12.06.2020 - 10:14 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Kleine Kunstwerke ganz groß

In den Mauern der Ausstellungsgebäude des Fichtelberger Automobilmuseums in der Bayreuther Straße befindet sich seit kurzem ein weiterer Schatz.

Neue Ausstellung im Automobilmuseum Fichtelberg. Formen für die Knopfherstellung
von Gisela KuhbandnerProfil

Damit verbunden ist ein spannendes Stück Historie Fichtelbergs: die Erfolgsgeschichte der Firma Korb, "Wurzeln" des jetzigen Unternehmens Monte Pelle. Damals wie heute muss ein Knopf praktisch oder einfach nur schön sein. Knöpfe und Schnallen sind immer nicht nur ein Verschluss, sondern meist auch wichtiger Bestandteil und dekorativer Schmuck der Kleidung. Oft macht ein passender Knopf oder eine Schnalle Rock oder Bluse erst perfekt.

Markt verändert sich

"Dennoch sind die Zeiten anders geworden, Reißverschlüsse und Druckknöpfe, billiges Material kamen vermehrt auf den Markt, die ihn entsprechend veränderten", sagt Perry Eckert, der mit seiner Familie das Fahrzeugmuseum und obiges Unternehmen führt und durch die Ausstellung begleitet.

Eine Fülle an kleinen Kunstwerken, alte aussagekräftige Fotografien und schwarz-weißen Bildern liebevoll mit bunten Steinen, Perlen und Kordeln gefertigte Knöpfe, Verschlüsse und Gürtel aus Leder, kreativ dekoriert, von Eckerts Großvater Walter Korb gebaute Fertigungsmaschinen, Kataloge weltbekannter Versender wie Madeleine, Otto, Elegance und vielen mehr, an die damals schon geliefert wurde, nehmen den Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zurück in die Gegenwart.

Neue Ausstellung im Automobilmuseum Fichtelberg. Und noch ein Ausstellungsstück: Stolz präsentiert Perry Eckert einen Schuh, den sein Urgroßvater Josef Eckert selbst gemacht hat.

Es ist eine Zeit, an die sich viele Leute aus Fichtelberg und dem weiteren Umland bis nach Waldershof noch erinnern. Beschäftigte die Firma Korb doch in den 1980er Jahren allein in Fichtelberg 83 Mitarbeiter und 175 Heimarbeiter, die sich ein Zubrot verdienten und auf die die Firma vertrauen konnten: "Wenn eine Bestellung mit hohen Stückzahlen oftmals sehr eilte, waren unsere Heimarbeiter auch bereit, am Wochenende zu arbeiten, um den Auftrag termingemäß zu erfüllen", erinnert sich Perry Eckert noch.

Da half manches Mal die gesamte Familie mit viel handwerklichem Geschick zusammen, Knöpfe zu wickeln, Perlen und Steine in Verschlüsse zu kleben, Gürtel zu nähen und Metallteile zu nieten. Viele werden sich auch noch erinnern, wie der "Bass Seff" aus Mehlmeisel mit dem Kleinbus die Arbeiter abholte und heimbrachte und die Heimarbeit ausfuhr.

Individuelle Wünsche

"Unser mehrstufiges Werk umfasste alle Fertigungsschritte bis hin zum Endprodukt. Wir bekamen lediglich das Rohmaterial geliefert. Im Anschluss wurde beispielsweise so das Leder gefärbt, geprägt und weiterverarbeitet. Auch wurden sämtliche Formen für Schließen und Knöpfe im eigenen Werkzeugbau gefertigt und in einer eigenen Gießerei und Galvanik endveredelt.

So war es möglich, auf jeden speziellen Kundenwunsch bezüglich Farbe und Dekor individuell eingehen zu können", blickt Perry Eckert zurück und blättert mit Stolz noch ein wenig in der sich immer weiter entwickelten bemerkenswerten Geschichte, in die sich Sohn Constantin in die vierte Generation des Familienunternehmens einreiht.

Neue Ausstellung im Automobilmuseum Fichtelberg. Kleine bunte, kreative Kunstwerke gingen schon damals an Weltfirmen.
Info:

Unternehmens-Geschichte

Begonnen hat alles 1952, als Eckerts Großvater Walter Korb, Fabrikant für Knopfherstellungsmaschinen, mit Frau und Tochter aus seiner Heimatstadt Schmölln/Thüringen vor der Roten Armee fliehen musste. Weil er aus früheren Motorradrennen den „Bartl Stoffel“ aus Fichtelberg kannte, beschloss er hier 1953 eine Neugründung am ehemaligen Bahnhofsgelände. Durch Korbs Schwiegersohn Erwin Eckert, gelernter Bildhauer und Kaufmann, und dessen Frau Brigitte gewann die Firma schnell an Bedeutung in der einschlägigen Industrie. Bereits 1956 wurde im Nagler Weg erweitert. Die Eheleute Eckert bauten in den 1970er und 1980er Jahren das Unternehmen als „Korb Design“ zu einem der größten deutschen Knopf- und Schließenherstellern aus. Ein weiterer Betrieb entstand in Waldershof, der später an die Meco GmbH verkauft wurde und heute Teil der Scherdel Gruppe ist.

Die Firma erfuhr Höhen und Tiefen und entwickelte sich trotz immensem Konkurrenzdruck aus Asien, steigenden Produktionskosten, Verlust wichtigster Kunden durch deren Insolvenz immer weiter. Mitte der 1980er Jahre wurde zusätzlich die Firma Monte Pelle GmbH mit Perry Eckerts Ehefrau Gabriele als Geschäftsführerin gegründet. Hier werden hauptsächlich hochwertige Lederprodukte vertrieben, die aufgrund langjähriger Geschäftsbeziehungen vor allem in der Türkei, Indien und in Pakistan produziert werden, wobei die Hersteller, Hand in Hand mit dem Unternehmen in Fichtelberg zusammenarbeiten.

Anfang der 1990er Jahre eröffnete Monte Pelle neben dem Fahrzeugmuseum in der Bayreuther Straße seinen eigenen Werksverkauf an Lederwaren und Trachten, abgerundet mit Jacken, Gürteln, Motorradbekleidung und Geschenkartikeln.

Das Fahrzeugmuseum gehört zu den "spannendsten Automuseen".

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