21.02.2019 - 16:31 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Bald nicht mehr unter Strom

Viele Grundbesitzer sind verunsichert. Zwei Stromautobahnen werden im Landkreis Tirschenreuth derzeit geplant. Viele haben Angst vor Beeinträchtigungen. Aber es gibt auch Leute, die freuen sich über den Bau.

Der kleine Niederspannungsmasten auf den Hubert Wild hier zeigt hat bereits keine Funktion mehr. Wild hat geben, dass der Masten stehenbleibt. "Ich habe da bestimmt eine gute Idee, was man damit machen kann", sagt der Besitzer, der derzeit die Hammermühle von Grund auf saniert.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

So zum Beispiel die Bewohner von zwei Anwesen im Falkenberger Ortsteil Hammermühle. Sie leben seit Anfang der 1960er Jahre mit einer Starkstromleitung. Die großen Masten des Ostbayernrings leiten den Strom direkt an den Häusern vorbei ins Waldnaabtal. Die künftige Trasse verläuft woanders. Sie soll grob der Autobahn folgen. Wenn dort die neuen Stahlgiganten in Betrieb sind, sollen die Masten bei der Hammermühle abgebaut werden.

Die Bewohner sind froh darüber. Über die Beeinträchtigung durch die Leitungen sind sie sich uneins. Die 82-jährige Alice Landgraf ist überzeugt, dass die Starkstromleitung, die an ihrem Anwesen Hammermühle 2 in nur 30 Metern Entfernung vorbeiführt, krank macht. "Ich stehe ständig unter Strom", sagt sie. Jede Nacht hört sie draußen das Knistern in der Leitung. Oft könne sie gar nicht oder nur schlecht schlafen. Sie glaubt auch fest, dass der Strom im Laufe der Zeit mehrere Familienmitglieder regelrecht krank gemacht oder deren Leiden zumindest verstärkt hat.

Ihre Schwiegereltern haben in den 1930er Jahren das Haus am Einstieg zum wildromantischen Waldnaabtal gebaut. Der Strommasten daneben wurde Anfang der 1960er Jahre aufgestellt. Als junger Mensch habe sie darauf nicht so geachtet, aber je älter sie werde, desto sensibler reagiere sie auf die Starkstromleitung.

Ihr Nachbar, Hubert Wild, wohnt etwa in 50 Meter Entfernung von der Leitung. Der Besitzer der Hammermühle sagt: "Ich merke da gar nichts." Auch seine erwachsenen Kinder hätten damit kein Problem, erklärt er. Anders reagiert seine Ehefrau Sabine. Sie glaubt, dass sie deshalb schlechter schläft. Vor einem dreiviertel Jahr sei das letzte Mal ein Tennet-Vertreter vorstellig gewesen, sagt Hubert Wild. "Dreimal war von denen jemand hier, um unsere Meinung zu dem Thema zu erfahren. Wir waren uns eigentlich immer einig, dass es ein Unding ist, so nah an den Häusern und anschließend mitten durchs Naturschutzgebiet solche Anlagen zu bauen.

Wild ist allein schon aus optischen Gründen froh, dass die Ungetüme verschwinden, weil sie so gar nicht ins Landschaftsbild passten. Er will aber, dass der Sockel eines Masten stehen bleibt. Der soll als eine künftige Aussichtsplattform dienen. Von dort habe man nämlich einen fantastischen Blick auf die Waldnaab und drei Biberburgen, weiß Wild. "Das passt hervorragend zum Naturerlebnis Waldnaabtal." Ein Niederspannungsmast ist bereits abgebaut worden. "Der darf stehen bleiben, quasi als Denkmal. Damit lässt sich bestimmt etwas anfangen", sagt der Besitzer der Hammermühle. Wild freut sich bereits auf die Zeit ohne Ostbayernring vor der Haustür.

Die Masten und Stromkabel führen genau durch das Grundstück der Hammermühle. Beim Anwesen Hammermühle 2 im Hintergrund ist einer der Stromgiganten nur 30 Meter vom Haus entfernt.
Nach Abbau der Stromleitungen soll dieser Masten bis auf eine Höhe von drei Metern abgebaut werden. Auf diesen Sockel will Hubert Wild eine Aussichtskanzel errichten mit Blick ins Waldnaabtal mit drei Biberburgen.
Steht man unter den Leitungen, kann man den Strom hören. Ein lautes Knistern verrät - hier ist Energie unterwegs.
Aus dieser Perspektive von der Straße aus, sieht es so aus als stünde der Strommasten im Garten des Anwesens Hammermühle 2. Zwar ist er 30 Meter entfernt, dennoch fühlen sich die Menschen, die hier wohnen nicht wohl angesichts des Stahlgiganten.
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