Das Werk der Wohltaten läuft seit über einem Jahrzehnt. Immer am ersten Weihnachtsfeiertag brechen zahlreiche Lastzüge vom Steinerzeuger-Unternehmen Godelmann in Högling aus auf, um in Rumänien Freudenlichter anzuzünden. An Bord haben die Trucker dann Geschenkpakete für Kinder, Arme und Kranke. Im letzten Jahr waren es weit über 10 000 Kartons.
Die Aktion des guten Willens wird von Godelmann-Manager Uli Bauriedl angeführt. Er rührt nahezu unablässig die Spendentrommel und ist mit Zustimmung seines Arbeitgebers unterwegs, um Firmen und Privatleute davon zu überzeugen, dass es mitten in Europa Menschen gibt, die in unsäglicher Armut leben. "Sie brauchen Hilfe", sagt er ihnen. Aktionen wie die von Uli Bauriedl, bei denen die Gaben unmittelbar zu den Bedürftigen gelangen, benötigen prominente Gallionsfiguren zur Unterstützung. Wenn sie dann so bekannt sind wie der dreifache Olympiasieger und fünffache Weltmeister Eric Frenzel, ist das - wie man neudeutsch sagt - ein willkommener Support.
Frenzel, zwischenzeitlich eine Art lebende Legende in der Nordischen Kombination, hat sofort zugesagt, als ihn Bauriedl um eine Patenschaft ersuchte. Wie das vonstatten ging, ist berichtenswert. Dazu muss man wissen: Der 29-Jährige aus Geyer im Erzgebirge wohnt mit Ehefrau und drei Kindern seit ein paar Jahren in einem Ortsteil von Flossenbürg. Dort sitzt er in der Gästepension seiner Schwiegereltern, als ihn Uli Bauriedl besucht.
Der Sportler, in dessen gleich nebenan errichtetem privaten Wohnhaus sechs olympische Medaillen und zwölf Trophäen von Weltmeisterschaften aufbewahrt werden, will alles sehr genau wissen. Er hört, dass europäischer Standart für unzählige Menschen in Rumänien eine nie zu erfüllende Wunschvorstellung darstellt. Der 29-Jährige erfährt von einem Mädchen, dass der eigene Vater so traktierte, dass es erblindete. Der Weltstar des Wintersports wird ferner von schäbigen Behausungen informiert, in denen Ratten-Rudel Menschen und Möbel annagen. Frenzel macht mit. Er hat die Aktionspatenschaft übernommen, obgleich er zumindest während seiner noch aktiven Karriere nicht selbst dabei sein kann. Denn dann ist Winter und der gebürtige Sachse wird irgendwo auf diesem Globus in Loipen und auf Schanzen stehen. Seit 2003 gehört er zum deutschen Nationalkader und ab jetzt ist Eric Frenzel auch in der Spur einer, wie er unterstrich, "wirklich guten Sache."
Kein Bier für ihn, aber für seine Besucher. Früh zu Bett an diesem Abend. Eric Frenzel ist auf dem Sprung nach Garmisch-Partenkirchen. Intensives Training und dann der Weltcup-Start Ende November in Finnland. Ein eher kleiner drahtiger Mann, der seine sportlichen Konkurrenten auf die Ränge verweist. Und ein hünenhafter Rumänien-Wohltäter, dessen Freude über den gewonnenen Paten riesig ist.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.