26.03.2019 - 10:39 Uhr
FlossOberpfalz

Bruno, der Jack-Reise-Terrier

Gestatten, Bruno, Jack-Russell-Terrier. Obwohl: Besser wäre ja Jack-Reise-Terrier. Ich bin in den elf Jahren, die ich bei meinen Menschen bin, schon viel herumgekommen: von der Nordsee bis in die Dolomiten, von der Elbe bis an den Rhein.

So ein Jack-Russell-Terrier fühlt sich ja manchmal größer als er ist. Aber finden Sie nicht auch, dass ich als Napoleon auf der Festung Königstein eine gute Figur mache?
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Es heißt ja seltsamerweise immer, dass Hunde sich nichts merken könnten. Das ist zwar ein Schmarrn, aber trotzdem habe ich Tagebuch geführt. Dabei halfen mir mein Frauchen Christine und mein Herrchen, NT-Redakteur Thorsten Schreiber. Er hat auch die folgenden Auszüge in die Menschensprache übersetzt.

Möwen und Strandläufer

Mein erster Urlaub an der Nordsee. Am Strand von St. Peter-Ording zu sausen, macht riesig Spaß. Leider sind die Möwen und Strandläufer aber ein bisschen zu schnell.

Meine allererste Reise führte mich am 2. Februar 2008 von meinem Geburtsort am Barbaraberg bei Speinshart nach Floß. Das war für mich zehn Wochen altes Fellknäuel vielleicht eine Zitterpartie! Autofahren war nie so mein Ding, doch im Mai 2009 hat sich das geändert. Da ging es nämlich an die Nordsee. Wieder zittern. Aber dann die Belohnung: So viel herrlich sprudelndes Wasser auf einmal. Das Beste am Strand bei St. Peter-Ording waren die Möwen und Strandläufer. Denen hinterherzujagen, war ein Riesen-Spaß. Erwischt habe ich die Vögel nicht. Sie waren einfach schneller als ich.

Bei einer Grachtenrundfahrt in Friedrichstadt hatte ich ein ganz anderes Erlebnis. Statt selber zu schwimmen stiegen wir dort nämlich in so ein komisches Boot. Die Passagiere machten am Ende der Fahrt tumultartige Geräusche, die Menschen nennen es Applaus. Da habe ich natürlich mitgemacht. Jaulen statt klatschen. Das war lustig, jedenfalls haben alle gelacht. Fußballspielen habe ich damals übrigens auch gelernt. Und zwar von Dotty, einer Kromfohrländer-Hündin, die in unserer Unterkunft wohnte. Ihr Plastikball gefiel mir so gut, dass Christine und Thorsten mir gleich einen kauften.

Zwei Jahre später, im Juli 2011, war das Elbsandsteingebirge unser Ziel. Auf der Festung Königstein habe ich bewiesen, dass sich ein Jack-Russell-Terrier manchmal größer fühlt, als er ist. Der Versuchung, kurz in die Rolle von Napoleon zu schlüpfen, konnte ich einfach nicht widerstehen. Ein hehres Gefühl.

Die bisher letzte Reise führte im April 2018 nach Südtirol. Auf den Rosengarten (hinten) sind wir allerdings nicht geklettert...

Von Asiatinnen umzingelt

In Sachsen hatte es damals viel geregnet. Dafür war es im Juli 2013 im Salzkammergut umso heißer. Zu heiß zum Wandern. Deswegen war dort hauptsächlich Baden im erfrischend kühlen Wolfgangsee angesagt. Lustig war, als Thorsten mit seiner in St. Wolfgang gekauften Lederhose auf einmal der Star in St. Gilgen war. Wir beide waren plötzlich von Asiatinnen umzingelt, die den „Eingeborenen“ unbedingt fotografieren wollten. Dabei wollten sie das natürlich nur wegen mir, ist doch klar!

Ist sie nicht herrlich, die Aussicht auf den Wolfgangsee? Ich genieße sie lieber noch ein bisschen und lasse meinem Herrchen etwas Vorsprung, bevor ich ihm hinterherschwimme.

Große Hundehütte

Ins Salzburger Land ging es erneut im Juni 2015, diesmal nach Abtenau. Dort hatten sie für mich extra eine große Hundehütte aufgebaut, in der wir alle wohnten. Allerdings stellte sie sich als alter Troadkasten heraus. Darin wurde früher Getreide gelagert. Zwei Vorkommnisse blieben besonders im Gedächtnis haften: Die Begegnung mit einer angriffslustigen Almkuh, die wohl ihr Kalb vor mir beschützen wollte. Passiert ist zum Glück nichts, denn ich rettete mich auf Christines Arme. Nach gutem Zureden ließ sich die Kuh beruhigen und trollte sich ins Zirben-Dickicht.

Auch im anderen Fall ist nichts passiert, als während des Abendessens plötzlich zwei grüne Wadlstrümpfe in ausgelatschten Sandalen auf mich zukamen. Sie gehörten dem Kellner, der uns bediente. Mit einem Satz sprang er auf die Sitzbank, als ich meine Zähne fletschte und er vor lauter Schreck meinte, ich hätte ihn in die Zehe gezwickt. Aber das Loch im Socken war schon drin, das habe ich genau gesehen. Trotzdem bekam er von uns neue Strümpfe und für die Zehe Heilkräuter, die Christine bei der Wanderung am nächsten Tag extra gepflückt hatte.

Im Juli 2016 steuerten wir den Bodensee an, in dem man ebenfalls prima baden kann. Außerdem gibt’s dort Hundehütten auf Stelzen, zumindest sehen die Pfahlbauten in Unteruhldingen so aus. Der Rhein- fall bei Schaffhausen war ein tosendes Erlebnis. Zum Glück bin ich da nicht reingefallen. Weil der Rhein uns so faszinierte, war im August 2017 Urlaub in Lorch angesagt. Die Loreley hat mich zwar nicht verzaubert, aber die Wanderung war für mich alten Knaben schon ziemlich anstrengend, zumal es an dem Tag so heiß war. Ausruhen konnte ich mich zum Glück auf der Rückfahrt im Schiff.

Die bisher letzte Reise führte Ende April 2018 nach Völs in Südtirol. Leider hatte ich mich an der linken Hinterpfote verletzt. Das tat beim Wandern vielleicht weh, sag’ ich Ihnen! Da half es selbst nichts, in einen der kühlen Gebirgsbäche zu steigen, ich musste zur Tierärztin. Doch längst bin ich wieder bereit für neue Abenteuer, und bin ja mal gespannt, wo es heuer hingeht. Falls ich nicht mitdarf, mache ich halt selber Urlaub – und zwar in Omas Garten in Floß oder bei Großfrauchen und -herrchen in Flossenbürg.

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