22.05.2019 - 12:00 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Wie laut ist ein Rollkoffer?

Das 240 Mitglieder zählende „Forum Falkenberg“ blickt in seiner Jahreshauptversammlung auf Erfolge und gute Zahlen zurück. Getrübt wird die harmonische Stimmung erst am Ende, als sich Anlieger zu Wort melden.

Die Jahreshauptversammlung des Vereins „Forum Falkenberg“ findet wegen des großen Interesses stets im Tagungszentrum der Burg statt.
von Werner RoblProfil

Die Arbeit, die "Forum Falkenberg - Freunde der Burg" das Jahr über leistet, ist enorm. Vorsitzender und Bürgermeister Herbert Bauer ließ im voll besetzten Tagungszentrum der Burg keinen Zweifel aufkommen, dass man darauf stolz sein könne. Nicht unerwähnt ließ Bauer das Dauerthema: "Neben den Planungen für kulturelle und sonstige Veranstaltungen hatte sich ,Forum Falkenberg - Freunde der Burg' auch mit dem geforderten Lärmgutachten zu befassen." Mit den schalltechnischen Untersuchungen habe man bereits vor rund zwei Jahren die Bayreuther Ingenieur-Gesellschaft für Bauphysik, Akustik und Schwingungstechnik (kurz IBAS) beauftragt, erklärte Bauer auch mit Blick auf die Ergänzungen, die dem Bauantrag beigefügt und an das Landratsamt weitergeleitet wurden.

Seitdem warten die Falkenberger auf die finale Fertigstellung seitens der Baubehörde. Grund für die Verzögerung - so der Vorsitzende - seien weitere Forderungen gewesen. "Im März mussten wir auch noch die Lautstärke der Rollkoffer feststellen lassen", hakte er damit das Thema "Lärmschutz" ab, um sich erfreulicheren Dingen zu widmen.

"Die Teilnehmer waren begeistert", zog Bauer Bilanz zu zwei Ausflügen. Einer davon - organisiert von Matthias Grundler - führte nach Berlin. Peter Borks Engagement war es zu verdanken, dass eine zweite Fahrt zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr ermöglicht wurde. Als erfolgreich wertete Herbert Bauer den kunsthandwerklichen Adventsmarkt mit den örtlichen Vereinen. "Wir würden uns über jedes Mitglied freuen und bitten Sie, uns in der Mitgliederwerbung zu unterstützen", schloss er die Rückschau auf 2018. Das "Forum Falkenberg" hat drei Geschäftssparten: ideeller, wirtschaftlicher und kultureller Bereich. Einblicke in die Zahlen gewährte Schatzmeister Gerhard Fichtner, der insgesamt von einem soliden Kassenstand berichtete.

17 Burgführer

Ungebrochen sei das Besucherinteresse. "Auch aus dem erweiterten Umland kommen die Leute", beleuchtete Reinhard Schabl den Aufgabenkatalog, den aktuell 17 ehrenamtliche Burgführer und mehr als 20 weitere Mitarbeiter in ihrer Freizeit abarbeiten. Der Sprecher des Arbeitskreises Museum zeichnete ein durchwegs positives Bild: "Die Hinweistafeln an der A93 tragen Früchte", freute er sich über die Werbung für das Wahrzeichen. Zu einer festen Einrichtung seien die regelmäßigen Burg-Besuche von Firmen, Schulen und Kindergärten geworden. Gerne kämen auch US-Bürger aus Grafenwöhr. "Hinterher geht's dann in die Zoiglstube." Rund 6500 Besucher hieß man 2018 willkommen. Höhepunkt war die Museumsnacht. "Das Programm hat voll eingeschlagen." Eines aber wollte Schabl noch los werden: "Ich hoffe, dass der Nachbarschaftsstreit bald ein Ende nehmen wird."

"Es war ein Glücksfall, dass die Gemeinde Falkenberg die Burg erworben hat und aktuell vom ,Forum Falkenberg' betrieben wird", ergänzte Eva Gibhardt, die für den Bereich Kultur verantwortlich zeichnet. "Daraus wurde ein Leuchtturmprojekt", sagte die Sprecherin, die an die Höhepunkte im vergangenen Jahr, zudem auch an die der kommenden Monate erinnerte.

Über die Auslastung beim Arbeitgeber Hotelbetrieb (40,3 Prozent bei den Zimmern und 23,1 Prozent Bettenbelegung) und den Veranstaltungsreigen - Geburtstage, Hochzeiten und Tagungen - informierte Burgmanagerin Theresa Fischer, die nicht unerwähnt ließ, dass der Rotary-Club Stiftland inzwischen zu einem Dauergast geworden sei. Dies bestätigte auch der anwesende Rotary-Club-Präsident Jeff Beer, dem auch das neue Kunstwerk in der Burg zu verdanken ist.

Baumaßnahmen

Dritter Vorsitzender Peter Bork ist ein Mann vom Bau. Das untermauerte er auch in seinem Referat, in dessen Mittelpunkt weitere Maßnahmen rückten. Abgeschlossen seien die Arbeiten "Türschließer" am Eingangsbereich "Schwaige". Um die Besucherströme zu lenken, wurden Hinweisschilder angebracht. Saniert wird der Graf-Schulenburg-Weg, geplant seien Toiletten am Burghof und dort auch ein verschließbares Burg-Tor.

"Wir können auf ein positives Geschäftsergebnis zurückblicken", klinkte sich Zweiter Vorsitzender Gerhard Pöschl ein. Im Namen des Vereins versprach er die komplette Begleichung der rund 28 600 Euro Betriebskosten, um damit die Gemeindekasse zu entlasten. "Wir haben einen Vertrag, vereinbarungsgemäß stehen wir dazu", machte er mit Verweis auf die bereits erfolgte Abschlagszahlung deutlich. "Die Schlusszahlung in Höhe von 9448 Euro werden wir umgehend vornehmen." Dankbar zeigte er sich den Mitarbeitern gegenüber. "Kaum jemand nimmt in der Öffentlichkeit wahr, was in der Burg geleistet wird."

Rücksichtnahme

Luft machte Gerhard Pöschl seiner Verärgerung beim Streitthema Lärmschutz: "Seit einigen Jahren liegt die Genehmigung für den Gastronomiebetrieb, sowohl für außen als auch für innen, vor." Er bedauerte die hohen Anwaltskosten und die vielen Diskussionen. Man habe viel getan und verändert, so Pöschl. "Zudem haben wir im vergangenen Sommer auf die Öffnung des Burghofes und damit auch auf Erlöse verzichtet." Energisch betonte der Falkenberger: "Wir können nur hoffen, dass das Lärmschutzgutachten bald für beide Parteien auf den Tisch kommt. Wir werden alle ein großes Augenmerk auf die Einhaltung legen." Deutlich ergänzte Pöschl: "Bei gegenseitiger Rücksichtnahme sollten die Auseinandersetzungen dann hoffentlich ein Ende finden."

Dazu äußerte sich Tina Konrad-Workman, die als Betroffene das Wort ergriff: "Ich möchte richtigstellen, ich bin ein Freund der Burg. Ich zeige Anerkennung über die geleistete Arbeit." Die Anwohnerin bedauerte aber den - so wörtlich - "Ausverkauf ihrer Heimat, vor allem in der Nacht". Gegen einen "vernünftigen Burgbetrieb" habe niemand etwas. "Aber nicht auf Kosten meiner Heimat." Vater Alois Konrad beklagte die Nichteinhaltung von Absprachen, dem aber Forum-Vorsitzender Herbert Bauer und sein Vize energisch widersprachen. Damals sei ihm die Nutzung anders dargelegt worden, erinnerte Alois Konrad an die Gespräche vor der Renovierung. Das sei ihm so auch vom Landratsamt bestätigt worden. Wörtlich sagte er: "Es wird einiges mehr betrieben, als ursprünglich beantragt und danach genehmigt wurde." Alois Konrad vertrat die Ansicht: Man könne kein Konferenzzentrum bauen, um danach Hochzeiten zu feiern. Einen kritischen Blick warf er auch auf den Biergarten. "Der Erfolg berechtigt nicht, den Nachbarschutz auszuhebeln", fasste Tochter Tina Konrad-Workman zusammen.

Besucherlenkung

Gerhard Pöschl - erneut um Sachlichkeit bemüht - versprach, auch weiterhin nach Lösungen zu suchen. Unterstützt wurde er beim Dialog vom Vorsitzenden. Man habe bereits viel unternommen, um die Probleme zu entschärfen. Besucherströme würden umgelenkt. Die Omnibusse und die Mehrzahl der Autos parkten im oberen Bereich. "Seitens der Burg ist man bemüht, den geforderten Lärmschutz einzuhalten." So wurde ein Türschließer am Eingang "Schwaige" umgebaut. Viele Veranstaltungen wurden statt im Tagungszentrum in der Burg abgehalten. Die Gäste würden aufgefordert, sich im Außenbereich ruhig zu verhalten. "Es tut mir weh, wenn Veranstaltungen infrage gestellt werden", bat Forum-Mitglied Albert Üblacker schließlich ums Wort. Er vermisste den freundlichen Dialog, der doch wichtig sei, um die Probleme zu lösen.

Man habe zum Thema Lärmschutz bereits viel unternommen, betonte das Vorsitzenden-Gespann Herbert Bauer und Gerhard Pöschl (von links).
Bei der Jahreshauptversammlung kamen auch die Anlieger – Alois Konrad und Tochter Tina Konrad-Workman (rechts) – zu Wort.
Forums-Mitglied Albert Üblacker hatte das letzte Wort: „Ich vermisse den freundlichen Dialog.“
Die Jahreshauptversammlung leitete Vorsitzender und Bürgermeister Herbert Bauer (stehend).
Jeff Beer (rechts) ist nicht nur Präsident des Burg-Dauergastes Rotary-Club. Von ihm stammt auch ein Kunstwerk in der Burg.
Albert Üblacker (stehend) bedauerte: „Es tut mir weh, wenn Veranstaltungen in Frage gestellt werden.“

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