14.06.2020 - 13:48 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Maria Polster: "Ich musste mich von Kindesbeinen an durchsetzen"

Maria Polster feierte 90. Geburtstag. Es gratulierten (von links) Sohn Karl und dessen Ehefrau Martina Polster sowie Tochter Birgit und deren Ehemann Hermann Meier.
von Werner RoblProfil

Maria Polster feiert ihren 90. Geburtstag zusammen mit ihrer Familie. Die Jubilarin wohnte bis zuletzt in Wiesau. Seit einigen Wochen aber verbringt sie den Lebensabend in Falkenberg. Bei der Feier erzählt sie aus ihrem bewegten Leben.

„Eigentlich sollte man einen alten Baum nicht mehr verpflanzen", mahnt eine Volksweisheit. Bei Maria Polster, die wenige Wochen vor ihrem 90. Geburtstag von Wiesau nach Falkenberg zog, trifft das aber weniger zu. „Wir haben sie bei uns aufgenommen“, berichten Tochter Birgit und Schwiegersohn Hermann Meier vom Neuzugang am Schopperberg.

Maria Polster freut sich, dass ihr Geburtstagswunsch – ein Tablet-PC – in Erfüllung ging. Noch mehr aber zeigt sich die Jubilarin glücklich darüber, dass das Geburtstagsfest - mit allen Kindern - überhaupt zustande kam. Man habe doch nicht ahnen können, dass es einmal Kontaktbeschränkungen geben würde, freut sich die Familie über die Lockerungen in der Coronakrise, die an diesem Vormittag in gut gelaunter Runde aber kein Thema ist.

Kindheit in Reuth bei Erbendorf

Frisch von der Leber weg erzählt Maria Polster von der Kindheit in Reuth bei Erbendorf, wo sie im Juni 1930, als geborene Knott, das Licht der Welt erblickte. Es war Pfingstsonntagnachmittag. Die Jubilarin erinnert sich an die Erzählung, dass Vater Karl mit dem Rest der Familie zum „Girnbauer“ ins Wirtshaus gehen musste. "Weil man daheim nur hinderte.“ Maria kam als dritte Tochter des Ehepaars Margarete und Karl Knott zur Welt. Die „Dritten“ seien die Verwöhnten, fügt Maria Polster hinzu. „Eigentlich sollten die größeren Geschwister auf mich aufpassen. Die aber sahen in mir nur einen Störenfried.“ Also – so Polster – stellten sie den Kinderwagen an den Dorfteich. Der Grund dafür war ungewöhnlich: „Meine Geschwister meinten nämlich, sollte ich aus dem Wagen herausfallen, dann würde ich wenigstens auf dem weichen Boden landen.“

Die kleine Maria Knott war gezwungen, sich von Kindesbeinen an durchzusetzen, berichtet sie. Eine Blinddarmoperation wurde wieder abgesagt. „Weil ich vor lauter Angst urplötzlich geheilt war“, erinnert sie sich.

Faschingsprinzessin

Mehr und mehr entwickelt sich der Vormittag zur Feier des 90. Geburtstags zu einem kurzweiligen Rückblick, auch auf die Jugendjahre Maria Polsters. 1951 war sie Festdame. Ein Jahr später krönte man sie zur Reuther Faschingsprinzessin. „Dann kam der Polster Karl. Bei dem bin ich 1955 hängen geblieben“, erzählt die Witwe (Ehemann Karl verstarb im Oktober 1990) und fügt hinzu, dass Karl ein Motorrad hatte. „Ich besitze zwar keinen Führerschein, aber als Beifahrerin weiß ich über alles Bescheid.“ Später habe man sich einen VW-Käfer gekauft. Gefreut haben sie sich über die Geburt von Sohn Karl, Tochter Birgit und Enkel Matthias. Zur Familie zählen auch Schwiegertochter Martina und Schwiegersohn Hermann.

Geschätzt hat die Jubilarin das Vereinsleben. Die Liebe zu den Tauben führte sie zum Reisetaubenverein „Sturmvogel“, der Maria Polster bereits vor Jahren zum Ehrenmitglied ernannte. Eines Tages lebte in Wiesau der Schützenverein wieder auf, wo Maria Polster 1986 sogar Schützenkönigin wurde. Zu ihren Leidenschaften gehörte auch das Kegeln. „Für Kondition sorgte der Kraftraum im Sportzentrum.“ Das alles sei aber nur ein kleiner Teil ihrer Lebensgeschichte, über das man ein Buch schreiben könnte, fasst die Familie zusammen.

Wegen der Corona-Pandemie und der Beschränkungen gratulierten – neben Freunden und Verwandten - auch der Schützenverein „Eichenlaub-Lohengrin“, der Reisetaubenverein „Sturmvogel“, der Obst- und Gartenbauverein und der Eisenbahner-Sportverein entweder nur per Telefon oder, im nötigen Abstand, über den Gartenzaun hinweg. Auch Marias Kegelfreunde ließen es sich nicht nehmen, alles Gute zum 90. Geburtstag zu wünschen. Es gratulierten zudem Pfarrer Markus Nees und der Wiesauer Bürgermeister Toni Dutz. Je ein Glückwunschschreiben schickten Landrat Roland Grillmeier und der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

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