14.11.2019 - 10:17 Uhr
FalkenbergOberpfalz

"Er war ein stattlicher, großer Mann"

Einladung des Forums Falkenberg: Zeitzeugen erinnern sich an Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg.

Sie sprachen über Graf von der Schulenburg (von links): Johannes Bauernfeind, Anna Schinner, Rosa Schön, Herbert Bauer, Karl Mark, Franz Lindner und Wilhelm Staufer.
von Konrad RosnerProfil

Vor 75 Jahren wurde Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg in Berlin-Plötzensee von den Nazis hingerichtet. Grund: Der ehemalige deutsche Botschafter von Moskau war in die Attentatsversuche des Grafs von Stauffenberg verwickelt. Auch seine Lebensgefährtin Ala Duberg, mit der er 20 Jahre zusammenlebte, wurde von den Nazis ermordet.

Treffen mit Stalin

Das Forum Falkenberg hatte auf die Burg eingeladen, Zeitzeugen gaben so manch Wissenswertes über Graf von der Schulenburg preis. Bürgermeister Herbert Bauer, der mit Johannes Bauernfeind die Gesprächsrunde leitete, begrüßte dazu Anna Schinner, Rosa Bauer, Karl Mark, Franz Lindner und Wilhelm Staufer. Bauer berichtete, dass er 2009 zu einem Symposium über Schulenburg nach Moskau eingeladen worden sei, 85 Personen hatten daran teilgenommen. Dort habe er eine Ausstellung über Schulenburg gesehen. Bei ihm kam schnell der Gedanke, diese Ausstellung nach Falkenberg zu holen.

Schulenburg habe sich fast täglich mit Stalin getroffen. Für Schulenburg habe Russland mit Deutschland auf einer Ebene gestanden, ganz im Gegensatz zu Adolf Hitler, der die Russen als "Untermenschen" tituliert hatte.

Mark erinnert sich an Schulenburg: "Ende der 30er Jahre haben wir den Graf kennengelernt, ohne zu wissen, dass es der Graf ist. Mit meinem Bruder Adolf spielten wir Fußball. Den Ball hatte die Mama aus Stofffetzen gebastelt. Eines Tages kam der große Herr wieder und brachte uns einen Gummiball. Leider hielt dieser nicht lang, denn wir schossen ihn in eine Stauern, und schon war er kaputt."

Mark wusste, "er war ein stattlicher, großer Mann". Rosa Schön berichtete, dass sie zu Hause einen Franzosen als Kriegsgefangenen hatten. Der konnte es nicht glauben, dass der Graf ihn bei der Arbeit gegrüßt hat. 1977 sei der Franzose übrigens wieder nach Falkenberg gekommen, "weil es ihm hier so gut ging", wusste Rosa Schön. Lindner verwies darauf, "der Graf ging grundsätzlich zum Prockl zum Essen, und unterhielt sich mit den Leuten". Sein Vater habe öfter mit dem Graf gesprochen. Dabei habe ihm Schulenburg gesagt, dass er Hitler vor dem Einmarsch nach Russland gewarnt habe.

Vater ausgehorcht

Anna Schinner erzählte, dass ihr Vater den Dachstuhl auf der Burg gebaut hat. Schulenberg sei stets freundlich gewesen. Sie wusste jedoch auch, dass der Graf ihren Vater ausgehorcht hat, um mehr über Falkenberg zu erfahren. Den Dachstuhl musste ihr Vater im übrigen so bauen, wie ihn der Graf haben wollte. Laut Bauer wollte Schulenburg eigentlich, dass sich seine Lebensgefährtin mit dem "Bauernvolk von Falkenberg abgebe", doch sie habe nur geraucht und gesoffen.

In der Talkrunde wurde auch auf die letzten Kriegstage eingegangen, als abgemagerte KZ-Flüchtlinge durch den Ort getrieben wurden. Wer nicht mehr konnte, sei sofort erschossen worden. Mark erzählte vom Einzug der Amerikaner, die vor allem Hühnereier liebten, aber auch viele der Hühner schlachteten. Am Ende überreichte der Bürgermeister jedem einen "Burgtaler".

Zu Beginn der Talkrunde hatten die Teilnehmer des verstorbenen Peter Bork gedacht, der diese Veranstaltung noch organisiert hatte.

Das Podiumsgespräch stieß auf großes Interesse. Eingeladen dazu hatte das Forum Falkenberg.

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