Der weltweit aktive NSU-RO 80-Club machte Station im Fichtelgebirge. Rund 20 der außergewöhnlichen Fahrzeuge waren zum Start der Oldtimer-Saison beim Deutschen Fahrzeugmuseum angekündigt. Die Liebhaberstücke luden zu einer faszinierenden Zeitreise durch die Innovationsgeschichte des Automobilbaus ein. „Es ist Technikgeschichte zum Anfassen“, betonte Museumsgründer Perry Eckert.
Für Wilfried Dinkel aus Münchberg, Organisator des Treffens des NSU-RO 80-Clubs, ist der Wagen weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: „Diese Klassiker waren ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht mindestens 20 Jahre voraus.“ Sein eigener RO 80 ist mittlerweile 55 Jahre alt. Seit 15 Jahren fährt er ihn selbst. Er „hatte, abgesehen von kleineren Reparaturen, bislang keine Probleme“, sagt er nicht ohne Stolz.
Bei seiner Markteinführung im Jahr 1967 setzte der RO 80 Maßstäbe. Rund 37.000 Fahrzeuge wurden gebaut. Vor allem das moderne Design und die revolutionäre Technik machten ihn zu einem Meilenstein der Automobilgeschichte. Im Mittelpunkt stand dabei ein außergewöhnliches Antriebskonzept: der Wankelmotor, entwickelt vom deutschen Ingenieur Felix Wankel, der über Jahrzehnte an dieser Idee forschte. Anders als herkömmliche Motoren arbeitet er nicht mit auf- und abgehenden Kolben, sondern mit einer rotierenden Bewegung.
Eckert zieht Parallelen zur Gegenwart: „Das war damals ähnlich wie heute bei den E-Autos – hohe Kosten und Zurückhaltung bei den Käufern haben die Entwicklung gebremst.“ Tatsächlich blieb dem RO 80 trotz seiner fortschrittlichen Technik der große Durchbruch verwehrt. Nach der Übernahme der NSU-Motorenwerke durch den Volkswagen-Konzern im Jahr 1969 wurde die Weiterentwicklung eingestellt – nicht zuletzt wegen des vergleichsweise hohen Kraftstoffverbrauchs und technischer Verschleißprobleme.
Dennoch ist die Faszination bis heute ungebrochen. „Es ist ein besonderes Lebensgefühl, mit diesem Oldtimer unterwegs zu sein – einfach, kompakt, mit ruhigem Lauf und vergleichsweise geringem Gewicht“, schwärmt Eckert. Seine Philosophie: „Je verrückter die Welt wird, desto mehr sehnen sich die Menschen nach Entschleunigung.“ Der RO 80 steht damit für viele Liebhaber in ganz Europa als Unikat und Symbol für den Mut, neue Wege zu gehen.
Auch das Ziel der Ausfahrt war bewusst gewählt: Im Museum präsentierte Eckert, selbst bekennender Wankel-Fan, den Clubmitgliedern nicht nur einen RO 80 aus dem Jahr 1967. Neben über 1000 Fahrzeugen sind dort unter anderem Zweiräder wie die Herkules W 2000 und sogar ein Rasenmäher mit Wankelmotor zu sehen. Das Fazit von Wilfried Dinkel ist eindeutig: „Ein absolutes Muss für Technik- und Oldtimerfreunde.“ Das Deutsche Fahrzeugmuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, in den Ferien täglich.




















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