10.03.2020 - 14:20 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Ameisen-Helfer jederzeit willkommen

Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich der Ameisenschutzverein Tirschenreuth um den Bestand der Nützlinge. „Unterstützer sind immer willkommen“, betont Vorsitzender Michael Weiß. An Arbeit mangelt es nicht.

Vorsitzender Michael Weiß freute sich über Kerstin Walch als weitere Hegerin des Ameisenschutzvereins.
von Werner RoblProfil

Der Ameisenschutzverein hat sich die Pflege der kleinen Waldtiere auf die Fahne geschrieben. In drei Jahrzehnten hat der Verein schon viel geleistet. Der Mitgliederstand liegt konstant bei 106 Leuten. „Trotz vieler Bemühungen stagniert er“, bedauerte Vorsitzender Michael Weiß bei der Jahreshauptversammlung im „Goldenen Stern“ mit Blick auf die nicht immer von Erfolg gekrönte Werbung im Landkreis. „Gerne gehen wir auch in die Kindergärten und Schulen, um unsere Arbeit vorzustellen“, erinnerte er zum Beispiel an den sommerlichen Vormittag mit dem Waldershofer Waldkindergarten, um bei einer Exkursion Ameisennester zwischen Schafbruck und Herzogöd bei Fuchsmühl aufzuspüren. „Den Buben und Mädchen hat es sehr gefallen“, kommentierte Weiß die Veranstaltung, bei der auch Buchgeschenke verteilt wurden.

Nur gering sei die Resonanz gewesen, die dem Verein beim „Tag der offenen Gartentür“ in Mitterteich entgegengebracht wurde. „Kaffee und Kuchen lockten, für die Ameisen interessierten sich leider nur einige“, klagte Weiß. Nicht anders war es beim Kemnather Jugend- und Familientag: „Die Kinder konzentrierten sich mehr auf die Spiele.“ Trotzdem wolle sich der Verein weiter den Leuten vorstellen, versprach er mit Blick auf den nächsten „Tag der offenen Gartentür“.

Beim Totengedenken erinnerte der Vorsitzende besonders an Peter Bartke und Rita Schmucker. Erfreulich sei die Tatsache, dass man mit Kerstin Walch aus Waldsassen eine neue Hegerin gewinnen konnte, die die vielfältigen Aufgaben des Ameisenschutzvereins unterstützen wird. „Helfer sind jederzeit willkommen“, spannte er den Bogen zur eigentlichen Vereinsarbeit.

„Mit 16 umgesiedelten und später weiter betreuten Nestern war 2019 erneut ein arbeitsintensives Jahr“, erinnerte Vorsitzender Weiß an das breite Aufgabenfeld. „Wir waren im ganzen Landkreis unterwegs.“ Eine neue Heimat fanden die Rufa-Nester in Falkenberg, Poxdorf, Plößberg und Friedenfels. Polyctena-Nester wurden im neuen Gewerbegebiet bei Wiesau umgesiedelt, zudem setzten die Helfer einen in der Region eher selten vorkommenden Strunk-Ameisenstaat in Griesbach um. „Strunk-Ameisen kommen bayernweit nur vier Mal vor“, ergänzte Weiß. „Ob der Umzug der seltenen Tiere von Erfolg gekrönt war, werden wir erst in den kommenden Wochen erfahren.“

In Zusammenarbeit mit der Geologin Gabriele Berberich, die von ihrem Ehemann begleitet wurde, erforschte man die Gebiete rund um Falkenberg und Münchsgrün, informierte Weiß. Die Fachfrau erstelle für den Verein auch eine Kartierung. Allein in Falkenberg zählte das Ehepaar 2813 Nester, 2783 fand man bei Münchsgrün. Auf das fertige Kartenmaterial werde man wohl aber noch einige Zeit warten müssen.

Zu den Aufgaben des Schutzvereins zählt auch die Sicherung vorhandener Nester, die am Standort bleiben können. Mit Pfählen werden sie vor den Mähwerkzeugen, mit Zäunen vor der Zerstörung etwa durch Spaziergänger gesichert. Der Vorsitzende fasste zusammen: „Die Arbeit wird nicht weniger.“ Verschoben wurden die Ehrungen langjähriger Mitglieder. Hans Rösch aus Kemnath und Günter Klein aus Trabitz, die dem Verein seit 25 Jahren angehören, mussten ihre Teilnahme an der Versammlung absagen.

Hintergrund:

Waldameisen als Erdstrahlensucher

Michael Busch verwaltet beim Ameisenschutzverein Tirschenreuth nicht nur die Finanzen. Der Naturfreund sammelte in den vergangenen Jahren auch Erfahrungen mit Erdstrahlen und beim Wünschelrutengehen. Er behauptet: „Nicht nur die Waldameisen, auch viele andere Tiere und Pflanzen wissen, wo Erdstrahlen vorhanden sind.“ Busch, der sich vor einigen Jahren entschloss, auf seinem Grundstück einen Brunnen anzulegen, erzählte in seinem Vortrag von den Erfahrungen mit einem Wünschelrutengänger. „Der Mann fand eine geeignete Stelle, der Brunnen ist immer voll Wasser.“ Busch ist davon überzeugt, dass nicht nur Kupferdrähte, sondern auch Tiere und Pflanzen gebündelte Erdstrahlen anzeigen. „Früher setzte man einen Bienenstock oder einen Ameisenhaufen auf die künftige Baustelle“, erklärte Busch. „Fühlten sie sich wohl, blieben sie auch. Die Baustelle war in Ordnung.“ Anschaulich zeigte der Referent auf, dass sich unter der Wirtsstube im „Goldenen Stern“ eine Wasserstelle befinden müsse. Um sie zu finden, schnappte er sich zwei Kupferdrähte, die er auch unter die Zuhörer zum Ausprobieren verlieh. Den Erfolg bestätigte Gastwirt Lindner: „Stimmt, darunter liegt unser alter Hausbrunnen.“ Den Erdstrahlensuchern, vor allem den Ameisen, aber auch den Pflanzen und Tieren, die sie meiden, widmete sich Busch in seinem Referat. Es sei "kein wissenschaftlich fundierter Bericht“, verwies er auf seinen Erfahrungsschatz. Aufmerksam auf das Wünschelrutengehen sei er durch einen Bericht im Landwirtschaftlichen Wochenblatt geworden. Danach habe er ein Seminar besucht: „Seitdem bin ich davon begeistert.“

Michael Busch erbrachte mit seiner Wünschelrute den Beweis, dass unter der Wirtsstube Wasser fließt.

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