29.07.2020 - 13:04 Uhr
FensterbachOberpfalz

Urlaubsvertretung in den Pfarreien: Jetzt müssen auch die Pensionisten ran

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Freundliche, junge Geistliche aus Indien, Afrika oder Osteuropa, deren Namen man meist nicht richtig aussprechen kann. Das sind in den letzten Jahren die Urlaubsvertreter in den katholischen Pfarreien gewesen. Heuer bleiben sie aus.

Pater Christian Ikpeamaeze (Mitte) war in den letzten Jahren öfter als Urlaubsvertretung in der Expositur Högling tätig. Er wie auch andere ausländische Seelsorger dürfen heuer nicht in der Diözese aushelfen.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

„Die Pfarrgemeinde begrüßt Pater Christian Ikpeamaeze als Urlaubsvertreter in der Pfarrei Dürnsricht-Wolfring und der Expositur Högling.“ So begann vor einigen Jahren ein Zeitungsartikel, wie es sie Sommer für Sommer über viele katholische Pfarreien gab – nicht nur im Landkreis Schwandorf. Kaum war der jeweilige Pfarrer in seinen wohlverdienten Urlaub gegangen, kamen Männer wie Pater Christian, um auszuhelfen und sich dabei etwas Geld zu verdienen.

Wie dem nigerianischen Seelsorger, der mehrfach in der Pfarrei im Dekanat Nabburg die Urlaubsvertretung übernommen und der sich dort heimisch gefühlt hat, geht es in diesem Jahr vielen: Sie dürfen nicht kommen. Grund ist, wie derzeit häufig, die Corona-Pandemie.

„Alles zu unsicher“

Bereits zu Pfingsten, also Ende Mai, Anfang Juni, fielen die diesbezüglichen Würfel in der Diözese Regensburg, in der rund 700 Pfarreien zusammengeschlossen sind. „Das war uns alles zu unsicher“, blickt Pressesprecher Jakob Schötz auf diese Entscheidung zurück. Niemand konnte vorhersagen, wie sich Corona weiter entwickeln würde und ob es möglich sei, Hilfen aus anderen Gegenden anzufordern. „Wir haben vor allem alle Urlaubsvertretungen aus dem Ausland abgesagt“, berichtet Schötz. „Hätten sie kommen können? Hätten sie vielleicht in Quarantäne gemusst?“ Fragen, die man in Regensburg nicht beantworten konnte.

Thema „Nachbarschaftshilfe“

Als Ausweg bot sich an, das Thema auf Dekanatsebene zu lösen. Die Idee dahinter bezeichnete Schötz mit dem Begriff „Nachbarschaftshilfe“. Dass also die Pfarrer, die Kapläne und die Pfarrvikare zu unterschiedlichen Zeiten in Urlaub gehen und sich jeweils vertreten. So ist es beispielsweise im Dekanat Schwandorf gelöst, wo sich Dekan Hans Amann (Schwandorf) über die „große Solidarität“ seiner Kollegen gefreut hat, als es um das Erarbeiten der Urlaubspläne ging: „Da sind wir mit der Situation gut fertig geworden und jeder ist zu seinem Urlaub gekommen.“

Aus dem Arbeitszimmer fällt sein Blick auf die Höglinger Kirche St. Margareta: Ruhestandspfarrer Johann Schächtl (79) hat seit dieser Woche die Urlaubsvertretung für Pfarrer Michael Hoch übernommen, der einen gutes Monat lang weg sein wird.

Es gibt noch ein weiteres Potenzial, das man bei dieser Problematik ausschöpfen kann. Das sind die sogenannten Kategorial-Seelsorger. Also jene Geistlichen, die in Altenheimen oder Krankenhäuser beschäftigt sind. Sie können ebenfalls zur Urlaubsvertretung in Pfarreien herangezogen werden.

Eine dritte Gruppe, auf die die Dekanate zurückgreifen, sind Ruhestandspfarrer. Einer, der solchermaßen in die Pflicht genommen wurde, ist Johann Schächtl aus der Gemeinde Fensterbach. Für den 79-Jährigen, der bis vor sieben Jahren noch selbst als Pfarrer tätig war und seitdem seinen Ruhestand in dem kleinen Ort Högling (Dekanat Nabburg) verbringt, ist die aktuelle Aufgabe „kein Stress“, wie er lachend versichert. „Ich bin sehr dankbar dafür“, betont er mit Blick auf die knapp vierwöchige Urlaubsvertretung für Pfarrer Michael Hoch, der auch als Dekan für das Dekanats Nabburg zuständig ist. Schächtl hält jeden Tag einen Gottesdienst, am Sonntag sind es sogar drei, hin und wieder gibt es eine Beerdigung – und am Freitag die Krankenkommunion.

Mit genauem Plan geht es

Trotz seines Alters ist Schächtl noch immer ein Pfarrer mit Leib und Seele. „Es gibt eine ganze Reihe von Pensionisten, die mithelfen“, weiß er. Diese Geistlichen sind damit ebenfalls Teil einer Lösung des Urlaubsproblems, mit der sich laut Pressesprecher Schötz „ganz gut leben lässt“. Für Schötz ist klar: Auch ohne die ausländischen Priester sei „die Seelsorge gewährleistet“.

Natürlich steckt eine Menge Planungsarbeit für die Dekane drin, wie Alfons Kaufmann (Oberviechtach) versichert. Der Dekan des 14 Pfarreien umfassenden Dekanats Neunburg-Oberviechtach kann nämlich nicht auf Ruhestandspfarrer zurückgreifen, weil bis auf einen betagten Kollegen bei ihm keine Pensionisten wohnen. „Und wir haben auch keine Kategorial-Seelsorger““, berichtet er. So müssen sich die sieben Pfarrer plus einiger Kapläne untereinander helfen. „Das ist nicht einfach, aber wir haben einen Plan gemacht und es geht.“

In den letzten Jahren waren Urlaubsvertretungen durch Ausländer noch kein Thema, wie dieses Beispiel zeigt

Winklarn

Ich bin sehr dankbar für diese Aufgabe

Ruhestandspfarrer Johann Schächtl als Urlaubsvertretung für Pfarrer Michael Hoch

Hintergrund:

Wegen der Corona-Pandemie sind in diesem Jahr keine ausländischen geistlichen Urlaubsvertreter aus dem Ausland in der Diözese Regensburg – zum Schutz der Gemeinden und der Seelsorger selbst. Im vergangenen Jahr sind zahlreiche Priester gekommen. Viele von ihnen stammten aus Indien, Afrika oder Asien und sehen den Aufenthalt als Chance, ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Jedes bayerische Bistum hat in diesem Jahr für sich selbst entscheiden, wie es mit der Urlaubsvertretung umgeht.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.