Fichtelberg
25.09.2026 - 14:33 Uhr
OnetzPlus

Nach 40 Jahren schließen Karin und Harald Ott die Berg-Apotheke in Fichtelberg

Fichtelberg verliert mit der Schließung der Berg-Apotheke eine wichtige Versorgungsquelle für seine Bürger. Nach 40 Jahren verabschieden sich Karin und Harald Ott in den Ruhestand, während die Suche nach einem Nachfolger erfolglos blieb.

„Die Apotheke macht zu“: Fast wie ein Blitz schlug die Nachricht in Fichtelberg ein, ein herber Verlust für die Gemeinde. Für viele Menschen im Ort ist das weit mehr als die Schließung eines Geschäfts. Gerade für die ältere Bevölkerung bedeutet der Wegfall der Apotheke den Verlust eines wichtigen Teils der wohnortnahen Versorgung. Ein Stück Vertrautheit und Nähe geht für sie verloren.

Nach 40 Jahren intensivem und verantwortungsvollem Dienst haben sich Karin und Harald Ott „schweren Herzens“ dazu entschlossen, die Berg-Apotheke zu schließen und in den Ruhestand zu gehen. Vier Jahrzehnte lang haben sie gemeinsam mit ihrem Team für ihre Kunden nicht nur Rezepte eingelöst, im Labor Rezepturen angefertigt, Kompressionstrümpfe und Bandagen angemessen, Hilfsmittel für die häusliche Pflege geliefert, sondern auch beraten und geholfen.

Fünf Jahre Suche nach Nachfolger

Die meisten ihrer Kunden kannten sie persönlich und wussten oft schon vorab, wer regelmäßig welche Medikamente braucht. „Schnell noch in die Apotheke!“ Das gehört seit Samstag, 19. September, der Vergangenheit an. Seit fünf Jahren bemühen sich Karin und Harald Ott darum, eine Kollegin oder einen Kollegen für die Arbeit als Apotheker in Fichtelberg zu begeistern, sei es als Mitarbeiter, als Filialleiter der Apotheke ihres Sohnes Julian Ott (Brunnen-Apotheke Wunsiedel) oder in selbstständiger, eigenverantwortlicher Tätigkeit. Doch bislang waren alle Versuche vergeblich.

„Warum will denn niemand ins Fichtelgebirge?“, fragt sich Karin Ott. Die Region habe für sie so vieles zu bieten. Für die Otts selbst sei die Antwort immer klar gewesen. Beide seien in Weißenstadt (Landkreis Wunsiedel) geboren worden und hätten ihrer Heimatregion treu bleiben wollen. Kurz nach dem Staatsexamen habe sich die Möglichkeit ergeben, sich in Fichtelberg selbstständig zu machen.

Sie kauften das Gebäude von ihren Vorgängern Josef und Anneliese Ernst, die in den Ruhestand gegangen waren. „Apotheke und Wohnung in einem Haus: Das war und ist bis heute für uns ein großer Vorteil“, sagen beide. Auch ihre Söhne sind beruflich in der Region verwurzelt. Apotheker Julian Ott ist Inhaber der Brunnen-Apotheke in Wunsiedel. Benedikt Ott ist Facharzt für Allgemeinmedizin und lebt mit seiner Familie in Bayreuth.

Mehr Verwaltung und Bürokratie

Vier Jahrzehnte sind eine lange Zeit. Vier Jahrzehnte, in denen sich die Apotheke sowohl optisch als auch in der Arbeitsweise grundlegend verändert hat. „EDV und Internet machen vieles leichter. Doch leider sind auch sinnlose Bürokratie und Verwaltungsaufwand immens gewachsen“, sagt Harald Ott. „Dies und die momentanen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen schrecken viele junge Apotheker vom Schritt in die Selbstständigkeit ab. Denn Selbstständigkeit als Apotheker bedeutet unter anderem lange Arbeitszeiten, aufwendige Rezepturherstellung und regelmäßige Notdienste“, sagt Karin Ott.

All dies gelte nicht für die Internetkonkurrenz aus dem Ausland, die sich laut dem Ehepaar nicht an deutsche Preisvorschriften halten müsse. „Hier ist die Politik gefordert, dieses Ungleichgewicht zu beseitigen und so dem fortschreitenden Apothekensterben – vor allem auf dem Land – entgegenzuwirken“, betonen die Apotheker.

Botendienst aus Wunsiedel

„Als Ergänzung zu den umliegenden Apotheken werde die Brunnen-Apotheke in Wunsiedel dazu beitragen, künftig die Arzneimittelversorgung im Hohen Fichtelgebirge sicherzustellen, und biete für Fichtelberg und Mehlmeisel einen Botendienst an“, informiert das Apotheker-Ehepaar, das jetzt mehr Zeit für seine Hobbys haben wird. Dazu gehören Tennis spielen, Wandern, Schwimmen, Garteln und einfach die Natur genießen. Erfreulich ist auch, dass alle Mitarbeiterinnen bereits eine neue Beschäftigung gefunden haben.

Trotz des Abschieds haben Karin und Harald Ott die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass sich vielleicht doch eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für die Berg-Apotheke findet. Deshalb ihre Botschaft an alle, die sich dafür interessieren: „Die Apothekenbetriebsräume können jederzeit wiederbelebt werden.“

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.