Der Bücherstadl der Pfarrei mit einem überaus reich bestückten, brandaktuellen Angebot ist längst zum Geheimtipp für große und kleine Literaten geworden. Beherbergt er doch derzeit nicht weniger als 1792 Romane und Jugendbücher, 1085 Kinder-, 798 Sach- und 274 Hörbücher, außerdem 1000 Medien aller Sparten als Leihgabe vom Michaelsbund in Regensburg, das Neueste vom Büchermarkt – noch druckfrisch – inklusive.
Jetzt feiert der Bücherstadl seinen 50. Geburtstag. Die Pfarrbücherei aber ist schon viel älter: Laut Reichenbergerischer Chronik war sie seit 1928 im Schwesternheim untergebracht und während des dritten Reichs verboten. Im Jahr 1957 hat Pfarrer Monsignore Anton Winkler im früheren Vereinshaus, der jetzigen Rosenthal/Vishay-Halle die Bücherei wiederöffnet – in einfachster Weise: Auf Bänken entlang der Wände stapelten sich die Bücher, da in den Räumen, die der Kirche gehörten, auch noch Filme liefen, Theater gespielt und getanzt wurde. 1961 zog man „in den himmelblauen Kiosk im Brauhausgarten um „gleich neben der Viehwaage“ schmunzelt die Namensgeberin des Bücherstadls, Marianne Specht, die sich schon seit Anfang der 60er Jahre bis in die 70er Jahre hinein, unterstützt von Helferinnen und Helfern, nicht nur um guten Lesestoff, sondern auch um das arbeitsintensive Drumherum unter dem Dach des St. Michaelsbundes kümmerte. Der Bestand wuchs ständig, zumal es damals sogar einen Grenzlandzuschuss von 50 Prozent für Bücherbeschaffungen gab, erzählt die Neubauer Gastwirtin.
Zusammen mit dem Dorfpfarrer suchte sie also einen geeigneten größeren Standort und sie kamen auf die Idee, in den Stodl der Pfarrei, der allerdings landwirtschaftlich genutzt wurde, umzuziehen. Monignore Winkler erhielt die Genehmigung, allerdings nur mit der Auflage, dass der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden müsse, wenn wieder einmal ein Pfarrer kommt, der eine Landwirtschaft betreiben will.
„Mit einem Kostenaufwand von rund 32 000 Mark - durchwegs aus Mitteln der Kirchenverwaltung - wie es in einem Bericht in der „Fränkischen Presse“ vom 21. Oktober 1968 heißt - war der Stodl nach einem grundlegenden Umbau zum schmucken (Bücher-)„Stadl“ geworden. „ Der Renner waren damals die Heimatromane von Hans Ernst, wovon die Leser gar nicht genug bekommen konnten“, erinnert sich Marianne Specht. Aber auch viele Sach- und vor allem Kinderbücher füllten die Regale – zudem die komplette Karl-May-Serie. Dem stimmt auch Annerose Daubner zu, die von der Neubauerin die Leitung übernahm und den Bücherstadl 42 Jahre lang führte, wofür sie auch mit der Goldenen Ehrennadel des St. Michaelsbundes ausgezeichnet wurde. „Neben Heimatromanen standen später auch vor Spannung knisternde Krimis auf der Wunschliste“, erzählt die ehemalige Leiterin, die auch heute noch im Bücherstadl aushilft, wenn Not an frau ist.
Marianne Specht, Annerose Daubner und ihre HelferInnen wurden auch regelmäßig geschult – in mehrtätigen Seminaren vom Michaelsbund in Regensburg, München und Würzburg – in Fachvorträgen, mit Neuvorstellungen und Autorenlesungen von Schriftstellern wie von Eugen Roth, Max Rössler und vielen anderen. „Von diesen prominenten Autoren hab´ ich heute noch persönlich unterzeichnete Bücher im Regal „ sagt die Neubauerin.
Seit 2013 leitet Selma Markhof – unterstützt von einem engagierten Team, und - ebenso wie ihre Vorgängerinnen mit viel Herzblut - die der Zeit angepasste, aufgrund vieler Aktivitäten ausgezeichnete Bücherei . Das gesamte Angebot ist digitalisiert und die Homepage www.buecherstadl-fichtelberg.de stets auf dem neuesten Stand.
Info:
Gefeiert wird am Sonntag, 14. Oktober, im Bücherstadl mit einem Tag der Offenen Tür nach dem 10-Uhr-Gottesdienst in der Pfarrkirche bis 17 Uhr und mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung, in der auch geblättert werden darf: Peter Machold aus Weißenstadt präsentiert Schätze aus seiner edlen Faksimile-Sammlung – alte Handschriften, Bibeln und vieles mehr. Im Pfarrheim ist der Kaffeetisch gedeckt. Hier liegt auch das Neueste auf dem Büchermarkt vom Herbst 2018 zur Ausleihe bereit.














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