11.02.2020 - 10:27 Uhr
EslarnOberpfalz

Pfarrfasching übertrifft alle Erwartungen

Der Saal im Pfarrheim „Sankt Marien“ war voll besetzt. Gelungene Inszenierung durch kirchliche Laiendarsteller und ein geistliches Schneewittchen strapazierten die Lachmuskeln.

Schneewittchen mit seinen sieben Zwergen.
von Karl ZieglerProfil

Die Akteure der kirchlichen Gremien übertrafen die erhofften Erwartungen und garantierten mit Pfarrer Erwin Bauer und Pfarrvikar Bivin Plapparambil beste Stimmung. Das Organisationsteam um Nicola Hummer kümmerte sich um das Gesellige und Ulrike Eschenbecher mit dem Frauenbund sowie einigen Helfern um das kulinarische Wohl der Gäste.

Hinter den Kulissen wurde in den letzten Wochen fleißig geübt. Gerätselt wurde über das diesjährige Kostüm von Pfarrer Bauer, der seine Faschingsgarderobe wie Ministerpräsident Markus Söder in einem Nürnberger Geschäft erworben haben soll. Mit viel Beifall und im Klang der Schlagermelodie „Dschinghis Khan“ marschierte das Schneewittchen (Pfarrer Erwin Bauer) umschwärmt von sechs Frauenbund-Zwergen (Tanja Zierer, Carmen Floß, Inge Freisleben, Beate Roth, Maria Stephan und Gunda Hölzl) und dem geistlichen Zwergenbeirat (Pfarrvikar Bivin) in den Saal. Auf der Bühne bogen sich die grazilen Glieder und Leiber beim Tanzenreigen hin und her und die Gemeinschaft aus dem Märchenland fand enormen Zuspruch. Dem Aufruf zur Polonaise folgten unter der Führung der holden Märchengestalt rund 60 Gäste. Für die Treue gabs hinter den sieben Bergen in der Küche eine flüssige Dreingabe.

Ins Rampenlicht traten viele tolle Kostüme, unter anderen nach dem Motto „er kam, sah und siegte“ in weißen, goldenen Gewändern der römische Feldherr Caius Julius Caesar (Hans-Jürgen Schnappauf) und Kleopatra (Martina Schnappauf). Den ersten Fasching in Eslarn live miterleben durften drei Inderinnen in ihren traditionellen Wickelröcken (Saris). Für ständige Belegung der Tanzbühne sorgte musikalisch Alleinunterhalter Harmonika Franz aus Saltendorf. Der Musiker verstand es alle Tanzverliebten unter anderen zu einem Walzer und spezieller Twist-Musik auf die Bühne zu locken und brachte bei der Damenwahl so manchen Herrn ins Schwitzen.

Die Stimmung erneut hochschlagen ließ der Auftritt von Nicola Hummer als „Capello“ und Waltraud Karl als „Minestrone“. Die beiden schafften es, dass die göttliche Stimme von Jesus (Gregor Härtl) am Kreuz geheimnisvoll im Saal erklang und förderten mit dem Trinkspruch: Fließe hinab, du edle Jauche und schlage Dellen in meinem Bauche“ den flüssigen Umsatz im Saal. Die komödiantischen Szenen erinnerten an „Don Camillo und Peppone“, die beide ihre kirchlichen und politischen Standpunkte wortgewandt verteidigen. Jeder wollte den gelungenen Pfarrfasching für sich verbuchen, so dass jeder ihn eröffnen wollte.

„Jesus schau, die Kerze ist doch wirklich weich und macht ihm doch gar nichts aus“ sprach Don Capello zu seinem Herrn. „Don Capello bedenke, selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ erwiderte die göttliche Stimme aus dem Hintergrund. Mit Worten wusste sich Minestrone bestens zu behaupten und zählte all seine vollbrachten Werke in der Gemeinde auf. Die guten Zusammenarbeit mit der Kirche beschrieb er durch die Erneuerung der Kirchturmuhr und Beteiligung an der Umgestaltung des Spielgartens im Kindergarten. Die Amtsgeschäfte ließen keine Zeit zu einem Gottesdienstbesuch, erwiderte Minestrone auf den Vorwurf von Don Capello. Zum Ende des verbalen Austausches einigten sich beide und stellten fest, dass nicht der Zoiglbrunnen und das Kommunbrauhaus sondern die Pfarrkirche das größte Bauwerk und Wahrzeichen von Eslarn ist.

Die Lachmuskel arg strapaziert wurden zudem bei einem Sketch zu den Einsparungen im Gesundheitswesen. Im Seniorenheim „Pfarrheim“ kam deutlich zutage, dass Teilen und die nochmalige Verwendung von Alltagsgegenständen aufgrund der spärlichen Mittelzuteilung zwingend erforderlich ist. Die Pflegeschwester „Carola“ (Kleber) musste sich bei den Anwendungen und der Betreuung ihrer Heimbewohner Waltraud Karl, Claudia Balk, Anton Hochwart und Gregor Härtl genau an die Vorgaben halten, um der Wirtschaftlichkeit gerecht zu werden. In Reih und Glied erledigten die Heimbewohner rationell den Stuhlgang und die Körperhygiene. Anstatt der Worte regelte eine Glocke die Dauer für eine Pflegeeinheit. Mit einer großen Zahnbürste wurden reihum die noch vorhandenen Gebisse gesäubert und teilweise das Wasser zur Mundspülung sparsam an den Nachbarn weitergegeben. Brüderlich teilte sich ein Pärchen auch das Klopapier.

Im Anschluss boten die Ministrantinnen Marie Hummer, Julia Bauriedl und Venessa Illing eine besondere „Reise nach Jerusalem“. Zahlreiche modische Unterhosen in den Größen 6XL und Beweglichkeit beim Aus- und Anziehen standen im Rampenlicht. Wacker geschlagen hat sich die Geistlichkeit, wobei am schnellsten in die übergroßen Hosen Bernd Reil und seine Frau schlüpfen konnten. Beide durften sich über eine Flasche Sekt und einen Blumenstrauß freuen.

Der krönende Abschluss war der Auftritt von "Mathild" (Doris Wild) und "Amalie" (Agnes Härtl), die bei einem Bankerltreff wieder viel zu berichten hatten. So machte das Wahljahr den überraschenden Besuch durch so manchen Kandidaten bei Veranstaltungen möglich. Für die kühlen Steinblöcke auf dem Tillyplatz forderten die geschwätzigen Frauen eine Isomatte als warme Sitzunterlage und zur generationsübergreifenden Freizeitbeschäftigung einen Parcours. „Nau kanntn die Leit fa´ da AWO und van Klug mit die Rollator und dai Boum mit die Radla rennen foahrn.“ Ins Gespräch kam der ausgesperrte Pfarrrer aus der Sakristei und der indische Abend mit leckeren scharfen Speisen. „Na dau werad mir a hiaß, wenn e mit an su an scheina Pfoarra kochen derfad.“ Aufgrund der theaterreifen Aufführungen konnten die zahlreichen Gäste beim kurzweiligen Pfarrfasching die Seele bei bester Musik, guter Kost und ausgelassenen Humor regelrecht baumeln lassen.

Rationell arbeiten heißt es aufgrund der Einsparungen im Gesundheitswesen.
Die Stimmung hochschlagen ließ der Auftritt von Nicola Hummer als „Don Capello“ und Waltraud Karl als „Minestrone“.
Tolle Kostüme bereicherten den Pfarrfasching.
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