Das Kennzeichen verrät den ersten Zulassungsort, nicht die Herkunft
Auf den ersten Blick sehen tschechische Kennzeichen den deutschen recht ähnlich. Trotzdem lässt sich vom Autokennzeichen weniger ablesen als in Deutschland. „Die meisten regulären Kennzeichen beginnen mit einer Kombination aus Zahl, Buchstabe und Zahl“, sagt Tschechien-Expertin Magdalena Becher im Podcast „Aus böhmischen Dörfern“. Der Buchstabe steht dabei für den Bezirk, in dem das Fahrzeug ursprünglich zugelassen wurde. „Im Grenzgebiet begegnen deutschen Autofahrern besonders häufig Kennzeichen mit einem P für den Bezirk Pilsen oder einem K für den Bezirk Karlsbad. Ein A steht für Prag“, erklärt Becher. „Fahrzeuge mit diesem Kennzeichen sind häufig Firmen- oder Dienstwagen, können aber genauso gut Privatfahrzeuge sein.“ Doch die Regel gilt nur eingeschränkt: Seit 2015 gehört ein Kennzeichen fest zum Fahrzeug – auch wenn es später in eine andere Region verkauft wird.
Wunschkennzeichen kosten extra
Für Aufmerksamkeit sorgen immer wieder ungewöhnliche Kennzeichen, die vom gewohnten Buchstaben- und Zahlensalat abweichen – zum Beispiel ein Fruchtlaster mit dem Kennzeichen „Banan“. „Seit rund zehn Jahren können Fahrzeughalter in Tschechien Wunschkennzeichen beantragen“, erklärt Becher. „Fast alles ist erlaubt – solange der Text nicht beleidigend, rassistisch oder irreführend ist. Auch Bezüge zum Nationalsozialismus sind ausdrücklich verboten. Pflicht sind acht Zeichen und mindestens eine Ziffer.“ Ganz günstig ist der Spaß allerdings nicht. „Rund 5000 Kronen werden pro Kennzeichen fällig“, sagt die Tschechien-Expertin Magdalena Becher. Für Vorder- und Rückseite summiert sich das auf umgerechnet rund 400 Euro.
Ein „Z“ für Fahranfänger
Manche Autos tragen einen Aufkleber mit einem großen „Z“. „Das Z steht dabei für das tschechische Wort Začátečník und kennzeichnet Fahranfänger“, übersetzt Becher. „Der Aufkleber ist freiwillig und soll andere Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam machen, dass hier ein unerfahrener Autofahrer unterwegs ist.“
Škodas prägen das Straßenbild
„Mehr als ein Drittel aller Neuwagen in Tschechien sind Škodas“, sagt Magdalena Becher. „Besonders der Octavia gilt beinahe als tschechisches Volksauto.“ Viele Tschechen identifizieren sich mit ihrer heimischen Automarke: „Während hier in Deutschland bestimmte Marken eher als Statussymbol gelten, achten viele tschechische Käufer vor allem auf Alltagstauglichkeit, Zuverlässigkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Auch der Wiederverkaufswert spiele eine wichtige Rolle, sagt Becher. „Ein Auto soll möglichst lange genutzt werden und wirtschaftlich sein. Entsprechend pragmatisch fallen Kaufentscheidungen häufig aus.“
Unterschied beim Fahrstil
„Viele Tschechen gelten im eigenen Land als etwas offensiver unterwegs als deutsche Autofahrer“, so Becher. Tempolimits würden dort häufiger ausgereizt und Überholmanöver erfolgten mitunter entschlossener. „Umgekehrt genießen deutsche Autofahrer in Tschechien den Ruf, diszipliniert, vorausschauend und regelkonform zu fahren – manchmal wirken sie aus tschechischer Sicht allerdings auch etwas zu streng.“
E-Autos und E-Ladeinfrastruktur in Tschechien
Die Zahl der Elektroautos nimmt zu, obwohl die Elektromobilität lange deutlich kritischer diskutiert wurde als hierzulande. „Viele empfanden den Umstieg als politisch verordnet wegen der europäischen Klimavorgaben“, sagt Becher. „Inzwischen liegt der Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen erstmals im zweistelligen Prozentbereich.“ Die Stimmung habe sich spürbar verändert. Škoda habe einen großen Anteil daran, berichtet die Tschechien-Expertin. „Weil die Fahrzeuge aus dem eigenen Land stammen und Arbeitsplätze sichern, wird Elektromobilität inzwischen deutlich positiver wahrgenommen.“ Im Landesinneren und entlang der wichtigsten Verkehrsachsen gibt es inzwischen ausreichend Lademöglichkeiten für E-Autos. Anders sieht es teilweise noch im Grenzgebiet aus. Dort empfiehlt das tschechische Verkehrsministerium, längere Fahrten vorher zu planen und Ladepunkte gezielt auszuwählen.













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