03.06.2019 - 12:27 Uhr
Fichtenhof bei AmmerthalOberpfalz

10.000 Euro für Verkehrserziehung

Voraus ein Polizist, hinterdrein Kinder mit Warnwesten: Das Fahrradtraining gehört zur Schulbildung wie das Lesen- und Schreibenlernen. Ohne Verkehrswacht gäbe es diese Präventionsarbeit kaum.

Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft und unfallfreies Fahren. Unser Bild zeigt (von links) Josef Schaller, Anton Reindl, Volker Wolf, Uwe Brunner, Herbert Sertl und Gernot Schötz.
von Autor GFRProfil
Maximilian Köckritz ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz.

Mehr als 2200 Stunden haben unsere Moderatoren aufgewendet, um für Kindern, Erwachsene und Senioren die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, so Gernot Schötz, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Amberg Stadt und Land, bei der Mitgliederversammlung im Landgasthof Erras in Fichtenhof.

Zur Arbeit der Kreisverkehrswacht meinte Schötz, daß beim Kinder-Gesundheitstag gezielt übre Fahrradhelme und Kindersitze informiert worden sei. Gut 1300 Teilnehmer seien dabei gezählt worden. 14 Veranstaltungen habe die Verkehrswacht an Schulen in Amberg und im Landkreis angeboten und 418 Eltern hätten teilgenommen. Die Verkehrserzieher der Polizei, die Hauptkommissare Harald Heselmann und Horst Strehl hätten zu Schulbeginn die Elteren von Erstklässlern auf die besonderen Gefahren des Schulwegs hingewiesen und 17 Grundschulklassen mit 1385 Schülern hätten sich am Schulbustraining beteiligt. 38 Klassen mit 707 Schülerinnen und Schüler der 4. Jahrgangsstufe absolvierten der Fahrrad-Prüfung, alle 6. Klassen beteiligten sich an den Radfahrturnieren, so Schötz. Über 1200 Euro habe die Verkehrswacht für Ausrüstung und Betreuung der 75 Schülerlotsen, 71 Schulbuslotsen und des Schulbusbegleiters ausgegeben. Auch letztes Jahr habe Andreas Bahle mit 700 Kindern aus 30 Schulklassen den „Toten Winkel“ geübt. Zum Thema „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ referierte die Verkehrswacht an weiterführenden Schulen vor insgesamt 872 jungen Erwachsenen. Die Altersgruppe der 16 bis 24-jährigen stelle nur 10% der Bevölkerung, sei aber mit über 25% an Verkehrsunfällen beteiligt. Bei „Könner durch Er-fahrung“ konnten sich 162 Teilnehmer über richtiges Bremsen, richtige Sitzposition und generell die bessere Beherrschung ihre Fahrzeugs schulen lassen und ein wenig stolz ist Schötz dabei schon, wenn er darauf hinweist, daß die Amberger Verkehrswacht eine der wenigen bayerischen Verkehrswachten ist, die überhaupt ein Sicherheitstraining nach den Richtlinien des Deutschen Verkehrssicherheitsrates anbieten und durchführen darf. Speziell für Senioren moderiert Andreas Bahle über richtiges Verhalten im Straßenverkehr. Schötz wies auch auf die Plakattafeln an Ausfallstraßen hin, auch habe sich die Verkehrswacht am Kinder- und Jugendfest, an Fit und aktiv – 50 Plus“, am Gesundheitstag im Landratsamt beteiligt, außerdem die Sitzungen des Verkehrsausschusses der Stadt Amberg wahrgenommen.

Von gesicherten Finanzen der Kreisverkehrswacht berichtete Schatzmeisterin Petra Schmalzbauer, denn bei einem Haushalt von mehr als 60000 Euro sei ein Überschuß von 8700 Euro erwirtschaftet worden. Ein großer Posten bei den Ausgaben seien Aufwendungen in Höhe von gut 10000 Euro für die Verkehrserziehung der Kinder und Jugendlichen in Kindergärten und Schulen.

Ehrungen: 20 Jahre Mitgliedschaft: Elisabeth Bösl, Uwe Brunner, Anton Reindl, Josef Schaller; 30 Jahre: Alfons Eichhammer, Josef Haller, Johannes Mischke; 40 Jahre: Georg Scheffmann, Volker Wolf. Mit dem Goldenen Lorbeerblatt der Deutschen Verkehrswacht wurde Herbert Sertl für 50 Jahre verkehrssicheres Fahren geehrt.

Oberbürgermeister Michael Cerny unterstrich die Bedeutung der Arbeit der Verkehrswachten, denn schon frühzeitig würden Kinder mit den Gefahren des Straßenverkehrs vertraut gemacht. Wir müssen unsere Kinder nicht unbedingt in Watte packen, so Cerny, sondern ihre Kompetenzen stärken und sie an den Verkehr heranführen. In den letzten Jahren sei das offensichtlich gelungen, denn Schulwegunfälle seien mehr als selten. Wenn nun immer mehr e-Roller und e-Bikes unterwegs seien, befürchte er, daß es da zwangsläufig zu Verkehrsunfällen kommen werde. Die Verkehrsüberwachung durch den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz sei notwendig, so Michale Cerny, damit werde die allgemeine Sicherheit im Straßenverkehr erhöht, nicht die Haushaltslöcher der Kommunen gestopft. Wir müssen unsere Mobilität möglichst bis ins hohe Altern aufrecht erhalten, dafür sicher auch den ÖPVV ausbauen und wie das mit den E-Rollern anlaufe, da sei er gespannt.

Info:

Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit

Die Verkehrsüberwachung sei dringend notwendig, so Maximilian Köckritz, der Geschäftsführer des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz, denn falsches Parken sei eine immer noch unterschätzte Gefahr, etwa wenn Rettungskräfte auf dem Weg zum Einsatz wertvolle zeit verlieren, weil es „kein Durchkommen“ gebe. Gedankenloses Wildparken an Kreuzungen oder in engen Gassen könne durchaus Menschenleben kosten, so Köckritz. Unangepaßte oder erhöhte Geschwindigkeit sei nach wie vor Hauptursache, wenn Verkehrsteilnehmer ums Leben kommen. War im Jahr 2017 in Bayern die Geschwindigkeit noch ursächlich für 226 Verkehrstote, hätte sich diese Zahl im Jahr 2018 auf 191 reduziert, während bei der Vorfahrtsverletzung als Ursache die Verkehrstoten sich von 70 auf 82 erhöht hätten, beim Alkohol als Ursache seien die Zahlen um 60 tote Verkehrsteilnehmer nahezu gleich geblieben. „Schnell ist der Tod“, so die Schlagzeile, denn bei einem Zusammenprall eines Fußgängers mit einem Pkw bei einer Geschwindigkeit von 65 Km/h würden acht von zehn Fußgängern die Kollision nicht überleben, läge das Pkw-Tempo bei 50 km/h, hätten acht von zehn Fußgängern durchaus Chancen den Unfall zu überleben.“ Wir bremsen Raser aus“, so Köckritz und belegt das mit Zahlen. Seit Start unserer Überwachung im Jahr 2015 konnten wir die Geschwindigkeitsverstöße im Verbandsgebiet deutlich reduzieren, wurden anfangs stündlich noch 23 Geschwindigkeitsverstöße gemessen, sind es heute knapp 15.

Im Stadtbereich Amberg hätten sich die Zahlen von knapp 22 auf unter 15 veringert. Vorrangig erfolge Geschwindigkeitsüberwachung nahe Schulen oder an Straßen, an denen ein Tempolimit angeordnet sei. Durch gezielte und verstärkte Tempokontrollen seien vielfach Gefahrenpunkte entschärft worden, daß sogar die Meßstellen reduziert werden konnten. Zum Zweckverband selbst meinte Maximilian Köckritz, daß 2014 elf Kommunen den Zweckverband gegründet hätten, bis heute seien über 75 Städte oder Gemeinden aus der Oberpfalz und den angrenzenden Landkreisen beigetreten. Aktuell habe der Zweckverband, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts über 60 Mitarbeiter, davon 28 im Außendienst. Ausdrücklich wies Köckritz darauf hin, daß der Zweckverband keinen Gewinn erziele, nur über seine Gebühren finanziert werde, die Verwarn- und Bußgelder stehen den Kommunen zu. Der Zweckverband sanktioniere nicht nur sondern belohne mit besonderen Aktionen, etwa mit Rosen am Valentinstag oder Nikoläusen an Nikolaus. Derzeit widme sich der Zweckverband verstärkt dem „Eltern-Taxi“, denn das Szenario vor vielen Schulen sei untragbar. Zugeparkte Gehwege, Mißachtung des Halteverbots und unzählige gewagte Wendemanöver machen für viele Kinder den Schulweg zum gefährlichen Hindernislauf. So weise der Zweckverband auf „Elternhaltestellen“ mit gewissem Abstand zur Schule hin, den restlichen Weg zur Schule könnten die Kinder alleine bewältigen, außerdem schade das denen nicht. Der ZV-Geschäftsführer wies auch auf das seit zwei Monaten bestehende Angebot hin, ein E-Auto für vier Euro die Stunde oder 20 Euro für den ganzen Tag anzumieten. Mit 66 Buchungen im April seien mit beiden Fahrzeugen schon etwa 8200 Kilometer gefahren worden.

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