21.08.2019 - 13:52 Uhr
Oberpfalz

Ewilpa & Co im Trockenstress

Die öffentlichen Flächen leiden unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit: Einsatz für Stadtgärtner Florian Frank und sein Team, die im Ewilpa fachmännisch Erste Hilfe leisten.

Pflanzen wie die Ebereschen (im Bild) eignen sich laut Stadtgärtner Florian Frank bestens für Grenzhecken zwischen Wiesen und Feldern.
von Externer BeitragProfil
Mit diesem Gespann sind Florian Frank und Christian Weismeier in und um Waldeck unterwegs, um trockene Pflanzen zu gießen und zu pflegen.
Florian Frank (links) und Christian Weismeier haben unter anderem im Essbaren Wildpflanzenpark in Waldeck viel zu tun: Weil es vergangenes Jahr und auch heuer bisher relativ trocken war, müssen die beiden fleißig gießen.

Es ist neun Uhr morgens, als auf der B22 der rote Bulldog mit Güllefass gefolgt von einem Kleintraktor die langgezogene Steigung nach Waldeck hochfährt. Dann biegen beide nach rechts ab Richtung Ewilpa und Sportplatz. Die ungleichen Gefährte halten kurz an, die Fahrer sprechen sich ab, dann gibt es eine kleine Erfrischung - nämlich 7000 Liter Wasser für die gestressten Pflanzen vor Ort.

"Klar sind Wildpflanzen hitzeresistenter als die üblichen Kulturpflanzen und benötigen auch viel weniger Pflege. Doch die beiden Trockenjahre hinterlassen einfach ihre Spuren", sagt Stadtgärtner Florian Frank, 37 Jahre, seit September 2005 tätig bei der Stadt Kemnath und heute unterwegs zu seinen Schützlingen in Waldeck. Er ist gerade dabei, die Wildhecke zu wässern. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass für den Ewilpa vergangenes Jahr insgesamt 100 Bäume und 900 Sträucher neu gepflanzt wurden.

Der Essbare Wildpflanzenpark setzt sich zusammen aus 13 Teilflächen, die unterschiedliche Ansprüche stellen: Feuchtwiese, Waldfläche, Ackerbrache, trockener Südhang, Streuobstwiese, Feldhecke. "Wir fahren im Schnitt einmal pro Woche mit den beiden Schleppern nach Waldeck und verteilen dort die acht Kubikmeter Wasser", sagt Florian Frank. "Aus Erfahrung wissen wir natürlich, welche Pflanzen die Trockenheit eher vertragen und welche empfindlicher sind." Und dementsprechend wird dann auch gegossen.

Gepflanzt für Zukunft

Leider seien gerade die Einheimischen oftmals enttäuscht, weil das Wachstum der Büsche und Bäume seinem eigenen eher langsamen Rhythmus folgt. Beispielsweise die neu gepflanzte Wildhecke, die sich nicht so schnell entwickelt, wie sie sich das vorgestellt haben. In Fachkreisen weiß man allerdings, dass Mischhecken im Schnitt ungefähr 90 Jahre benötigen, bis sie in der Lage sind, im Haushalt der Natur ihre Rolle voll auszufüllen. Doch dann bieten diese Gehölze Schutz vor negativen Umwelteinflüssen, indem sie Staub und schädliche Abgase filtern, Lärm dämpfen und ein günstiges Kleinklima bilden. Gleichzeitig bieten sie aber auch Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

"Sie sind gepflanzt für die Zukunft. Und um den Büschen bei dieser anhaltenden Trockenheit den Start etwas zu erleichtern, erhalten sie von uns regelmäßig eine Wasserdusche." Schlehen, Weißdorn, Kirschpflaume, Ebereschen und Rosen sind besonders typisch für solche Grenzhecken zwischen den einzelnen Wiesen und Feldern. Zu sehr verwöhnen darf man diese Wildgehölze allerdings nicht, weiß Florian Frank. Denn gerade wenn es wenig regnet, bilden die Pflanzen größere Wurzelwerke, um sich mit Wasser aus tieferen Erdschichten zu versorgen. Und das sei ja Zweck und Ziel.

Das Wasser für das Güllefass mit einem Volumen von 7000 Litern stammt übrigens aus der Kläranlage. Es handelt sich hierbei um gereinigtes Wasser. Mit diesem Gefährt ist bei Gießaktionen überwiegend Christian Weismeier unterwegs, der seit zwei Jahren zum Gärtnerteam gehört und als Kfz-Mechatroniker auch bei technischen Problemen Hilfe leistet. Und technisches Know-how und Fingerspitzengefühl sind gerade bei dieser Arbeit gefragt. "Man darf nie vergessen, dass man einen Hänger mit 7000 Liter Wasser hinter sich herzieht", sagt Weismeier. "Ein halbvoller Tank kann da ganz schön ins Schwappen geraten. Da muss man schon aufpassen." Außerdem gibt es mehrere Anpflanzungen an Hängen und dort sei die Kippgefahr für Traktor und Hänger besonders hoch.

Dank an Ehrenamtliche

Durstige Pflanzen gibt es natürlich nicht nur in Waldeck. Der Ewilpa ist nur ein Beispiel von vielen. Bei anhaltender Trockenheit werden die Pflanzungen in Kemnath und im Kemnather Land vom Stadtgärtner systematisch angefahren, begutachtet und dann bei Bedarf in eine Art Gießplan aufgenommen. Aber ohne die Unterstützung der Ehrenamtlichen, sagt Frank, "wären die anfallenden Gießarbeiten kaum zu bewältigen". Sowohl in Kemnath als auch in den Dörfern: Es gibt sie überall, diese stillen Helfer, die ohne viel Aufhebens regelmäßig gießen. Egal ob Bäume, Büsche, Kästen oder Tröge. Und bei diesen Menschen möchte sich Florian Frank ausdrücklich bedanken, denn, so sagt er, "ihre guten Taten bleiben nicht unbemerkt".

Was sich Florian Frank für die nächste Woche wünscht? "In den vergangenen Tagen hat es ja Gott sei Dank einige Male geregnet. Aber, so ein richtiger Landregen über mehrere Tage hinweg", sagt er, "das wäre schon was Tolles."

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