05.02.2020 - 13:24 Uhr
FlossOberpfalz

Floß verliert Einwohner

Es ist seine letzte Bürgerversammlung als Bürgermeister. Günter Stich zeigt sich vor gut 70 Zuhörern stolz auf die Bilanz seiner 18 Jahre währenden Amtszeit. „Die Zeit ist wie im Flug vergangen, hat aber auch Kraft gekostet“, sagt er.

Der Rathaussaal ist voll. Um die 70 Bürger verfolgen zum letzten Mal die Ausführungen Günter Stichs als Bürgermeister.
von Gabi EichlProfil

Er sei 2002 in einer für die Gemeinde finanziell schwierigen Situation ins Amt gewählt worden. Die Finanzen seien jedoch inzwischen saniert, vieles sei angeschoben und abgeschlossen worden. Bei all dem habe es nie schwerwiegende Anfeindungen im Marktrat gegeben, ebensowenig in den Bürgerversammlungen. Das zeige doch eine gewisse Zufriedenheit mit der Rathaus-Politik. In sehr persönlichen Worten sagt Stich, er habe „jeden Tag“ das Ziel gehabt, es jedem recht zu machen, er habe sich aber mit den Jahren eingestehen müssen, dass das nicht möglich sei.

Die vergangenen zehn Jahre dokumentiert Stich in Zahlen. 2002 hatte der Markt nicht ganz 5 Millionen Euro Schulden, 2010 waren es noch 1,4 Millionen. 2011 stieg die Verschuldung infolge größerer Investitionen (Turnhalle, Aula) wieder auf nicht ganz 2,3 Millionen Euro, derzeit liegt sie laut Stich bei 1,3 Millionen.

Dass es dem Markt finanziell immer besser geht, zeigen die sinkenden Schlüsselzuweisungen und die stetig steigenden Zahlungen via Kreisumlage an den Landkreis. Im vergangenen Jahr zahlte der Markt nicht ganz 1,4 Millionen Euro Kreisumlage, heuer werden es laut Stich voraussichtlich 1,43 Millionen, und das bei einem jährlich sinkenden Umlagesatz.

Mitverantwortlich für diese Entwicklung ist eine beständig steigende Gewerbesteuer, die sich in den vergangenen zehn Jahren von etwas mehr als 600.000 auf über 1,2 Millionen Euro verdoppelt hat. Entsprechend gestiegen ist auch die Einkommensteuerbeteiligung der Gemeinde von knapp 1 Million 2010 auf heute etwa 1,7 Millionen Euro.

Entlasten konnte die Gemeinde ihre Bürger für die nächsten vier Jahre bei den Abwassergebühren (die Oberpfalzmedien berichteten), die Grundsteuern A und B sind weitgehend gleich geblieben.

Trotz dieser positiven Entwicklung verliert der Markt Einwohner, genau 136 in den vergangenen zehn Jahren. Die Zahl der Geburten liegt im Durchschnitt bei nicht ganz 30 pro Jahr, die Zahl der Sterbefälle bei etwa 47.

Stich schließt seine Bilanz mit seinem persönlichen Steckenpferd: den Ergebnissen der Geschwindigkeitsmessungen in verschiedenen Straßen. Die „Flosser Raser“, wie Stich sie nennt, sind fast nur nachts unterwegs, da aber doch auffallend oft. Ganz schlimm in der Plößberger Straße, durch die den aktuellen Messungen zufolge nächtens nicht selten mit mehr als 100 km/h gedonnert wird.

Bürgeranliegen:

Die Sicherung der Wasserversorgung ist ein Thema der Bürgerversammlung. Der Markt hat in den vergangenen beiden trockenen Sommern sein Kontingent an zugekauftem Steinwald-Wasser überzogen. Es habe dennoch alles geklappt mit der Wasserversorgung, doch in diesem Jahr habe man bereits „kolossale Rohrbrüche“, sagt der Bürgermeister. Einige Bürger blickten besorgt in die Zukunft. Wie Stich erläutert, bekommt derzeit keine Gemeinde zusätzliches Wasser von der Steinwald-Gruppe; diese könne erst dann mehr Wasser liefern, wenn der sogenannte Süd-Ost-Verbund gebaut sei. Floß beziehe derzeit etwa 160.000 Kubikmeter Wasser von der Gruppe, um die 150.000 Kubik liefere die eigene Wasserversorgung, die man, „wenn irgend möglich“, erhalten wolle. Manfred Wiedermann merkt an, die Zukunft sei wohl nicht so rosig zu sehen. Und Stich gibt zu, dass im Kommunalbetrieb heuer alles „ganz gewaltig auf dem Prüfstand steht“. Dieser Situation sei sich aber jeder einzelne Marktrat bewusst. Der Feuerwehr-Kommandant Felix Müller spricht sich dafür aus, den letzten Brunnen des Marktes so zu ertüchtigen und mit Notstrom zu versorgen, dass er für den Fall eines Stromausfalls wenigstens eine Grundversorgung sicherstellen könne. Der frühere Marktrat Erich Schieder plädiert dafür, unbedingt an der Regelung festzuhalten, dass die Besitzer eigener Brunnen ihr Wasser auch weiterhin als Brauchwasser verwenden dürften.

Annelie Lindner sorgt sich um eine ökologisch sensible Fläche am Findlingsweg, die seit der Ausweisung des „Sonnenplatzes“ verstärkt besucht werde. Den Worten Stichs zufolge werde die Entwicklung von der Unteren Naturschutzbehörde aufmerksam verfolgt. Sollte es zu gravierenden Missständen kommen, werde man eingreifen.

Der AfD-Kandidat Werner Löw bringt seine Verärgerung darüber zum Ausdruck, dass die Gemeinde zwei Wege im Ortsteil Schlattein an einen Landwirt verpachtet habe, ohne die Bürger zu informieren oder zu fragen, ob es den Anwohnern recht sei. Es sei bereits zu Strafanzeigen gekommen, nachdem Anwohner diese Wege befahren hätten. Stich erwidert, die Verpachtung sei eine einstimmige Entscheidung des Gemeinderates gewesen, und die Gemeinde müsse Bürger in solchen Fällen nicht um Erlaubnis bitten. Weiter könne er sich dazu öffentlich nicht äußern, da es um Pachtverträge gehe. „Privatstreitigkeiten“ gehörten nicht in die Bürgerversammlung.

Markus Wall vermisst den Breitbandausbau in seinem Ortsteil Konradsreuth. Dort komme es wöchentlich zu kompletten Ausfällen der Telefonleitung. Stich sagt, die Gemeinde habe alles längst beauftragt und vergeben, aber es gebe keine Tiefbaufirma, die das umsetze. „Wenn halt nichts vorwärts geht“, der Gemeinde seien die Hände gebunden. Man werde aber wieder nachhaken.

Wolfgang Lang aus Schlattein erkundigt sich nach dem Teilausbau der Staatsstraße 2171 zwischen Floß und Plößberg. Laut Stich soll der Grunderwerb heuer noch erfolgen; er habe die Zusicherung des Straßenbauamtes, dass aktuell mit Nachdruck an der Planung gearbeitet werde.

Manfred Wiedermann vom Bund Naturschutz hat einen Fragebogen für die drei Bürgermeisterkandidaten dabei, von denen allerdings nur Robert Lindner (SPD) anwesend ist. Es geht um Fragen zu Klima- und Naturschutz.

Jürgen Beer aus Boxdorf fragt nach den Erlösen aus dem inzwischen zehn Jahre alten Solarpark, konkret nach dem Zeitpunkt einer Ausschüttung an die beteiligten Bürger. Stich versichert, es sei „kein Cent verloren“. Die Erlöse stünden auf dem Solarpark-Konto, zum Teil werde in weitere Projekte in der Umgebung investiert. Grundsätzlich laufe es „sehr, sehr, sehr gut“; die Erlöse seien in einigen Jahren „ein Vielfaches von dem, was sie bis jetzt sind“. Den aktuell erwirtschafteten Betrag nenne er nicht, er wolle keine Neidgefühle wecken.

Rektor Herbert Kraus erkundigt sich nach dem Stand der Schulsanierung. Stich spricht von einem „Dilemma“. Im beauftragten Architekturbüro sei der zuständige Mitarbeiter ausgeschieden, es sei eine Neukalkulation aller Kosten und Planungen notwendig. Die Regierung sehe aktuell eine Sanierung immer noch als wirtschaftlichste Lösung; einen Stopp habe es bis dato nicht gegeben. „Ob ein politischer Stopp kommt“, stehe auf einem anderen Blatt. „Schade, schade, schade“, sagt Stich zum momentanen Stand. Mehr wolle er dazu nicht sagen, „an Schuldigen wird ma scho finden“. Keine Fraktion einschließlich Bürgermeister und Verwaltung könne etwas „für diesen Zustand“.

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