30.12.2018 - 13:34 Uhr
EslarnOberpfalz

Stockschießen statt Skifahren

Den Wintersportverein in Eslarn gibt es seit 50 Jahren. Der Schlepplift am Stückberg ist seit 2004 Geschichte

Auf dem Eslarner Stückberg herrschte Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre reger Wintersportbetrieb. Sogar Skikurse gab es. Lang ist’s her, der Lift existiert seit 2004 nicht mehr.
von Karl ZieglerProfil

Die Initiative zur Gründung eines Wintersportvereins in Eslarn und zum Bau eines Skiliftes hatte 1968 der damalige Bürgermeister Ludwig Landgraf. "Der Verein für Wintersport mit dem Sitz in Eslarn hat den Zweck, Ski und Eisstockschießen zu betrieben", schrieben die Gründer in die Satzung.

Im Januar 1968 trafen sich 16 Freunde des weißen Sports, die Gründung erfolgte am 14. Februar 1968 im Gasthof "Zur Krone von Bayern" (Kuch) mit 6 Frauen und 17 Männern. Das Gremium um Vorsitzenden und Ideengeber Bürgermeister Landgraf und Stellvertreter Wenzl Brenner verfasste die erste Satzung und übermittelte sie am 6. Dezember 1968 zum Eintrag ins Vereinsregister dem Amtsgericht. Im Gründerjahr forderte Landgraf als Bürgermeister und stellvertretender Landrat mit Unterstützung durch Landkreischef Johann Pösl am Stückberg den Bau eines Skilifts. Mit der Installierung eines Schlepplifts und dem Spuren von Langlaufloipen um den Stückberg schuf die Marktgemeinde für Wintersportler ein kleines Skizentrum.

Liftbetrieb ab Januar 1969

Der 1968 erbaute und 350 Meter lange Skilift wurde am 13. Januar 1969 freigegeben. Der Osthang garantierte eine sichere Schneelage. Obwohl die Abfahrt mit 450 Metern verhältnismäßig kurz war, herrschte gerade an Wochenenden reger Betrieb. In der Generalversammlung 1974 beim "Kuch" wählten die 38 Mitglieder Otto Barnickel zum Vorsitzenden und Eduard Forster zum Stellvertreter. Landgraf war aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr angetreten. 1979 übernahm Eduard Forster den Vorsitz. 1989 folgten Vorsitzender Hans Lindner und Vertreter Josef Wildenauer. Erstmals gab es separate Spatenleiter, Johannes Bauer für Eisstock, Rudi Bayer für Langlauf und Hermann Zimmermann für Alpin. Von 1991 bis 2001 führten Johann Lindner und Stellvertreter Josef Wildenauer den Verein.

Am 6. März 1992 erhielt der Wintersportverein vom Markt bis 2002 die schriftliche Erlaubnis, am Stückberg-Skilift einen Einzelhandel als Ergänzung zum Skiliftbetrieb zu betreiben. Der immer deutlicher werdende Schneemangel und die abnehmenden Aktivitäten am Skilift wegen der geringen Abfahrtslänge ließ in den Folgejahren die Diskussion zur Auflösung des WSV entfachen. Im gleichen Jahr stand in der Ausschusssitzung erstmals der Bau einer Sommerstockbahn und das Anlegung einer Langlaufloipe auf dem Bocklweg und nach Absprache mit Förster Josef Dirscherl durch den Staatsforst zur Diskussion.

Nach dem plötzlichen Tod des Vorsitzenden Lindner 2004 und dem Abbau des unrentablen Skilifts wurde es ruhig um den Verein und der WSV stand erneut vor der Auflösung. Mit einer neu gewählten Führungsriege erhoffte man 2006 neuen Schwung. Roman Stephan und Stellvertreter Josef Wildenauer leiteten bis 2011 den Vorsitz. Die Mitglieder erfüllten sich auf dem Gelände der Minigolfanlage in Eigenregie mit dem Bau einer 30 Meter langen Zwei-Bahnen-Anlage einen Wunschtraum. Unterstützung kam von der Gemeinde, die die Fläche zur Verfügung stellte, von Firmen durch Sachspenden und von Freunden durch maschinellen Einsatz.

Bereicherung für Tourismus

Der WSV investierte nicht nur rund 10 000 Euro aus der Vereinskasse ins Projekt, die Mitglieder erbrachten auch 282 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Beim Spatenstich am 29. September 2006 dankte Bürgermeister Reiner Gäbl dem WSV für die Aktivitäten und nannte den Bau eine Bereicherung der Freizeitanlage sowie vor allem für den Fremdenverkehr. Nach der Wiederbelebung zählte der WSV wieder 30 Mitglieder.

Am ersten großen Eisstockturnier nahmen 11 Teams teil. Inzwischen sind die Wettbewerbe, an dem sich mit Reinhold Beyerlein ein Weltklassestocker und mit Klaus Horn ein Bundesligaspieler beteiligten, fester Bestandteil im Kalender. Nach dem Rücktritt der beiden Vorsitzenden übernahm 2013 Katja Oertel kommissarisch die Vereinsführung. Die Bestätigung im Führungsamt erfolgte im September 2013. Zum Stellvertreter wurde Dietmar Steger gewählt. Mit der Fertigstellung eines Holzhäuschens im Wert von rund 5000 Euro erfüllte sich der WSV einen 2014 weiteren Wunsch. Auch hier zeigte sich mit kostenlosen Einsatz der Mitglieder das Zusammengehörigkeitsgefühls des WSV.

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