13.07.2018 - 14:48 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Fahnen-Pate per Internet

Ein Schützenverein in Niedersachsen bekommt seine historische Fahne zurück. Schuld daran ist ein Falkenberger. Mit einem Fass Zoigl reist Hermann Meier 600 Kilometer und ist der heimliche Held des Schützenfestes in Ankum.

Hermann Meier darf die Blaskapelle beim „Niedersachsenlied“ dirigieren, was dem Oberpfälzer souverän gelingt. Im Hintergrund rechts ist die restaurierte Fahne zu sehen, die der Anlass für die Reise nach Ankum war.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Dieses Wochenende werden Birgit und Hermann Meier nicht so schnell vergessen. Mit der Pferdekutsche durften sie wie die Schützenkönige im Festzug mitfahren - sie im Dirndl, er in Lederhose. Damit stachen die beiden Bayern im Landkreis Osnabrück schon heraus. Und natürlich durch die ungewöhnliche Geschichte, die bei der Fahnenweihe oft genug erzählt wurde.

Freibier-Frühschoppen

"Jeder hat mir die Hand geschüttelt und sich bei mir bedankt", staunt Hermann Meier. In der 7500-Einwohner-Gemeinde erlebte das Ehepaar aus Falkenberg beeindruckende Gastfreundschaft und unbekannte Sitten - wie das Schießen auf einen Adler aus massivem Eichenholz und einen speziellen Frühschoppen, bei dem es ausschließlich Freibier gibt. Im Mittelpunkt des Festes standen diesmal nicht nur die aktuellen Schützenkönige, sondern auch die bunt bestickte, von Benediktinerschwestern aufwendig restaurierte Fahne, die den kirchlichen Segen erhielt.

Mehr als 70 Jahre war das historische Wahrzeichen des Schützenvereins Ankum verschollen. Erst 2017 tauchte die Fahne im Internet auf, weil jemand aus London das gute Stück für 550 englische Pfund angeboten hatte. Und hier kam Hermann Meier ins Spiel. Der 61-jährige Stiftländer hat seit diversen USA-Reisen ein Auge auf Sachen aus Deutschland, die nach dem Zweiten Weltkrieg Besatzungssoldaten mit nach Hause genommen haben. In einem privaten Museum auf Hawaii etwa staunte er: "Nicht nur Uniformen und Waffen. Da war auch Geschirr von Bauscher, Seltmann oder Winterling ausgestellt, alte Fahnen von deutschen Feuerwehren oder Fahrradvereinen. Das hat mir schon einen Schock versetzt." Vieles davon ist zunehmend im Internet zu entdecken: "Die Enkel der damaligen Soldaten wissen nichts damit anzufangen und verscherbeln die Sachen."

Als Meier die Fahne entdeckt, bleiben noch 23 Stunden Zeit zum Bieten. Er recherchiert Ansprechpartner in Niedersachsen. Der Präsident des Ankumer Vereins glaubt erst an einen Scherz: "Unsere Fahne wurde doch erst vor zwei Jahren restauriert!" Als den Schützen klar ist, um welch wertvollen Internet-Fund es sich handelt, scheint es zu spät. Jemand hat die Fahne schon ersteigert. Doch so unbekannt sind die geheimen Bieter gar nicht. Viele Wochen später taucht bei der Generalversammlung der Schützen überraschend der Ankumer Stammtisch "Birkenschläger" auf. Aus einem unscheinbaren Paket befördern die Burschen die Fahne, die auf einer Seite mit einem Adler sowie den Jahreszahlen 1830 und 1922 bestickt ist.

Schießen Männersache

Für 5000 Euro lassen die Schützen das gute Stück restaurieren. Entsprechend stolz präsentierten die Ankumer beim Schützenfest das Ergebnis. Und sie luden den Falkenberger, der ihnen dazu verholfen hat, mit seiner Frau natürlich zum großen Ereignis ein. "Er hätte im Internet ja einfach weiterklicken können, dann hätten wir unsere Fahne nie wiedergesehen", sagt Heinz Sandbrink, Mitglied und Kugelgießer des Vereins. Dass die Ankumer Schützen ihre Vorderlader-Munition selbst anfertigen - immerhin Kaliber 58 - haben die beiden Falkenberger bei der Reise nach Niedersachsen erfahren. Wie so einiges andere: Dass nur Männer schießen dürfen, erstaunte Birgit Meier. Sie ist selbst Mitglied im Wiesauer Schützenverein und war dort schon Schützenkönigin. In Ankum durfte nur ihr Mann den Vorderlader zur Hand nehmen.

Neu war für die Stiftländer auch der Brauch des ausgedehnten Frühschoppens am Montag nach dem Fest. "Das ist so ähnlich wie auf dem Nockherberg, da werden alle derbleckt", schmunzelt Hermann Meier. Frauen sind nicht dabei - nur die Bedienungen, die das Freibier herantragen. Und davon nicht wenig, wie Hermann Meier erzählt. Deshalb kann er auch nicht sagen, wie sein Geschenk angekommen ist. Der Zoigl aus Falkenberg war bei der Abreise der Stiftländer noch unangetastet.

Präsident Hermann Lünnemann am Rednerpult, als dieser Hermann Meier anlässlich der Fahnenweihe für den uneigennützigen Tipp dankte.

Hermann Meier darf die Blaskapelle beim Niedersachsenlied dirigieren, was dem Oberpfälzer souverän gelang.

Hermann Meier darf die Blaskapelle beim Niedersachsenlied dirigieren, was dem Oberpfälzer souverän gelang.

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