23.10.2019 - 10:56 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Konzepte gegen den Leerstand

Leere Schaufensterreihen, ausgeräumte Verkaufsräume und viel Tristesse. Seit mehr als 20 Jahren steht das ehemalige Möbelhaus Kaufmann in Fichtelberg leer.

Stellvertretender Bürgermeister Karl-Heinz Glaser (links) und Verwaltungsleiter Thomas Förster vor dem früheren Möbelhaus Kaufmann.
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Das mächtige Möbelhaus ist für den stellvertretenden Bürgermeister Karl-Heinz Glaser ein geschichtsträchtiges Gebäude. 1923 erbaut, dominiert es mit 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche den Marienplatz. 52 Beschäftigte arbeiteten hier einmal in der Möbelproduktion und im Verkauf. Die Kunden kamen aus Berlin oder Frankfurt, verkauft wurde sogar in die Schweiz. Die Garnituren mit dem Überzug aus Wasserbüffel-Leder hatten einen legendären Ruf - Made in Fichtelberg halt. Doch nach der Grenzöffnung blieben die Berliner Käufer fern, die im Fichtelgebirge ihren Urlaub verbrachten. Und die Billigkonkurrenz aus dem Osten drückte auf den deutschen Markt, 1997/98 war Schluss mit Möbel-Kaufmann.

Nun versucht die Gemeinde, das beste aus dem Gebäude zu machen, das offenbar über eine gute Bausubstanz verfügt. "Der innerörtliche Leerstand soll belebt werden", formuliert Glaser. Seiner Schätzung nach stehen mindestens 20 bis 30 Geschäfte und Häuser in der Gemeinde leer. Junge Start-up-Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen könnten sich hier ansiedeln, es gäbe genug günstigen Wohnraum. Denkbar sei eine Zusammenarbeit mit der Uni Bayreuth sowie kostenlose Arbeitsräume für junge Existenzgründer. Der Geschäftsleiter im Rathaus, Thomas Förster, erwähnt das bayerische Förderprogramm "Innen statt außen", das die innerörtliche Entwicklung mit bis zu 90 Prozent Zuschuss unterstützt. Das wäre was für Fichtelberg, sagt Förster. "Wir müssen schauen, was möglich ist", fügt Glaser hinzu. Und dazu soll am 25. Oktober im ehemaligen Möbelhaus Kaufmann ein Workshop stattfinden. Vorstellbar ist, junge Leute aus den teuren Städten ins preiswerte Fichtelberg zu locken, um hier zu wohnen oder ihre kleinen, innovativen Firmen zu verlagern. "Wir wollen Fichtelberg weiterbringen", lautet die Überzeugung. Als Stabilisierungsgemeinde muss Fichtelberg sparsam wirtschaften. Der Haushalt 2019 konnte geräuschlos aufgestellt werden - das macht Mut, auf dem richtigen Weg zu sein. Ein großer Schritt nach vorne wäre ein neuer Wellness-Bereich auf dem Gelände der früheren Therme, eventuell sogar ein Hotelbau eines privaten Investors. Das würde neue Arbeitsplätze bringen, junge Familien kämen, der Fremdenverkehr würde profitieren, schwärmt Glaser. Doch ein Investor ist nicht in Sicht. Beim Workshop soll es um Strategien zur Überwindung des Stillstands gehen. Auch Ideen für Strukturmaßnahmen, wie etwa zeitweises Wohnen oder alternative Wohnformen sollen diskutiert werden.

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Der öffentliche Workshop am Freitag, 25. Oktober, beginnt um 14 Uhr im ehemaligen Möbelhaus Kaufmann, Fichtelberg, Marienplatz 1. Nach Vorträgen werden ab 15.30 Uhr Arbeitsgruppen gebildet, die ihre Ergebnisse ab 17.30 Uhr vorstellen.

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