Fichtelberg
16.09.2026 - 16:42 Uhr
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Der "Hertie von Fichtelberg" schließt für immer seine Pforten

Ein Besuch in diesem Laden ersparte oft die Fahrt in den nächsten Baumarkt. Doch nun ist das traditionelle Geschäft für Eisen- und Haushaltswaren Kastl in Fichtelberg Geschichte. Weitere Schließungen in der Nähe stehen bevor.

Das Geschäft für Eisen- und Haushaltswaren Kastl im Fichtelberger Ortsteil Neubau hat seit Ende August geschlossen. Damit geht nicht nur eine Einkaufsquelle verloren, sondern auch ein Stück Tradition und Identität in Fichtelberg. Bild: wkr
Das Geschäft für Eisen- und Haushaltswaren Kastl im Fichtelberger Ortsteil Neubau hat seit Ende August geschlossen. Damit geht nicht nur eine Einkaufsquelle verloren, sondern auch ein Stück Tradition und Identität in Fichtelberg.

Das Sterben von alteingesessenen Geschäften geht in Fichtelberg – wie auch anderswo – immer weiter. Nach 78 Jahren schloss das Eisenwaren- und Haushaltswarengeschäft Kastl in Fichtelberg-Neubau Ende August still und leise zum letzten Mal die Ladentür zu.

Im Jahre 1948 gründete Karl Kastl einen Kohlen- und Bauwarenhandel. In den ersten Jahren gehörte auch noch eine Tankstelle zum Geschäft. Im Bauboom der Nachkriegszeit wurde der Handel mit Baustoffen immer wichtiger. Wer in Fichtelberg und Umgebung Material für den Hausbau brauchte, wurde bei der Firma Kastl fündig. Gleichzeitig vergrößerte sich auch das Angebot von Eisen- und Haushaltswaren im Ladengeschäft, das sich zu einem zweiten Standbein entwickelte.

Alles für Haus und Garten

1980 übernahm Arno Kastl das Geschäft von seinem Vater. Der Baustoffhandel wurde nach und nach aufgeben. Dafür spezialisierte man sich auf Motorgeräte wie Rasenmäher und Motorsägen, für die es auch einen angeschlossenen Kundendienst- und Reparaturservice gab. Das nötige Zubehör sowie Ersatzteile für die Motorgeräte waren immer vorrätig. Arbeitsgeräte für den Garten und fürs Holzmachen konnten die Kunden gleich mit kaufen. Egal, ob eine Axt oder eine Handsäge, eine Schaufel oder ein Rechen gebraucht wurde, bei Eisenwaren Kastl wurde man fündig. War einmal der Axt- oder Schaufelstiel gebrochen, das Sägeblatt stumpf, im Laden war alles zur Reparatur vorrätig.

Ebenso gab es für den Zier- oder Nutzgarten die passende Pflanzerde, Rasensamen oder Rasendünger. Wer im Sommer grillen wollte, bekam entweder Grillkohle oder Gas für den Gasgrill. Im Winter wurden Streusalz und Vogelfutter ins Sortiment aufgenommen. Das Ladengeschäft mit Eisen- und Haushaltswaren wurde von Arno Kastls Ehefrau Beate geführt. Hier gab es neben Haushaltswaren wie Kochgeschirr, Thermoskannen, Kochtöpfen auch alles für den Heimwerker. Wer Schrauben, Dübel oder Nägel egal in welcher Größe benötigte, musste nur nach Neubau fahren. Eine große Auswahl gab es auch an Farben und Lacken zum Streichen von Wänden, Brettern oder Blechdächern.

Inhaber 66 und 76 Jahre alt

Wer nach einen bestimmten Artikel suchte, verließ selten mit leeren Händen das Geschäft. Deshalb war der Laden bei den Einheimischen auch bald der "Hertie von Fichtelberg", wie es in Anlehnung an die frühere Warenhauskette hieß. Als in der Nachbarschaft das Lebensmittelgeschäft Neppl schloss, übernahm Beate Kastl zusätzlich den Verkauf von Tageszeitungen und Zeitschriften.

Weitere Schließungen

Angesprochen darauf, wie viele Artikel sie in ihrem Laden habe, schüttelt Mitinhaberin Beate Kastl nur den Kopf: "Das kann ich nicht sagen." Sie wurde im diesem Jahr 66 Jahre alt und ihr Mann 76 Jahre. "Nachdem wir beide schon Rente haben, musste irgendwann einmal Schluss sein", erklärt sie. Ob es einen Räumungsverkauf gebe, könne sie nicht sagen. "Das haben wir noch nicht entschieden."

Doch in der Fichtelberger Geschäftswelt stehen die nächsten Geschäftsaufgaben schon vor der Tür. Am 19. September schließt die Apotheke in der Bayreuther Straße, nachdem die Inhaber keinen Nachfolger für eine Übernahme finden konnten. Den Reigen beschließt zum Jahresende das Bekleidungsgeschäft "Zaus Moden" in der Bayreuther Straße, ebenfalls altersbedingt.

Auch in Mehlmeisel gibt es einen Verlust in der Geschäftswelt zu vermelden. Ende Oktober schließt dort die Metzgerei Siller. Dann gibt es in den vier Ochsenkopf-Gemeinden Bischofsgrün, Fichtelberg, Mehlmeisel und Warmensteinach nur noch die Metzgerei Kellner in Mehlmeisel als eigenständigen Betrieb.

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