Fichtelberg
16.04.2019 - 11:44 Uhr

Ausstellung im Mühlgütl

Alte Gebet- und Gesangbücher.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Bild: gis
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Auf dem Holztisch im Dorfmuseum „Mühlgütl“ stapeln sich alte Gebet- und Gesangbücher, das älteste aus dem Jahr 1792, gefolgt von mehreren mit Gold-, Silberfarben und Muscheln verzierten Ausgaben von 1883 aus der evangelsich-lutherischen Landeskirche Sachsen. „Im Hinblick insbesondere auf die weibliche Leserschaft vor dem 19. Jahrhundert wurde auf die Gestaltung der Bücher besonderer Wert gelegt. Sie entwickelten eine besondere Außenwirkung, wurden - aufwändiger als andere Bücher gebunden - in die Kirchen mitgenommen und in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Schmuck-Schlösser signalisierten gleichzeitig die Intimität der hier gepflegten Zwiesprache mit Gott.

Die Bücher im „Mühlgütl“ jedenfalls zeugen von tiefer (Volks-)Frömmigkeit: Das Blättern und Lesen haben starke Abnutzungsspuren hinterlassen. Ein „Gebetbuch für alte Leute“ in großer Schrift wird sogar mit einem Strick zusammengehalten. Max Kellner blättert in den alten Büchern, wie in einem aus dem Jahr 1885 mit „Glauben-, Lebens- und Trostlehren“. Es soll dem Gläubigen in schweren, individuellen Lebenssituationen beizustehen.

Kellner schlägt einen „Goffiné“ von 1885 auf, ein Buch, das früher kaum in einer christlichen Familie fehlte. Diese „Handpostille – Unterrichts- und Erbauungsbuch“, die Sonntagsepisteln und –evangelien in Fragen und Antworten erklärt, ist nach ihrem Autor Leonhard Goffiné OPraem benannt. Er war Prämonstratenser-Chorherr im Kloster Steinfeld/Eifel und religiöser Volksschriftsteller. Allein im 18. und 19. Jahrhundert haben mindestens 22 Verlage Goffinés Handpostille verlegt. Gleich daneben liegen ein „Lob Gottes“ aus dem Bistum Regensburg von 1908 und ein Schottmeßbuch von 1950, das früher – je nach Geldbeutel – in Leder oder einfach gebunden – neben der obligatorischen - Uhr – ein beliebtes Patengeschenk zur Firmung war.

 
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