09.09.2018 - 13:23 Uhr
EslarnOberpfalz

Verein kurz vor Auflösung

In der Jahreshauptversammlung des Fremdenverkehrsvereins kündigt der Vorstand nach vergeblichem Bitten um Nachfolger die Niederlegung der einzelnen Ämter an. Bis zur Auflösungsversammlung hoffen die Verantwortlichen weiter auf neue Impulse.

Das 25-jährige Bestehen feierten der FVV und der Touristikclub direkt an die Grenze. Auch wenn der FFV keine neue Vorstandschaft bilden kann, soll die Gemeinschaft mit privaten Unternehmungen weiter fortbestehen.
von Karl ZieglerProfil

Die Veränderungen im Tourismus, der rückläufige Mitgliederstand, die fehlende Resonanz bei Versammlungen und Aktionen veranlassen die Vorstandsmitglieder des Fremdenverkehrsvereins zum Rücktritt. Im Einladungsschreiben zur Mitgliederversammlung hat das Führungsteam um Vorsitzenden Frank Jakob mit zwei Alternativen, einer Neuwahl und Auflösung des Vereins, noch eine Möglichkeit zum Weitermachen eingebaut.

Da von den 38 nur 10 Mitglieder anwesend waren, kein neuer Vorstand gebildet werden konnte und die erforderliche Zweidrittelmehrheit für eine Auflösung nicht möglich war, findet am Freitag, 21. September, um 19.30 Uhr in der Zoiglwirtschaft bei Familie Kleber in Bruckhof eine weitere Sitzung statt. "Bei der Auflösungsversammlung genügt die einfache Mehrheit", fügte Vorsitzender Jakob an.

Der Fremdenverkehrsverein (FVV) wurde am 3. März 1988 bei einer Quartiergeberversammlung von Bürgermeister Karl Roth und dem Gründervorsitzenden Hans Bauer mit einigen Gleichgesinnten aus der Taufe gehoben. Als Vorsitzende folgten Kurt Baumann und Frank Jakob. Der Verein schrieb sich eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde, den Quartiergebern und Gaststätten, aber vor allem die uneigennützige Tourismusförderung auf die Fahnen. Die zahlreichen Urlauber und die Bevölkerung nahmen in den folgenden Jahren rege an den Hutzer- und Weinabenden, Ausbutterabenden, Wanderungen und den Besichtigungen kultureller Einrichtungen teil.

Tourismus im Wandel

Der Wandel zum Tagestourismus führte zur rückläufigen Teilnahme an den Veranstaltungen, so dass auch das Betätigungsfeld und der in den Statuten festgeschriebene Sinn und Zweck der Gründung allmählich wegfielen. Der Vorstand habe laut Vorsitzenden Frank Jakob bereits in der Sitzung am 17. Juni 2018 die prekäre Situation erläutert und die Niederlegung der Ehrenämter zur nächsten Mitgliederversammlung in Aussicht gestellt. Im Einladungsschreiben zur Jahreshauptversammlung erhoffte sich das Führungsteam von den 38 Mitgliedern neue Impulse, ansonsten sollte die Auflösung des FVV zur Diskussion gestellt werden. In der Teilnahme von lediglich 3 Mitgliedern sahen sich die 7 Vorstandsmitglieder vom mangelnden Interesse und in ihrer Entscheidung zur Auflösung bestätigt. In der Runde der 10 Teilnehmer begrüßte der Vorsitzende besonders Bürgermeister Reiner Gäbl und Ehrenvorsitzenden Hans Bauer. "Die Mitgliederzahlen sind weiterhin rückläufig, so dass wir aktuell nur noch 38 Mitglieder sind."

Der Vorsitzende erinnerte an die Gründung der Partnerschaft 1990 zwischen dem Touristik-Club Bela nad Radbuzou und dem FVV Eslarn unmittelbar nach der Grenzöffnung. Inzwischen konnte man das 25-Jährige mit einem Sektempfang an der Grenze und einer Feier im tschechischen Restaurant "Praha" in Zelezna feiern. Zur Erinnerung gab es bedruckte Poloshirts mit den beiden Gemeindewappen und dem Schriftzug "25 Jahre Eslarn - Bela n.R.". Mit einem Verkaufsstand habe sich der FVV auch am Markttreiben zum Heimatfest beteiligt.

Partnerschaft erhalten

In diesem Jahr machten sich Mitglieder mit Freunden aus Bela unter mit dem Zug zu einer Stadtführung nach Prag auf dem Weg. Mit dem Aufstellung des Osterbrunnens am Rathaus hielt der FVV eine langjährige Tradition aufrecht. Die Vorstandsmitglieder wollen die grenzüberschreitende Partnerschaft mit Bela auch nach der Vereinsauflösung mit gemeinsamen privaten Unternehmungen am Leben erhalten. Ebenfalls bestehen bleiben soll die aus begeisterten Tänzern aus Bela und Eslarn gegründete private Tanzgruppe "Line-Dancer".

Auf einen detaillierten Kassenbericht verwies Katharina Kleber. Der FVV hat dem Oberpfälzer Waldverein für die Sanierung des Stückbergturmes insgesamt 2000 Euro gespendet. Über eine Spende von jeweils 500 Euro durften sich die örtliche Organisation "Helfer-vor-Ort" und die Tagespflegeeinrichtung der Arbeiterwohlfahrt freuen. "Wir haben momentan ein Guthaben von 946,32 Euro, und in der Gemeindekasse sind 91,06 Euro." Bei einer Auflösung geht das Restguthaben an die Gemeinde.

In den Jahren sinkt das Interesse der Feriengäste an den Bayerischen Abenden. Ein Gast versucht sich hier im Wettmelken und Schriftführerin Beate Zierer (rechts) stoppt die Zeit.

Ehrenvorsitzender und Bürgermeister nehmen Stellung:

Der Ehrenvorsitzende und Vereinsgründer Hans Bauer äußerte in der Versammlung seinen Unmut über den Vorstand und die geplante Auflösung des Vereins. Ebenso missfiel ihm die Verteilung der Spenden an die Vereine und gemeinnützigen Organisationen. Nach seiner Meinung hätte man an andere Vereine und Institutionen spenden sollen. Im Namen der Marktgemeinde dankte Bürgermeister Reiner Gäbl dem Vorstand für die Aktionen und Aufrechterhaltung der langjährigen Partnerschaft mit dem tschechischen Touristikclub Bela. Die drohende Auflösung nannte Gäbl einen traurigen Anlass, zeigte aber auch Verständnis für den Unmut des Ehrenvorsitzenden. Hans Bauer habe den Verein ins Leben gerufen.

Gleichzeitig könne Gäbl aufgrund der rückläufigen Mitgliederzahlen und der geringen Teilnahme an Versammlungen den Entschluss zur Auflösung nachvollziehen. Der Tourismus habe sich verändert und verlagert, so dass angebotene Veranstaltungen des FVV von den Gästen seit Jahren nicht mehr angenommen werden.

Bei der Gemeinde werden überwiegend Kurzaufenthalte, vor allem durch Wander- , Rad- und Tagestouristen registriert, die beim Tourismusbüro nach einer Unterkunft vorstellig werden. Das oft von den Gästen monierte Fehlen eines Speiselokals am Ort könne man laut Gäbl nicht ändern und er hoffe auf einen Neuanfang in der Gastronomie.

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