Kirwa in Filchendorf: Gaudi ohne Ende

Die Freunde des Kirwabrauchtums kamen am vergangenen Wochenende in Filchendorf voll auf ihre Kosten. Fünf Tage lang feierten die Filchendorfer mit vielen Besuchern aus der näheren Umgebung die traditionelle Kirwa.

Zum Kirwaumzug am Sonntag präsentierten sich die Kirwaboum und –madla in ihrer Kirwatracht. In musikalischer Begleitung durch die „Hammerschloss-Musi“ marschierten sie durchs Dorf und verteilten selbst gebackene „Küchla“.
von Autor OWProfil

Begonnen hatte das „Großereignis des Jahres“ mit dem traditionellen Krenfleischessen im Feuerwehrhaus. Hier sorgten auch schon bald die „Weinwallfahrer“ für Kirwastimmung. Tags darauf traf sich das meist jugendliche Publikum zur „Vollgoaß Party“ in der Adam-Porsch-Halle. DJ James heizte mit seinen Hits ein. Am Samstagnachmittag waren die „Stärksten des Dorfes“ gefordert. Es galt, den Kirwabaum vor der Festhalle mit reiner Muskelkraft aufzustellen. Doch zuvor kam es zu einer Amtsübergabe. Josef Plößner, der seit 30 Jahren das Kommando beim Kirwabaumaufstellen hatte, wurde von Wolfgang Plößner (Kirwareservist) in den Ruhestand verabschiedet. Als seinen Nachfolger ernannte er Eduard Dollhopf. Dieser wurde vom Plößner Sepp in den vergangenen Jahren bereits zur "Kirwabaum-Fachkraft" ausgebildet. Und der Neue erledigte seine Aufgabe mit Bravour. Unter seinem Kommando und mit viel Hau-Ruck hievten die Stärksten des Dorfes den schweren Baum in die Höhe.

Am Abend sorgten die „Stoapfälzer Spitzbuam“ für Unterhaltung. Beim Kirwaumzug am Sonntag zogen die Kirwaboum und -madla in ihrer Kirwatracht und mit musikalischer Begleitung der „Hammerschloss-Musi“ durch das Dorf. Danach trafen sich alle in der Adam-Porsch-Halle, wo die Aufführung der traditionellen „Lach- und Sachgeschichten aus dem Dorfleben“, anstand.

Dieses Jahr wurde das Geschehen im Dorf vom "Engelchor des Engelbezirkes Filchendorf" geschildert. Er schwebte auf einer Wolke über dem Dorf und probte seine Lieder. Dabei wurden die Ereignisse des vergangenen Jahres beschrieben. Über das Geschehen wachte Petrus (Andreas Mayer) und gab dazu noch seine witzigen Kommentare ab. „Oh Gott, halt, fahr nicht weiter“, war da laut von ihm zu hören. Doch die Warnung half nicht, denn schon krachte es und der ortsansässige Baggerunternehmer Michl hatte mit seinem Tieflader einen Stodl gerammt. Richtig Mitleid hatte die gesamte Engelschar mit dem Michl. War er doch immer einsatzbereit, wenn im Dorf Not am Bagger war. So half er sofort mit, als am Sonntag die Wasserleitung in der Schloßgasse repariert werden musste.

Mit der Wasserversorgung hatten die Filchendorfer im vergangenen Jahr so ihre Probleme. „Jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt kommt kein Wasser mehr. Bis gestern konnten wir duschen, jetzt ist die Leitung leer“, beschrieben die Engel mit ihrem Gesangsstück ein Problem mit dem lebenswichtigen Nass. Die Engel machten sich auch Gedanken, ob es nächstes Jahr einen Gegenkandidaten zum amtierenden Bürgermeister geben wird. Wenn da einer antreten will, sollte er schon langsam mit dem Wahlkampf anfangen. „Rund läuft es momentan in Neustadt nicht“, stellte Engel Anna-Lena fest. Die Bauprojekte, wie die Marktplatzsanierung oder das neue Kulmhaus verglich sie mit dem Berliner Flughafen. Anerkennend bemerkte sie, dass beim neuen Baugebiet Kulmblick die Häuser nur so wie die Schwammerl aus dem Boden sprießen.

Kritik gab es für das Neustädter Abstimmungsergebnis beim Bienenvolksbegehren. Mit über 20 Prozent lag die Kulmstadt damals bei den Spitzenreitern im Landkreis. Die Bauern sollen zehn Prozent ihrer Fläche brach liegen lassen und die Hausbesitzer bevorzugen einen englischen Rasen und einen Steingarten, weil ein Blumenbeet zu viel Arbeit macht. „Man macht es sich schon arg leicht, wenn man das Problem auf nur eine Berufsgruppe abwälzt und selber nichts dazu beiträgt“, bemerkte Engel Anna-Lena. Gedanken machte sie sich auch über die Energieproblematik. „Ein Atomkraftwerk will keiner mehr, aber wenn ein Windrad aufgestellt wird, gründet sich gleich eine Interessengemeinschaft, kritisierte der Engel.

Lobende Worte hatten die Akteure für die Aktivitäten im Sommer rund ums Feuerwehrhaus und ums Haisl. Das Kinderferienprogramm der Feuerwehr war ein Hit. Die öffentliche Probe des Männergesangsvereins und der italienische Abend mit selbst gemachten Pizzen vor dem Haisl waren gefragte Veranstaltungen, die wiederholt werden sollten. Der Auftritt der Kirwa-Theatergruppe wurde mit einem lang anhaltenden Applaus belohnt. Als Sieger bei der diesjährigen Kirwabaumversteigerung ging der Hausherr Andreas Hirschke hervor. Er versprach, die Anlieferung des Baumes mit einer zünftigen Brotzeit zu vergüten.

Der erste Höhepunkt der Kirwa war das Aufstellen des Kirwabaums. Mit Hilfe vieler Freiwilliger und nur mit Muskelkraft wurde der schwere Baum empor gewuchtet.
30 Jahre lang war der Plößner Sepp (rechts) für das Kommando beim Kirwabaumaufstellen zuständig. Der Kirwareservist Wolfgang Plößner (Mitte) bedankte sich bei seinem Vater für dieses Engagement. Als den neuen Verantwortlichen ernannte er Eduard Dollhopf (links).
Die Aktivitäten im Dorf wurden heuer beim Kirwastückl von einer Wolke aus beschrieben. Unter Aufsicht von Petrus (Andreas Mayer, links) probte der Engelchor seine Stücke mit Texten über das Dorfgeschehen.
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