14.06.2019 - 16:18 Uhr
EslarnOberpfalz

Mist fürs Eslarner Grundwasser?

Knapp 8000 Tonnen Hühnermist werden aus Niedersachsen in der Oberpfalz gekarrt und entsorgt. Darüber ärgern sich nicht nur die Grünen, die deshalb mit Eslarns Bürgermeister Reiner Gäbl sprechen.

Hühnermist auf Deutschlandtour: Stefan Schneider, Pfarrer Georg Hartl (Waidhaus), Falk Ponsold (Bund Naturschutz), Bürgermeister Reiner Gäbl, Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol, sein Kollege aus dem Bundestag, Stefan Schmidt, sowie Landtagsabgeordnete Anna Toman und Kreisrat Johann Mayer (von links) erörtern das drängende Thema.
von Gabi EichlProfil

Einig waren sich die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, darunter Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt, die Landtagsabgeordneten Anna Toman und Jürgen Mistol sowie der Kreisrat Johann Mayer und Bürgermeister, dass nur eine Wende in der Landwirtschaftspolitik den überdimensionierten Ausbau von Biogas-Anlagen verhindern könne. Denn die Bauern verhielten sich schlicht „dem System entsprechend“, sagte Mistol. "ein System, das „komplett in die Sackgasse führt“, wie Schmidt anmerkte.

"Versteh' die Welt nicht"

Die Initiative zu dem Gespräch war von dem Eslarner Ehepaar Stefan und Beate Schneider ausgegangen, das sich eigenem Bekunden zufolge unter anderem um die Trinkwasserqualität in der Gemeinde Sorgen macht. „Ich versteh' die Welt nicht mehr“, sagte Stefan Schneider. 7600 Tonnen Hühnermist würden nicht ganz 700 Kilometer von Niedersachsen nach Eslarn transportiert, etwa eine Lkw-Ladung täglich, um hier in der vor kurzem deutlich vergrößerten Biogas-Anlage in Roßtränk verwertet zu werden. „Ist das ein Müll-Export?“, fragte er.

Denn die riesige Menge Hühnerkot bleibe ja in der Region und werde nicht etwa nach der Verwertung wieder nach Niedersachsen zurückgefahren. „Das ist Agrar-Gas, mit Bio hat das nichts mehr zu tun.“ Diese hochbelastete Unmenge von Gärresten aus der niedersächsischen Massentierhaltung werde in der Gemeinde wieder ausgebracht, daher seine Angst, „dass wir das gute Trinkwasser, das wir noch haben, irgendwann nicht mehr bedenkenlos trinken können“.

Bürgermeister Reiner Gäbl teilt diese Sorge, wie er sagte. „Und es geht ja auch um den Boden“, der in Jahrzehnten noch zu bewirtschaften sein solle. Der Grundgedanke von Biogas-Anlagen, demzufolge nur verwertet würde, was unmittelbar in der Region anfalle, sei nach wie vor begrüßenswert, aber nicht die Praxis, über hunderte von Kilometern Hühnermist aus der Massentierhaltung hierher zu transportieren. „Ich möchte nicht erleben, dass die Nitratbelastung so hoch wird, dass wir unseren neu gebohrten Brunnen stillegen müssen“, sagte Gäbl. Er hätte die Genehmigung der Erweiterung der Anlage gern gerichtlich prüfen lassen, die Mehrheit des Gemeinderates sei jedoch gegen eine Klage gewesen. Ein Umstand, den auch MdL Jürgen Mistol bedauert; denn die Genehmigung durch das Landratsamt trotz der ablehnenden Haltung der Gemeinde sei „schon bedenklich“.

Flächen in Tschechien

Biogasanlagen-Betreiber in der Region haben den Worten Gäbls zufolge vielfach landwirtschaftlichen Grund im benachbarten Tschechien gepachtet, um genügend Fläche nachweisen zu können. Dadurch würden heimische landwirtschaftliche Strukturen zerstört, „denn mit diesen Pachtpreisen kann keiner mithalten“.

Der Grünen-Kreisvorsitzende Johann Mayer sprach von einem „untragbaren System“; die Anlagenbetreiber bekämen zu viel Geld für den erzeugten Strom, dabei sei es die Wärme, die gefördert werden müsse. „Der Geist ist aus der Flasche“, sagte Mayer.

Die Gesprächspartner einigten sich darauf, die Anlagen im Auge zu behalten und die öffentlich zugänglichen Parameter regelmäßig abzufragen. Darüber hinaus sei der Gesetzgeber gefordert.

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