01.03.2019 - 12:52 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Wellen-Geschichten

Wer die Skulptur, die der Künstler Jeff Beer im Treppenaufgang zum Burgmuseum Falkenberg installiert hat, gänzlich verstehen will, tut gut daran einen Spiegel mitzubringen. Das Werk enthält Schriften, manche davon sind spiegelverkehrt.

Jeff Beer vor dem Bild "Hecken", das im Foyer des Tagungszentrums hängt.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Im Spiegel ist zum Beispiel „Theodoros“ zu lesen, der Vorname einer der griechischen Generäle, die 1945 in der Burg Falkenberg im Kreis Tirschenreuth von den Nazis inhaftiert gewesen waren. Seit Mittwoch ziert die 3,70 Meter hohe und 350 Kilogramm schwere Eisenplastik den Bereich vor dem Treppenaufgang zum Schulenburg-Museum. Jeff Beer hat in seinem Werk so ziemlich alles berücksichtigt, was die Burg ausmacht. Die Waldnaab, den Falken, der den Namen gab, Schriftfragmente, die auf bedeutende Ereignisse hinweisen, hat er darin vereinigt. Im Rahmen der künstlerischen Ausstattung der Burg Falkenberg definiert die Skulptur im Treppenhaus den Höhepunkt eines Gesamtkunstprojektes durch Jeff Beer.

In diesem Rahmen werden demnächst noch drei kleinere Skulpturen, die mit der großen im Treppenhaus korrespondieren, mit Höhen zwischen 30 und 75 Zentimetern die Nischen im Kapitelsaal zieren. „Sie bestehen ausschließlich aus mythischen Nymphen-Motiven, die ihrerseits wiederum auf die Waldnaab verweisen. Um das gesamtkunstwerkliche Konzept zu betonen, habe ich unbedingt einen motivischen Zusammenhang zwischen der großen Skulptur im Treppenhaus und den kleineren Arbeiten im Kapitelsaal herstellen wollen.“

Außerdem wurden alle Hotelzimmer und der Salon in der Burg mit 18 Fotografien und Buntstiftzeichnungen des Künstlers ausgestattet. Ein großes Bild verschönert das Foyer im Tagungszentrum. Alle Fotografien hat Beer in der Waldnaabaue aufgenommen.

Grandiose Schattenwürfe

Hatte man im Vorfeld Bedenken bei der Installation der großen Skulptur, lief am Mittwoch alles wie am Schnürchen. Mit Hilfe eines Flaschenzugs und einigen starken Männern war das schwere Kunstwerk in nicht einmal einer Stunde an Ort und Stelle fixiert. Absolute Präzisionsarbeit. Die Skulptur wird von einem Strahler aus dem Zentrum heraus nach oben hin beleuchtet. Das bringt den Nebeneffekt, dass an den Wänden grandiose Schattenwürfe entstehen. Die Beleuchtung ist noch nicht ganz abgeschlossen. „Hier sind wir noch am Experimentieren“, sagt Beer. Ein Begleitbuch, an dem der Künstler im Moment arbeitet, rundet das Gesamtkunstwerk ab und beschreibt alle Einzelheiten. Und darüber gibt es viel zu sagen.

Beer erklärt, dass die große Skulptur, die übrigens noch namenlos ist, drei Flächen in sich vereint, in die verschiedene historische und inhaltliche Ebenen eingearbeitet sind. Das Gesamtgebilde, das auf den ersten Blick ins Auge sticht, ist eine Wellenform. Es soll die Waldnaab symbolisieren, jenen kleinen Fluss, der letztendlich die ganze Region aus dem Urfelsen herausgemeißelt habe. Eine Fläche thematisiert die mythische Ebene. Darin sei etwa die Gründungslegende verarbeitet. Demnach ging einst der Lieblingsfalke von Karl dem Großen verloren und wurde auf dem Felsen, auf dem heute die Burg thront, wieder gefunden.

In drei Schichten beziehungsweise drei Bildebenen geht es ums Wasser. Die Verkörperung durch Nymphen oder die lebendige Kraft des Wassers als Ornament spielt in allen drei Flä- chen eine Rolle. Der Falke kommt in zahllosen Variationen in dem Werk vor. Schriften als Fragmente, oder ganze Wörter und Sätze, teilweise in Spiegelschrift, fordern ebenfalls die Fantasie des Betrachters. Darin nimmt Beer unter anderem Bezug auf die Geologie des Falkenberger Burgfelsens. „Dessen Bestandteile sind in der Skulptur konkret hinterlegt.“ In der historischen Ebene interessieren den Künstler vor allem zwei Schnittpunkte. Einmal die Zerstö- rung der Burg durch den schwedi- schen Generalfeldmarschall Hans Christoph von Königsmarck, der we- nige Tage vor Ende des Dreißigjähri- gen Krieges die Burg in Brand schießen ließ. Mit diesem Ereignis ging die ursprüngliche Geschichte der Burg zu Ende. Beer knüpft beim Wiederaufbau an, der in den 1930er Jahren mit dem Botschafter Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg beginnt. Das geht bis zu den letzten Besitzern und Bewohnern der Burg, Gräfin Sonnhild von der Schulenburg und ihren Söhnen Friedrich und Stefan.

Biblischer Ausklang

Auch einen Blick in die Zukunft wagt der Künstler mit einer durchaus pikanten Darstellung. Zwei Vögel in eindeutiger Position. „Ein biblischer Ausklang nach dem Motto liebet und mehret euch.“ Es handle sich dabei eher um eine kleine Darstellung, und die hat der Künstler auch ziemlich gut versteckt. „Es ist ein Kunstwerk geworden, das dem Auge des Betrachters ganz lange Futter und Nahrung gibt“, sagt Beer und empfiehlt deshalb öfters zum Entdecken zu kommen.

Ein halbes Jahr körperlicher Arbeit steckt in dem Gebilde, das über 150 Einzelformen in sich vereint. Nicht eingerechnet die Vorarbeit zur Modellfindung, die bereits über ein Jahr zurückliegt. Es habe zwei nicht realisierbare Vorgängermodelle gegeben. Für eines hätte man Maschinen aus dem Schiffsbau gebraucht, was in der Oberpfalz eher schwierig sei.

Befestigung am Flaschenzug.
Der große Augenblick ist gekommen: Jeff Beer enthüllt das Kunstwerk, während es noch auf dem Boden liegt.
Alles im Lot. Der Künstler will es genau wissen und ist zufrieden.
Die Lampe von unten generiert spannenden Schattenwurf.
Und am Ende passt es genau: Höher hätte die Traverse mit Flaschenzug nicht sein dürfen.

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