22.07.2018 - 12:02 Uhr
FensterbachOberpfalz

Heimat im Wandel des Jahres

Die Frage lautet, wo ihre Heimat ist. Nach glanzvollen zwei Stunden ist Klarheit geschaffen: Die Raith-Schwestern und deren kongenialer Partner Andy Blaimer haben ihre Wurzeln tief in Ostbayern. Dort, wo auch Schlösser und Burgen stehen.

Die „Raith-Schwestern und der Blaimer“ traten in Wolfring auf.
von Autor HOUProfil

Eine Wohltat vor fast schon sensationeller Kulisse. Dunkle Wolken am Himmel und die mächtige Ostmauer des Wolfringer Schlosses, das sich so noch nie vor Publikum präsentiert hat. Ein lauer Sommerabend. Besser hätte sich alles nicht fügen können. Für die 400 Zuhörer und das Ensemble auf der Bühne, die Raith-Schwestern und der Blaimer samt Robert Bischof am Kontrabass.

Tanja und Susi Raith kommen aus der Volksmusik. Nein, nicht aus jenem aberwitzigen Getöse, das uns ein gewisser Florian Silbereisen regelmäßig auf die Ohren wuchtet. Lieder mit Gefühl. Nie schrill und laut. Was sich auf der Bühne abspielt, spiegelt die vier Jahreszeiten in einem Landstrich wider, der bei weitem mehr zu bieten hat, als preiswerten Schweinebraten mit zwei Knödeln.

Die Raith-Schwestern fragen bei ihrer Burgen- und Schlösser-Tour: "Wisst's, wo mei Hoamat is?" Die Antwort erfolgt musikalisch. Sie wird aber im Halbdunkel dieses Schlosshofes auch mit eindrucksvollen Bildern und mitunter gruseligen Sagen gegeben, die Andy Blaimer fast schon in professioneller Volksschauspielermanier erzählt. Ein durch die Luft gewirbelter Hausknecht, tückisch lockende Hexen und der Leichnam mit dem von der Bahre plötzlich herabsinkenden Arm. Schaudern mit einem Lächeln. Das kann nur der Blaimer.

Die Geschwister Raith haben von ihrer Mutter Monika gelernt, wie man in den Kosmos der Bodenständigkeit eintaucht. Makelloser Gesang und Lieder, deren Mundart nur solche verstehen, die hier aufgewachsen sind. "De allerschöinst Zeit" wird beschrieben, das "Waldvögerl" flattert durchs Nadelgehölz. Kitschig? Nein: Kitsch ist genau das, was uns gebetsmühlenartig Menschen in Fantasietrachten und mit Leuchtstäben fuchtelnd via TV an nahezu jedem Wochenende präsentieren.

Die Raiths und der Blaimer sind geniale Volksmusikanten. Sie kommen mit Hackbrett, Maultrommel, Ziehharmonika und Gitarre. Leise und dezent, ohne Trommelstakkato und Getöse. Balsam für die Seele, schlichtweg ein Genuss für alle Sinne an diesem von Carl Graf zu Eltz zur Verfügung gestellten Ort.

Wir wissen nun, wo die Heimat der Raith-Schwestern ist. Genau dort, wo auch wir daheim sind. Mit einem finalen Satz, der uns seither nicht aus dem Kopf geht: "Am Liaban stirbt ma doch dahoam." Muss ja nicht gleich sein. Etwas Zeit darf schon noch vergehen. Denn sonst hätten wir womöglich das nächste Konzert dieser furios starken Truppe aus der Oberpfalz verpasst.

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