20.02.2020 - 15:05 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Heiliger im Doppelpack

Geschichtsträchrige Figur mit Wurzeln in Fichtelberg. Historiker Frank Unterburger wandelt auf den Spuren des heiligen Nepomuk.

Frank Unterburger an der Säule in Hütten und den beiden Figuren
von Gisela KuhbandnerProfil

Man begegnet ihm vor allem auf und neben Brücken, manchmal auch an Wegen oder vor Kirchen und Kapellen: Johannes Nepomuk, Schutzpatron der Brücken, der vor Hochwasser und Tod durch Ertrinken bewahren soll und als Hüter des Beichtgeheimnisses verehrt wird. Deshalb legt er auf manchen Statuen den Finger auf den Mund. Nicht aber, auf jene, die in Fichtelberg gegossen wurden. „ Figuren, die vor den 1860-er Jahren entstanden sein müssen, weil später das Bergamt zerschlagen wurde, vermutet Frank Unterburger, der mit viel Herzblut in der Fichtelberger Heimatgeschichte forscht.

In einem Dokument aus den 50/60er Jahren, das der junge Neubauer in den Händen hielt, hatten Dr. Lorenz Bayerl, Josef Reichenberger und Gottlieb Scharf viele der damals in der Fichtelgebirgsgemeinde gegossenen Flurdenkmäler, die noch in der Region stehen, aufgelistet. Dazu gehört auch, wie Unterburger herausfand, die Nepomuk-Figur an der Brücke in Riglasreuth. Als diese Brücke nun vor einem Jahr für einen Neubau abgerissen wurde, sorgte sich Unterburger, der Verwandte und viele Kontakte in der Oberpfälzer Gemeinde hat, um diese geschichtsträchtige Figur und bat Bürgermeister Peter König, den „Nepomuk“ als Leihgabe mitnehmen zu dürfen. Diesem Ansinnen nahmen sich dann auch Heinrich Heinl und Dritter Bürgermeister Richard Stock an, die zudem bei ihren Recherchen entdeckten, dass dieser Brückenheilige noch einen „Zwilling“ hat - in Hütten, Gemeinde Warmensteinach. Über dessen Geschichte ist im Internet unter „Pfarrei-Oberwarmensteinach.de (zusammengestellt von Dritter Bürgermeisterin Hildegard Heser) nachzulesen: „Auf einer 235 cm hohen, verzierten Gusseisensäule steht eine 47 cm große vergoldete Gusseisenfigur. Der Hl. Johannes von Nepomuk hält schräg vor sich im linken Arm ein Kruzifix und ist bekleidet mit Birett, Schulterumhang, Chorhemd und Rock. Die Säule des Brückenheiligen stand ursprünglich in Oberwarmensteinach gegenüber der Kirche. Wegen Straßenumbauarbeiten wurde im Jahr 1970 durch die Fam. Traßl (ehemalige Besitzer der Brauerei Hütten) diese Nepomuksäule an die Brauerei in Hütten versetzt. Sie steht jetzt, wie früher, an einer Brücke der Steinach“.

Nepomuk ist der Schutzheilige nicht nur der Brücken, sondern aller, die mit Wasser zu tun haben. Sein Standort unmittelbar an der Brauerei könnte jedenfalls zu dem Gedanken verleiten, dass er hier für zweierlei Flüssiges zuständig ist“, schmunzelt Frank Unterburger, um gleich wieder ernste Töne anzuschlagen: Er möchte diese über 15 Kilogramm schwere Figur, die ja nach Ende der Brückensanierung wieder an ihren alten Standort nach Riglasreuth zurückgeht, vergoldet und eingeweiht wird, für das Archiv in Fichtelberg nachgießen lassen, was natürlich mit Geld verbunden ist. „Eine entsprechende Gießerei in Kronach habe ich schon gefunden und die Figur ist auch bereits zum Abguss dort“ sagt Unterburger und lässt seine Gedanken sogar noch weiter schweifen: Diesen Nachguss des Nepomuk könnte er sich als geschichtsträchtiges Ausstellungstück im sanierten Besucherbergwerk vorstellen.

Um 1608/09 entstand übrigens in Fichtelberg südlich des ersten Hochofens, der 1604 in Betrieb genommen wurde, eine zweite Herdstätte. Damals wuchs der Ort durch die lohnende Arbeit, die man hier fand, sehr schnell. Die Tatsache, dass sogar über Jahrzehnte erfahrene Bergmänner aus Tirol, Kärnten und aus dem Salzburger Land hierher kamen und blieben, belegen heute noch viele Familiennamen. Die Zuwanderung ist auch ein Beweis für das hohe Ansehen des damaligen Berg- und Hüttenamtes und die hochwertige Qualität des Eisenerzes am Gleißinger Fels. Dass diese Industrie damals nicht nur Kanonenkugeln und Granaten herstellte (wir berichteten), sondern auch Kunstgegenstände, belegen diese und weitere Figuren und Werke.

Die bekannteste Statue des Heiligen befindet sich auf der Prager Karlsbrücke, dort, wo der Legende nach König Wenzel den Priester in die Moldau stürzen ließ, weil dieser sich weigerte, das Beichtgeheimnis zu brechen: Der Heilige hatte dem König nicht preisgeben wollen, was dessen von Wenzel der Untreue verdächtigte Frau ihm anvertraut hatte.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.