05.10.2018 - 17:53 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Große Diskussion um Schwarzwild

Alexander Flierl (CSU), Vorsitzender des Bayerischen Jagdvereins in der Oberpfalz, steht Frage und Antwort zur Jagd-Politik. Betroffene dürfen bei einem Gespräch im Gasthof "Roter Ochse" in Falkenberg ihre Ansichten zum Thema äußern.

Im Gasthof "Roter Ochse" in Falkenberg sorgt die Schwarzwildjagd für Gesprächsstoff. Alexander Flierl (CSU; Zweiter von links), Vorsitzender des Bayerischen Jagdvereins, Bezirksrat Toni Dutz (Zweiter von rechts), Gerhard Schneider (links), Leiter des Forstbetriebs der Bayerischen Staatsforsten Waldsassen, hörten sich die Sorgen und Anliegen der Betroffenen aus der Region an.
von Lucia SeebauerProfil

Alexander Flierl (CSU), Vorsitzender des Bayerischen Jagdvereins in der Oberpfalz, stand bei einer Veranstaltung im Gasthof "Roter Ochse" Berufskollegen und Politikern Rede und Antwort. "Es scheint oft so, dass Jagd-Politik nur ein Randthema ist", betonte Alexander Flierl (CSU), Vorsitzender des Bayerischen Jagdvereins (BJV) in der Oberpfalz und Mitarbeiter des Bayerischen Landtages.

Dass das Thema jedoch große Relevanz und Diskussionspotential besitzt, zeigte sich bei der Gesprächsrunde im "Roten Ochsen" in Falkenberg. "Die Initiative für diesen Abend kam aus der Landwirtschaft", erklärte der JU-Kreisvorsitzende Matthias Grundler. Er organisierte gemeinsam mit dem CSU-Ortsverband und Kreisvorsitzendem Tobias Reiß (MdL) die Veranstaltung. Ansprechpartner waren auch Bezirksrat Toni Dutz und Gerhard Schneider, Leiter des Betriebs der Bayerischen Staatsforsten in Waldsassen.

Flierl stellte gleich zu Beginn klar: "Jagd gehört zur bayerischen Kultur. Das Thema ist mit Natur- und Tierschutz, aber auch Grund und Boden oder den Wäldern verknüpft." Politische Lösungen sollen daher pragmatisch sein. "Die Natur muss geschützt werden, aber auch Land- und Teichwirte haben Sorgen." So sei der Fischotter zwar ein possierliches Tierchen, doch bringt es nichts, wenn wegen ihm keine Fische mehr im Gewässer seien. Der Jäger dürfe in der Politik nicht als Gegner, sondern als Partner gesehen werden.

Das Hauptthema des Abends drehte sich ums Schwarzwild. Laut Flierl seien hier schon Übergangslösungen gefunden worden wie der Einsatz von Schalldämpfern. Mehr Unklarheiten gab es in Bezug auf die Nutzung von Nachtziel-Vorsatzgeräten. "Diese sollen nur auf Antrag eingesetzt werden dürfen, aber wer die Voraussetzungen erfüllt, bekommt das auch." Der stellvertretende Kreisobmann des Bauernverbands Tirschenreuth Martin Härtl fand, dass sich das im Landkreis nicht so einfach gestaltet. So fragte er, warum die Geräte aktuell nicht von beruflichen Jägern genutzt werden können. Gerhard Schneider von den Bayerischen Staatsforsten erklärte, dass es ein Sofortprogramm hätte geben sollen. Doch das Antragsverfahren gestaltete sich in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt sehr zögerlich. "In den Landkreisen Hof und Wunsiedel ist das schon umgesetzt, aber in Tirschenreuth dürfen wir es nicht einsetzen."

Das Landratsamt sieht das anders: "Wir ermöglichen jedem Revierinhaber bereits seit März 2018 auf Antrag ein Nachtsichtgerät in Verbindung mit der Jagdlangwaffe einzusetzen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen", erklärte Pressesprecher Walter Brucker auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Seither seien 15 Anträge genehmigt worden. Der Antrag der Staatsforsten Waldsassen sei schon Ende 2017 flächendeckend für alle Staatsforstbetriebe gestellt worden, sei bis jetzt noch nicht bearbeitet worden, da er anfangs nicht den rechtlichen Anforderungen entsprach. Außerdem würden noch notwendige Unterschriften der jeweiligen Berufsjäger fehlen.

Peter Hamm, zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesjagdverbands, war der Meinung, dass es unabhängig von der Technik und Ausrüstung eine intelligente Betrachtung der Situationen vor Ort brauche. "Man benötigt mehr Austausch mit Waldbauern, Landwirten und Staatsforsten", forderte er. Sein Vorschlag: Ein Schwarzwildberater könne alle Beteiligten miteinander vernetzen. "Wir dürfen nicht nur die Schäden sehen, sondern müssen auch die Biologie der Tiere besser verstehen." Die Jäger selbst würden einen guten Job machen, allein 3000 Wildschweine seien 2017 im Landkreis geschossen worden. Schwieriger gestaltet sich die Abnahme. "Es muss von der Politik mehr signalisiert werden, dass es sich hierbei um ein gutes Fleisch und ein wertvolles Nahrungsmittel handelt."

Lena Bächer, Beirätin für Landwirtschaft bei der Kreisgruppe des BJV, schlug vor, dass die Gesellschaft besser über das Thema Jagd aufgeklärt werden sollte. Mehrere Teilnehmer äußerten zudem Bedenken wegen der Afrikanischen Schweinepest, die sich zunächst in Tschechien und nun auch in Belgien ausbreitet. Flierl versuchte hier die Anwesenden zu beruhigen: "Wir sind gerade im Präventionsfall. Sollte die Seuche auftreten, gibt es viele Möglichkeiten." Aktuell könne von den Erfahrungen der Nachbarländer gelernt werden.

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