14.10.2020 - 14:39 Uhr
FensterbachOberpfalz

Fensterbach: Sakrales Kappellenbauprojekt in Form gegossen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Im Mai 2013 treffen sich Einwohner von Knölling mit Gemeinderat und Bürgermeister in der Ortsmitte. Ihr dringender Wunsch: Der Neubau einer Kapelle. Zwei Jahre später steht das Bauwerk, seit kurzem sind auch die Außenanlagen fertig.

Fünf Jahre nach ihrer Einweihung hat die Heilig-Geist-Kapelle im Fensterbacher Ortsteil Knölling mit einem Vorplatz ihren gestalterischen Abschluss erhalten.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Zahlreiche Bürger erwarteten im Frühjahr 2013 die Gemeinderäte in Knölling, die dort Station bei einer Besichtigungstour durch die Ortsteile machten. Es ging um den Standort einer wieder zu errichtenden Kapelle. Die Initiatoren des Vorhabens hatten vorgeschlagen, diese auf einem Teil des Kinderspielplatzes zu bauen. Knölling, so die Argumentation, habe bereits in der Vergangenheit eine Kapelle gehabt und es bestehe großes Interesse, dass im Ort auch wieder eine gebaut werde. Der Kinderspielplatz als Standort biete genügend Platz, liege zentral und nicht weit vom einstigen Standort der alten Kapelle entfernt.

Die Sache nahm in der Folge Formen an, ein Kapellenbauverein kümmerte sich ab seiner Gründung am 24. September 2013 um das Vorhaben. Der Fensterbacher Künstler Dominik Schleicher wurde beauftragt, die gestalterische Konzeption für den Sakralbau zu übernehmen; sein Onkel Josef Schleicher zeichnete die Pläne und kümmerte sich um die baurechtliche Genehmigung. Mit vielen Sach- und Geldspenden und mit viel Eigenleistung der Dorfgemeinschaft schritt der Bau schnell voran.

Einweihung mit Bischof

Die Einweihung des modern anmutenden Gebäudes erfolgte im September 2015 -sechzig Jahre nachdem die alte Kapelle abgerissen wurde. Zu dem Festakt kam der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in die kleine Ortschaft. Großes Lob erhielt der Kapellenbauverein, bei dem die vielfältige Einsatzbereitschaft viele Mitstreiter vereinte. Die Kapelle wurde dem heiligen Kreuz geweiht. Das Kreuz sei ein Zeichen religiöser Identität und wenn man es annehme, könne man erfahren, dass es ein großes Plus-Zeichen sei, sagte der Bischof damals.

Einweihung der Kapelle im September 2015

Sieben Jahre nach Beginn des Kapellenbaus in Knölling wurde kürzlich vor dem Fest Kreuzerhöhung der Bau der Knöllinger Heilig-Kreuz-Kapelle offiziell beendet. Dazu kamen viele Besucher an die Kapelle, wo bei einer Andacht auf die Idee, die Planung und die Umsetzung der Kapelle zurückgeblickt und dafür gedankt wurde. Nach dem Rückblick hat Künstler und Bauleiter Dominik Schleicher den Schlussstein in den neu erstellten Vorplatz eingesetzt. Dieser einzige Stein fehlte noch, genau in der Mitte des aus Granitplatten gestalteten Platzes. Bei der letzten Jahreshauptversammlung hatten die Mitglieder des Kapellenvereins Knölling die Gelegenheit bekommen, sich auf der Rückseite des Schlusssteins mit einem Fingerabdruck in Bronze zu verewigen.

"Wer bin ich"

"Wer bin ich" steht auf dem goldfarbenen Grundstein vor dem Bauwerk und verweist als Frage auf den Betrachter zurück, aber auch voraus auf den Sinn der Kapelle, den Gekreuzigten und die Auferstehung. Laut Dominik Schleicher habe sich das Thema "Auferstehung" im Inneren wie im Äußeren der Kapelle "quasi von selbst entwickelt und so die "Wieder-Auferstehung" der alten Kapelle in Knölling lebendig werden lassen."

Den Gestaltungsabsichten des Künstlers zufolge deuten die Steine durch ihre Anordnung einen Weg aus Treppen und Stufen an. Dieser Weg soll symbolisieren: Zum Kreuz geht es hinauf. Wer sich dem Kreuz nähere, werde nicht hinuntergezogen, sondern steige auf zum Herrn.

Zudem verdeutliche der Pflasterbelag die geformte Gemeinschaft aus den vielen unterschiedlichen Charakteren der Menschen, die sich hier zusammengefunden haben, um gemeinsam ihren Wunsch nach einem Ort des Glaubens umzusetzen.

Hintergrund:

Das Dorf Knölling, dessen Ursprung bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht, besaß über viele Jahre hinweg eine eigene Kapelle. Die zuletzt bekannte musste in den 50er-Jahren aufgrund Baufälligkeit abgerissen werden. Schon früh gab es Bestrebungen, die Kapelle wieder neu zu errichten. In den Folgejahren war sogar das hierfür notwendige Bauholz geschlagen worden, allerdings konnte das Vorhaben nie zu Ende geführt werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen liefen bereits ab 1952 intensive Bemühungen des damaligen Ortsgeistlichen Pfarrer Schindler um den Neubau einer größeren Pfarrkirche. Da Knölling als möglicher Standort ebenfalls diskutiert wurde, war die parallele Wiedererrichtung einer kleinen Kapelle vermutlich nicht angezeigt. Zum anderen hat die seelsorgliche Zuteilung des Filialortes Knölling nach Dürnsricht mit dem Bau der Pfarrkirche im Jahr 1963 eine Dorfkapelle nicht mehr notwendig gemacht. Und auch in den Folgejahrzehnten erschienen andere Projekte innerhalb der Pfarrei dringlicher als ein Kapellenneubau.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.