Was am 13. Januar 1906 als aufstrebender Gesangverein gegründet wurde, hatte am Freitag 6. Februar, nach 120 Jahren Vereinsgeschichte, seine Auflösungsversammlung im Albert-Weidner-Haus: Nach mehrfachen Versuchen, den Gesangverein 1906 aufrecht zu erhalten, blieb nur noch den Weg der Auflösung.
1906 hatten sich im Nebenzimmer der Bauer'schen Bierwirtschaft Bauernrösl in Etzenricht viele Interessenten versammelt und waren bei der Geburtsstunde dabei. Im Protokollbuch steht auf der ersten Seite „Omnia cum deo“ ("Alles mit Gott"). Erster Vorsitzender war Johann Prölß, Dirigent Leonhard Kohler. Der letzte Krieg lag über 30 Jahre zurück. Dies bewog viele junge Männer, vielleicht Muse nach der Tagesarbeit zu suchen. Bei den Treffen am Abend zum damaligen „Etzenrichter Pfisterbier“ stimmten sie Volkslieder an. Übungsstunden wurden in den drei örtlichen Wirtshäusern abgehalten – man wollte es sich mit keinem Wirt verderben. 1908 nahm der Chor erstmals an einem Wertungssingen in Floß teil. Mit Leiterwagen und Pferdegespann machten sich die Sänger vier Stunden auf den Weg. Nicht umsonst, denn sie belegten den zweiten Platz.
Viele Sänger im Krieg
Der Erste Weltkrieg veränderte die Situation grundlegend. Viele Sänger mussten an die Front und einige davon fielen. Erst 1919 gab es wieder Proben. Anfang der 1920er Jahre trat die Gruppe wieder bei Liederabenden auf. In den Jahren 1926 und 1927 ließ das Interesse indes spürbar nach. Ende 1927 wurde schließlich der Singbetrieb eingestellt. Der letzte Vorsitzende Martin Bäumler verwahrte das vorhandene Notenmaterial und das Protokollbuch zu Hause.
1930 gaben Heinrich Paulus und Josef Beer neue Impulse: Aus dem Männergesangverein entstand ein gemischter Chor. 1932/33 war die Arbeitslosigkeit so groß, dass der monatliche Beitrag von 50 auf 30 Pfennig gesenkt wurde. 1933 fand der Singbetrieb mit der Machtergreifung der Nazis erneut ein Ende. Die Noten wurden beschlagnahmt, der Verein verboten. In den folgenden Jahren musste die Etzenrichter Jugend ganz andere Lieder singen.
Neugründung 1946
Am 1. Januar 1946 ergriffen Heinrich Paulus und Josef Beer wieder die Initiative zur Neugründung. 1947 schloss sich der Verein dem „Deutschen allgemeinen Sängerbund“ an und arbeitete ab 1948 nun wieder als Männergesangverein mit allen Nachbarvereinen eng zusammen.
1956 stand zum 50. Gründungsjubiläum eine Fahnenweihe an. Der Hermann- und Riebelsaal sowie der Festplatz hinter der damals neuen Schule waren geschmückt und Triumphbögen aufgestellt. Festreiter und eine Kutsche mit Gründungsmitgliedern führten einen Festzug an. Der Festplatz war mit 1700 Sitzplätzen überfüllt. Von damals bis 1991 leitete Franz Schmidt aus Weiden den Chor mit großem Erfolg. Faschingsbälle, Sommernachtsbälle, Liederabende, Gartenfeste, Adventskonzerte und noch so vieles hat der Gesangverein bereichert. Fortan feierten die Sänger alle zehn Jahre Jubiläumsfeste und werteten das Vereinsleben kulturell auf.
Auszeichnung 2006
Um ein besonderes Geschenk für den Gesangverein bemühte sich zum 100. Jubiläum der damalige Vorsitzende Rainer Köhler: Er beantragte für den Chor die Zelter-Plakette der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände. Diese besondere Auszeichnung wurde am 2. April 2006 in Grünwald bei München von Minister Thomas Goppel überreicht. Die Feiern zu diesem Jubiläum erstreckten sich über das ganze Jahr und waren ein großer Erfolg, unter anderem mit Kreissängertag, Festabend, Kirchenkonzert und Jubiläumssingen.
Ehrenvorsitzender Hermann Köhler knüpfte eine Patenschaft mit dem Etzenrichter Kindergarten – ein Versuch, schon den Kindern die Freude am Singen näherzubringen. 2011 öffnete sich der Verein wieder für Frauen. Grund waren Nachwuchssorgen und fehlende Sänger in verschiedenen Stimmlagen. Mit dieser Verstärkung ging der Verein mit Vorsitzender Astrid Spitzkopf und Dirigentin Larissa Burgardt gestärkt in die nächsten Jahre und brachte sich erfolgreich bei Maikonzerten, Sommerserenaden, Gedenkfeiern Adventssingen und Weihnachtskonzerten ein.
Zwangspause wegen Corona
Nach der zwangsläufigen Coronapause zeichnete sich jedoch schon ab, dass es schwierig sein würde, den Chor aufrecht zu erhalten. In den vergangenen Jahren musste sich der Gesangverein von einigen Sängern verabschieden und hat nun den schwierigen Schritt der Auflösung des Vereins verkündet.
Viele Sänger und Sängerinnen sangen mit Leidenschaft und genossen den Zusammenhalt bei den Proben und Auftritten. Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Scheinbar wirkt der Verein auf die Jugend wohl etwas aus der Zeit gefallen, denn Nachwuchs konnte nicht mehr für den Gesangverein begeistert werden.















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.