05.04.2019 - 11:27 Uhr
EslarnOberpfalz

Putzer der ganz großen Pfeifen

Die Eslarner Orgel aus dem 18. Jahrhundert ist in die Jahre und damit sozusagen in den "Stimmbruch" gekommen. Den Musikkennern fiel auf, dass das Instrument neu gestimmt und wieder einmal repariert gehört. Nun war die Zeit dafür gekommen.

Orgelbauer Rainer Kilbert und Mitarbeiter Stefan Himmelstoß (von rechts) bauen die bis vier Meter langen Orgelpfeifen aus und stimmen die Orgel neu.
von Karl ZieglerProfil

Laut Pfarrer Erwin Bauer sei das Kernproblem vor allem die Disposition mit Register und Windlade. "Es fehlen vor allem die leisen Töne." Hochwertig seien das Gebälk und die Pfeifen. Mit den dringend notwendigen Reparaturarbeiten beauftragte die Kirchenverwaltung den seit 1983 erfahrenen Orgelbauer Rainer Kilbert aus Lappersdorf. "Wir wollen aus der Orgel das Beste machen und das Möglichste herausholen", sagte Kilbert. Die Reparaturen kosteten rund 13.000 Euro.

Mit seinem Mitarbeiter Stefan Himmelstoß baute er die einzelnen kleinen und großen Pfeifen aus und nahmen nach den nötigen Reparaturen eine grundlegende Stimmung der Orgel vor. Die Überholung betraf vor allem auch die Sicherheitstechnik, so dass insbesondere die Stromversorgung der in die Jahre gekommenen Orgel ausgetauscht wurde. "Die elektronische Absicherung der Orgel war nicht mehr zulässig." Derartige Orgeln gebe es laut Orgelbauer wenige. Nach Abschluss der Reparaturarbeiten dürfen sich die Kirchgänger wieder auf laute und kraftvolle Klänge, aber vor allem auf neue leise und sanfte ihrer Organistin Martina Brenner freuen.

Laut Orgelbauer Kilbert ist das Instrument eine sogenannte Weiß-Orgel, von Orgelbauer Andreas Weiß aus Nabburg aus dem 18. Jahrhundert. Den schriftlichen Auftrag zum Bau der Orgel mit zwei Manualen, Pedal und 18 Register erhielt Weiß am 1. Juli 1755. "Das Werk wurde 1757 mit sieben Fuhrwerken von Nabburg nach Eslarn gekarrt", zitierte Orgelbauer Kilbert aus dem Buch "Historische Orgeln in der Oberpfalz" von Eberhard Kraus. Um den reich verzierten Orgelprospekt kümmerten sich im gleichen Jahr Bildhauer Peter Hirsch und Altarschreiner Peter Bacher aus Amberg.

Wegen Geldmangel blieben Orgel und Kanzel längere Zeit im Rohzustand. Erst 1775 erhielt der Kunstmaler Johann Wild laut Heimatforscher Josef Hanauer den Auftrag zur farbigen Gestaltung.

Die Eslarner Kirche soll laut Kilbert zu dieser Zeit noch kürzer gewesen sein. Wo sich heute die Emporenbrüstung mit der Orgel befindet, stand früher die Kirchenrückwand. "Es muß ein zentrales Fenster in dieser Wand gegeben haben, denn Andreas Weiß umspielte es förmlich durch die Zweiteilung des Orgelhauptgehäuses, sowie durch den Bau des Rückpositives und der Attrappe eines Kronwerks." Damit waren laut Kilbert sicherlich auch die Lichtverhältnisse gänzlich anders als heute. In den Jahrzehnten wurde das künstlerisch gestaltete Orgelwerk laut Hanauer und Kilbert mehrmals erneuert und geändert.

Die erste Orgelreparatur führte 1784 Thomas Kraupa aus dem böhmischen Kladrau aus und 1862 folgte eine weitere, wohl sehr umfangreiche Reparatur durch die Orgelbauer Franz Anton und Joseph Ehrlich aus Bärnau. Nach erneuten Reparaturen 1889 und 1896 bekam die Eslarner Kirche um 1900 ein neues Orgelwerk von Franz Borgias Maerz aus München. Mit zehn Registern auf einem Manual und Pedal war diese deutlich kleiner als die Weiß-Orgel. "Glücklicherweise baute man sie wieder in das Gehäuse von 1757 ein", merkte Kilbert an.

Als 1909 die Kirche nach Westen verlängert wurde, war der Ab- und Wiederaufbau der Orgel nötig. Dies führte der Werkstattnachfolger von Franz Borgias Maerz, Albert Schönle durch. Seine Orgelbauer Georg Waldenmeier und Georg Meier restaurierten mit Unterstützung von Schreinermeister Sebastian Dünkl und seinem Sohn das Gehäuse und bauten das Orgelwerk wieder darin ein.

"Einen rechten Begriff von der schwierigen Arbeit der angeführten Herren kann sich eigentlich nur derjenige machen, der die vielen, zum Teil morschen Stücke des alten Gehäuses liegen sah", heißt es auf einem bis heute erhaltenen Zettel im Orgelinneren. Laut dem Geschichtsforscher Josef Hanauer und dem Buchautor Eberhard Kraus "Historische Orgeln in der Oberpfalz" folgten weitere Überholungen. Einen größeren Umbau erfuhr die Orgel 1933 von Michael Weise aus Plattling und 1934 auf Betreiben des musikalischen Benefiziaten Karl Sagstetter. Die Orgel erhielt durch Orgelbauer Robert Kaulmann aus Wegscheid ein neues Innenleben mit Technik und Pfeifen. Das Jahr 1973 brachte dem alten Gehäuse wiederum ein neues Orgelwerk, wobei das stillgelegte Rückpositiv wieder mit klingenden Pfeifen bestückt wurde. Diese Orgel von Robert Kaulmann aus Wegscheid bei Passau hat nun drei Manuale, 25 Register und 2062 Pfeifen.

Die heutige Orgel besteht aus einem kleinen Vorwerk mit kleinen Orgelpfeifen an der Emporenbrüstung, und einige Meter nach hinten versetzt befindet sich das aus zwei Flügeln bestehende große Orgelwerk, das mit einer Brücke verbunden ist. Auf der Orgel sitzen musizierende Engel, drei Tubabläser und ein Paukenschläger und am Vorwerk der Empore beleben zusätzlich zwei singende Engel den Aufbau.

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