wohlgefühlt haben, ist ein besonderer Lieglingsort."

Das Kunstwerk hat Manfred Becher aus Pullenried geschaffen. Bürgermeister Reiner Gäbl hatte den Standort für das Kreuz zur Verfügung gestellt. "Für meine Eltern war es, und für mich ist dieser höchste Punkt in Eslarn das schönste Fleckerl des Ortes", sagte Birnkammer. Der "Bartl Willi", wie der am 2. April 2017 verstorbene Wilhelm Kleber volkstümlich von den Eslarnern genannt wurde, schwärmte von der Stelle aus von den wunderbaren Sonnenuntergängen und vom Rauschen der Kornähren, mit denen der Wind spielte. Er verweilte an vielen schönen Stellen, an denen dem Geschichts- und Heimatforscher Gedanken durch den Kopf gingen, die er in seinen Unterlagen festhielt.

"Nicht in der wirklichen Welt, nur im Herzen, nur in der Seele wohnt das Schöne und man muss lernen, dass die Zeit dein Freund ist", philosophierte Kleber auch am Schlossberg über das Leben, über Gott und die Welt. Den Spruch auf dem Kreuz "Mein liebes Eslarn, bleibe in Frieden besteh'n, nirgends war für mich das Erdenleben so schön", fand seine Tochter nach dem Tod ihres Vaters in den Unterlagen. Mit den Versen drückte der Eslarner die innige Verbundenheit mit seiner Heimat aus. "Dieser Ort soll zusammen mit dem Kunstwerk ein Ort der Erinnerung sein, und ich hoffe, dass immer wieder Menschen zum Gebet am Feldkreuz verweilen und sich noch viele Jahre an den 'Bartl Willi' erinnern werden", wünschte sich die Initiatorin.

Der Höhepunkt für Birnkammer, ihren Ehemann Thomas und Tochter Franziska Birnkammer mit Freund Ludwig Brugger war die Segnung des Kreuzes durch Pfarrer Erwin Bauer. "Es war ein sehr, sehr windiger Nachmittag und man konnte die Anwesenheit des Heiligen Geistes förmlich spüren", beschrieb Birnkammer. Auch zum Zeitpunkt der Kreuzsegnung wiegten sich die Getreideähren im Wind, die Blumen standen in voller Blütenpracht und das Sommerwetter ermöglichte einen Fernblick über das weite Grün. Viele dieser Eindrücke verewigte Kleber in Gedichten und Aufzeichnungen und insbesondere als Autor in seinem Bildband "Eslarn - Ein Blick zurück". So hat er anlässlich des Heimatfests historische Bilderausstellungen organisiert und Vorträge über die Geschichte von Eslarn und seiner Umgebung gehalten.

Unter die Familienmitglieder und Verwandten mischte sich auch der Rathauschef. "Willi Kleber war ein Eslarner, dessen Verdienste um den Ort mit diesem Marterl erhalten bleiben", stellte Bürgermeister Gäbl fest. Der Bildband sei auch für zukünftige Generationen ein wertvolles Werk. "Der Standort war nicht nur sein Lieblingsplatz, sondern auch ich verweile gerne an diesem historischen Ort am Schlossberg", so Gäbl.

Pfarrer Bauer hielt den Platz mit dem schönen Ausblick für ideal für das Kreuz. Auch käme es entgegen früheren Zeiten heutzutage nicht oft vor, dass jemand ein Feldkreuz aufstelle, wofür der Geistliche der Urheberin dankte. "Wollen wir an dieser Stelle um das Heil und den Segen für die Familie Kleber bitten." Das Marterl an der ortsprägenden Kiefer sei auch ein Zeichen der Erinnerung.

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