25.06.2019 - 08:38 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Ein Fest des Glaubens feiern

Falkenberg freut sich mit Jaime-Pasqual Hannig auf die Priesterweihe am 29. Juni, noch mehr aber auf die Primiz, bei der der ganze Ort auf den Beinen sein wird. Was denkt, was sagt der Seelsorger?

Jaime-Pasqual Hannig wird am 29. Juni im Münchener Liebfrauendom zum Priester geweiht. Am Tag danach wird er in Falkenberg erwartet, wo man sich derzeit auf die Primiz am 7. Juli vorbereitet.
von Werner RoblProfil

„Gemeinschaft bedeutet mir sehr viel“, erklärt der 41-Jährige im Gespräch mit Oberpfalz-Medien mit Blick auf "seine" Kolpingsfamilie und die Falkenberger Feuerwehr, der er ebenfalls angehört.

Hannig war von Herbst 2017 bis Ende Mai dieses Jahres in der Rosenheimer Stadtteilkirche „Am Wasen“ eingesetzt. „Dort habe ich im Pastoralkurs auch meine praktische Ausbildung gemacht“, erzählt der Neupriester, von dem im Freundeskreis immer wieder gesagt wird: „Wir haben uns schon gedacht, dass du einmal Pfarrer wirst.“ Weiter berichtet er: „Ich durfte die Erfahrung machen, dass die Mehrheit den Priesterberuf nach wie vor schätzt und hochachtet."

Natürlich gab es auch ablehnende Aussagen: „Wir glauben an keinen Gott. Wieso Geistlicher?“ Auf diese Kommentare reagiert Hannig aber gelassen. „Ich versuche dann klarzumachen, dass es sich mit Gott glücklicher lebt und man in Lebenskrisen nicht so leicht in ein tiefes Loch fallen kann beziehungsweise man von ihm aufgefangen wird“, kommentiert er die persönlichen Erfahrungen und die Negativ-Einstellung mancher Menschen.

Ebenso sachlich begegnet er auch gewissen Vorurteilen, die „es freilich gibt“. Er habe aber bemerkt, dass man sie meist bei den Zeitgenossen entdeckt, die die Kirche a priori ablehnen und falsche Schlüsse über den Priesterberuf ziehen. „Offenbar haben sie sich zu wenig mit der Heiligen Schrift und deren Aussagen auseinandergesetzt“, bedauert der Primiziant, der am kommenden Sonntag in seiner Heimatgemeinde erwartet wird.

Reizthema Zölibat: Dazu trifft Jaime-Pasqual Hannig eine klare Aussage. Es sei hochinteressant, dass die Leute darüber am meisten schimpfen, klagt er. „Aber sie haben doch gar keine Erfahrung damit. Der Zölibat sollte aber genauso geschätzt und anerkannt werden wie eine Beziehung oder eine Ehe.“ Weiter meint er: „Selbstverständlich schätze ich die Familie. Was aber viele nicht verstehen können oder wollen, ist die Tatsache, dass man als katholischer Pfarrer aus Liebe zu Gott auf die Liebe zu einem bestimmten Menschen verzichtet.“

Hannig fühlt sich als Seelsorger und bekennt sich als geistlicher Vater vieler Familien. „Früher war es normal, dass Kinder von ihren Eltern den Glauben und die christlichen Werte vermittelt bekamen“, drückt er sich an anderer Stelle aus und bedauert, dass der wichtige Dialog in vielen Familien abhanden gekommen sei. „Der Jugend fehlen die Bezugspersonen und Vorbilder“, mahnt er mit Blick auf die christliche Erziehung. „Das sind mit Sicherheit die entscheidenden Gründe dafür, dass sich die Heranwachsenden von der Kirche abwenden.“

Zuversichtlich stimmt ihn aber die Tatsache, dass es trotzdem noch viele junge Menschen gibt, die sich in Jugendgemeinschaften engagieren – hier meint er zum Beispiel die Kolpingsfamilien –, bei denen man kompetente Ansprechpartner finde, die auch den Glauben aktiv praktizieren. „In der Erzdiözese München und Freising ist die ,Jugend 2000‘ oder das ,Nightfever-Netzwerk‘ sehr aktiv“, wirft Hannig ein.

Freilich müsse sich in der Kirche auch etwas ändern. „Ich finde, dass die Sitzungskultur von der Gebetskultur abgelöst werden muss! Das täte unserer Kirche sehr gut.“ Kein Gesprächsgrund ist das derzeit diskutierte Thema „Maria 2.0“. „Ich wurde noch von niemandem darauf angesprochen und wüsste auch gar nichts darüber, wenn ich es nicht aus der Zeitung erfahren hätte.“ Hannig möchte zugleich Gott und den Menschen dienen. „Ich will versuchen, viele Menschen für den Glauben und die Kirche zu begeistern. Es lohnt sich dafür zu leben“, fasst der Neupriester zusammen und freut sich auf die bevorstehende Priesterweihe und die anschließende Primiz. „Ich freue ich mich besonders, mit meinen Falkenbergern ein Fest des Glaubens feiern zu dürfen. Ich befinde mich dann in einer großen Gemeinschaft und kann mit ihnen die vom Herrn erhaltene Sendung voranbringen." Hannig bittet: „Beten wir füreinander!“

Hintergrund:

Studium in München und Tübingen

Jaime-Pasqual Hannig (geboren 1977 in Sonthofen) ist der älteste Sohn von Elisabeth Hannig und der Enkelsohn von Ehrenbürger und "Boder" Josef Hannig, der seine Baderstube unweit der katholischen St.-Pankratius-Kirche hatte. Bis zum Abschluss der Mittleren Reife lebte Jaime-Pasqual Hannig in Falkenberg. Schon bald trat er der Kolpingsfamilie und der Feuerwehr bei. Seinen Wehr-Ersatzdienst leistete er im Krankenhaus München-Perlach ab. Danach engagierte er sich in der Münchner Pfarrei St. Vinzenz als Mesner und Hausmeister. „In diesen Jahren verfestigte sich auch mein Wunsch, Pfarrer zu werden“, blickt er auf die Zeit in Oberbayern zurück.

Um das Studium der Philosophie und Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität aufnehmen zu können, holte er bei einem Fernstudium das Abitur mit den Sprachen Englisch, Latein und Spanisch nach. 2010 folgte das Priesterseminar der Erzdiözese München und Freising, dem ein Jahr später philosophische und theologische Studien an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität folgten. Zudem studierte er in Tübingen Islamische Theologie, um bei den aktuellen Debatten mitreden zu können. Mit der Magisterarbeit über Edith Stein schloss Jaime-Pasqual Hannig seine Studien im Juli 2017 erfolgreich ab. Von Herbst 2017 bis Ende Mai dieses Jahres absolvierte er einen Pastoralkurs mit praktischer Ausbildung in der Rosenheimer Stadtteilkirche „Am Wasen“. Die Diakonweihe erfolgte im Mai 2018 durch Erzbischof Reinhard Kardinal Marx. Hannigs Primizspruch: „Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder.“ (wro)

Ein Ehrentag für die Gemeinde:

Das Primiz- und Festprogramm

Die Priesterweihe findet am Samstag, 29. Juni, ab 9 Uhr im Münchener Liebfrauendom statt. Abfahrt der Delegation aus Falkenberg ist um 5 Uhr am Marktplatz. Die Zeit nach dem Gottesdienst steht zur freien Verfügung. Das Mittagessen ist um 13 Uhr im Augustiner-Keller geplant. Die Rückkehr erfolgt gegen 15 Uhr.

Bei einem „Heimatempfang“ am 30. Juni wird Jaime-Pasqual Hannig in Falkenberg begrüßt. Treffpunkt mit einem kleinen Umtrunk ist beim Feuerwehrhaus um 15.30 Uhr. Hannig wird gegen 16 Uhr erwartet. Danach erfolgen Begrüßungsworte. Start des Festzugs mit Ziel Pfarrkirche ist um 16.45 Uhr. Um 17 Uhr findet eine Andacht statt. Anschließend ist eine Begegnung mit dem Neupriester möglich, die bei einem gemütlichen Beisammensein am Kirchplatz weiter vertieft wird.

Die Primiz ist ein Ehrentag für die Gemeinde, die das Ereignis auch mit einem „Triduum“ (jeweils um 19 Uhr) mit Gottesdiensten und verschiedenen Festpredigern und Beichtgelegenheiten ab 18 Uhr feiert: am 1. Juli „Der Ruf zur Umkehr“ mit Pfarrer Reinhard Forster, 2. Juli „Die Freude an Gott ist unsere Stärke“ mit Ruhestandspfarrer Siegfried Wölfel, 3. Juli „Priester – Zur Freude berufen“ mit Pfarrer Maximilian Roeb.

Der Höhepunkt – die Primiz – findet am Sonntag, 7. Juli, mit einem Kirchenzug ab 9.30 Uhr (Aufstellung Wiesauer Straße) statt. Am Hannig-Haus (nahe der Kirche) wird der Neupriester abgeholt, danach erfolgt der Primizzug um die „Fleischbank“. Primizgottesdienst um 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Pankratius. Die Messe kann per Lautsprecher und Videoübertragung auch im Freien verfolgt werden. Gefeiert wird mit einem Pfarrfest entlang der Kirche. Um 16 Uhr ist eine Dankandacht vorgesehen.

Um besser planen zu können, bittet das Organisationsteam um Martina Mark um Vorbestellung des Essens. Auf der Karte stehen Rinderrahmbraten mit Serviettenknödel und Salat beziehungsweise Schnitzel mit Kartoffelsalat (und weiteren Beilagen) zu jeweils acht Euro. Ergänzt wird das Angebot mit einem Nudel-Gemüse-Auflauf für fünf Euro. Als Tellerpfand werden fünf Euro verlangt. Anmeldungen dazu nimmt Martina Mark unter der Telefonnummer 0171/8535645 oder E-Mail martina-mark[at]web[dot]de entgegen. Kuchen und Blumenspenden werden gerne angenommen. Ansprechpartnerinnen sind Gertrud Meiler (für Kuchen), Telefon 09637/386, Familie Bauernfeind (Blumenteppich vor dem Kirchenportal), Telefon 09637/574, und Roswitha Meier (Blumenteppich „Fleischbank“), Telefon 09637/1028.

Die Anwohner werden gebeten, die Straßen und Häuser zu schmücken. Zudem sind auch Birken – wie an Fronleichnam – erwünscht. (wro)

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