11.01.2019 - 10:33 Uhr
EslarnOberpfalz

Still und starr ruht der Tourismus in Eslarn

Die Zahl der Übernachtungen in der Marktgemeinde stagniert. Gäste finden weder Bett noch Essen. Der Tourismusverein existiert nicht mehr. Bürgermeister Reiner Gäbl fordert von den Bürgern einen Gesinnungswandel.

Die Freizeitanlage Atzmannsee mit Schwimminsel gilt auch über Eslarn hinaus als besonders schöner Badeort. Doch auch im Sommer kommen nur wenige Touristen in die Grenzgemeinde.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

(dko) Die Marktgemeinde Eslarn hat vor Jahrzehnten goldene Zeiten im Tourismus erlebt: 50 000 Übernachtungen gab es laut Statistik jährlich. Fünfmal mehr als heute.

Der Grund waren verschiedene Vereinbarungen: Der für Maschinen- und Anlagenbau sowie Umwelttechnik bekannte Konzern Babcock aus Oberhausen im Ruhrgebiet hatte in dieser Zeit seine Belegschaft hierher in den Urlaub geschickt. Auch mit der Urlaubskasse des Baugewerbes und mit dem Berliner Senat gab es Vereinbarungen auf vergünstigten Urlaub. Im Mai 1988 gründete sich der Tourismusverein. Die Eslarner wollten laut Ehrenvorsitzendem Johann Bauer "mehr für die Urlauber machen". Beim Heimatabend füllten gut 100 Besucher den Bauriedlsaal. Bauer erinnert sich ans Wettnageln, Ausbuttern und die Miss-Bein-Wahl. "Das war halt eine Riesengaudi."

Insolvenz und Leerstand

Dann kam alles anders. Im Jahr 2002 meldete Babcock Insolvenz an. Die Gäste blieben aus. Das war ein Problem für das Hotel "Ritterklause" mit über 100 Zimmern. Seit rund 15 Jahren liegt dieses Potenzial nun laut Bauer brach.

Mit dem leerstehenden Hotel scheint auch die Grenzgemeinde in einen Tourismus-Dornröschenschlaf gefallen zu sein: Seit Jahren stagnieren die Übernachtungen bei rund 10 000. Zum Vergleich: In der Marktgemeinde Moosbach sind es rund 23 000. Auch die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten in Gästezimmern und Pensionen ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Das Puppenmuseum und Lokale schlossen, zwischenzeitlich fanden Besucher in Eslarn mittags nichts zu Essen. Vier Jahre lang trifft sich der Tourismusverein nicht zur Mitgliederversammlung. Im September vergangenen Jahres löst er sich auf. Bauer will es nicht wahrhaben und stimmt als einziger dagegen. "Man hat gemerkt, das Interesse war nicht mehr da", sagt er.

Gäste suchen Café

Bürgermeister Reiner Gäbl leugnet den Strukturwandel im Gastgewerbe nicht. "Der Tourismus hat sich massiv gewandelt. Damals war die Idee so: Man fährt in den Oberpfälzer Wald, genießt die Natur, die Luft, die guten Quartiere und die Heimatabende. Aber das ist einfach nicht mehr gefragt. Das trifft auf die ganze Region zu."

Das Marktoberhaupt findet, Eslarn habe da gut gegengesteuert. "Wir können aber nicht konkurrieren mit Tourismusregionen, die ganz andere Preise bieten. Etwa eine Woche Türkei für 500 Euro." Gäbl erwähnt den Paneuropa-Radweg und den Jakobsweg, der durch die Marktgemeinde führt. Auch der "Iron-Curtain-Trail" verläuft durch Eslarn: Ein Angebot an ambitionierte Mountainbiker, das entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs Norwegen mit dem Schwarzen Meer verbindet. Der Rathauschef meint, die Zeiten, in denen jemand zwei Wochen Urlaub in der Region gemacht hat, seien einfach vorbei. "Wandern, Radfahren, Pilgern und unsere Zoiglkultur: Dafür kommen Gäste, die eine oder zwei Übernachtungen bleiben. Das muss in den Köpfen der Leute ankommen."

Es gebe ja auch jetzt schon Besucher. "Wenn ich im Frühjahr, Sommer oder Herbst aus dem Fenster des Rathauses schaue, und ich sehe die Touristen mit Rucksack oder Rad, die schauen, 'Wo kann ich hingehen?', dann tut mir das Herz weh. Dann spring ich runter und sag, 'Kann ich ihnen helfen? Da gibt's ein Café'."

Mut gefragt

Gäbl findet, seine Gemeinde müsse sich auf diese Touristen einstellen. "Was mir fehlt, ist ein Teil der Gastronomie. Das ist ein Problem, das kann man aber nur beheben, wenn es Nachfrage gibt. Und dann gibt's die Mutigen, die sagen, ich wage mich wieder in dieses Geschäft." Seit einigen Monaten sei der Gasthof "Wienerhof" wieder geöffnet. Dort gebe es nun zumindest am Wochenende mittags warme Küche. Zuvor stand der Gasthof fünf Jahre leer. Das Angebot werde "gut angenommen", sagt Inhaber Bernhard Kirschner. Allerdings ist er froh über die Unterstützung der Dartfreunde Eslarn, die im "Heustodl Isling", der Bar im ersten Stock, ihr Stammlokal haben.

Was laut Gäbl darüber hinaus wünschenswert wäre, sind Übernachtungsmöglichkeiten. "Ich setze da auf unsere städtebauliche Entwicklung. Da geht es darum, Leerstände zu Ferienwohnungen umzubauen. Die sind wirklich massiv gesucht." Familiengruppen und Busunternehmen würden bei Tourismusleiterin Gabriele Buchbinder anrufen und nach einem Besuch des Biererlebnis Kommunbrauhauses mit Übernachtung fragen. Doch für 20 Personen sei das in Eslarn nicht möglich. Buchbinder muss die Anrufer zum Übernachten nach Moosbach oder Schönsee verweisen. Das Marktoberhaupt will jetzt die Haus- und Wohnungsbesitzer über Fördermöglichkeiten aufklären.

Auf Touristen einstellen

Die Zeiten, in denen in Eslarn ein Hotel wie die "Ritterklause" mit mehr als 100 Zimmern voll werden kann, seien aber laut Gäbl auch noch nicht unbedingt vorbei. "Letzten Endes hat der bayerische Wald kaum etwas anderes zu bieten als wir, außer, dass die Berge ein bisschen höher sind. Besucher können genauso Ausflüge machen und die Natur genießen. Was fehlt, ist ein Investor, der Geld in die Hand nimmt. Aber ich schließe das für die Zukunft nicht aus."

Der Rathauschef meint, es brauche einen Gesinnungswandel: "Wir müssen irgendwann einmal merken und schätzen, dass mit dem Tourismus auch Geld verdient wird. Das betrifft nicht nur die Übernachtungen. Das betrifft die Bäckereien, die Metzgereien, die Gastronomie, und das ist ein Wirtschaftsfaktor. Das haben wir vergessen, und das müssen wir den Leuten wieder klarmachen."

Das Hotel "Ritterklause" mit mehr als hundert Zimmern steht seit Jahren leer. Hier sollen einmal Wohnungen entstehen.
Angemerkt:

Eslarn irritiert

Wer nach Eslarn kommt, findet sich nicht so einfach zurecht. Das gibt sogar Marktoberhaupt Reiner Gäbl zu, wenn er sagt, er spreche manchmal selbst mit Touristen, die hilfesuchend vor dem Rathaus stehen. Das Puppenmuseum ist geschlossen. Dennoch wirbt ein Schild weiter dafür. Das Hotel "Ritterklause" soll zu Wohnungen umgebaut werden. Doch es steht seit vielen Jahren da, als wäre nur gerade keine Saison und als würden die Gäste sicher bald wieder kommen. Manche Schilder im Ort werben für Gastronomie, doch ist nicht klar, ob es dort noch einen Betrieb gibt. Der "Wienerhof" bietet am Wochenende Mittagessen an, hat aber auch mittwochs geöffnet. Allerdings ist im Erdgeschoss niemand anzutreffen. In der Bäckerei wird man für einen Kaffee zum Mitnehmen zum Metzger geschickt. Besonders irritierend für die Gäste: Die Marktgemeinde hat sich die Zoiglkultur als Aushängeschild ausgesucht. Dafür gibt es das Biererlebnis Kommunbrauhaus und seit vergangenem Jahr den Zoiglbrunnen auf dem Marktplatz, enthüllt von Heimatminister Albert Füracker. Allerdings sind die nächsten Übernachtungsmöglichkeiten für größere Gruppen erst wieder in Moosbach oder Schönsee. Das macht es schwer, Zoiglkultur unbeschwert zu genießen. In Eslarn müsste nicht so viel Neues entstehen. Es bräuchte nur eine Konzentration auf das Wesentliche, einen klaren Leitfaden für Touristen.

Der Wienerhof mit "Heustodl Isling" wird seit Februar 2018 von Bernhard Kirschner (Bild) und Simone Kraus betrieben.
Das Schild lockt zwar zum Besuch, jedoch hat die Ausstellung schon lange geschlossen.
Dieses Lokal scheint geschlossen. Einige Orte lassen den unwissenden Besucher etwas ratlos zurück. Gibt es noch einen Betrieb oder nicht?
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