16.10.2020 - 12:08 Uhr
FlossOberpfalz

Nach Flosser CSU-Wahldebakel: Harald Gollwitzer kritisiert vergangene Ratsperiode in Facebook-Video

Harald Gollwitzer beugt sich über das Geländer der maroden Brücke am Feuerwehrhaus. Eine Szene aus einem Film, auf Facebook veröffentlicht, in dem der frühere Marktrat eine vernichtende Bilanz über die vergangene Ratsperiode zieht.

Harald Gollwitzer sagt: "Sucht euch einen anderen Prügelknaben." Der frühere CSU-Fraktionssprecher im Marktgemeinderat zieht mit einem Paukenschlag einen Schlussstrich unter sechs Jahre, geprägt von „fehlendem Vertrauen, wenig Gemeinsamkeiten und vielen Vorurteilen“.
von Gabi EichlProfil

Zwei Stapel Aktenordner. Papier, das für sechs Jahre Arbeit im Marktrat steht. Aber auch für Frust und Enttäuschung. Das sei aber nicht der Grund, warum er den etwa vier Minuten langen Film veröffentlicht habe, sagt Gollwitzer, sondern weil der Bürgermeister a. D. nicht aufhöre, „Nonsens und Unwahrheiten“ über ihn zu verbreiten. Die im Film getroffenen Aussagen habe er „für seinen Seelenfrieden“ loswerden müssen. Der Film sei auch kein Werk der CSU. Diese habe ihm lediglich die Plattform zur Veröffentlichung gegeben. Aber sie stehe hinter seinen Aussagen.

Szene aus dem auf Facebook veröffentlichten Film, mit dem Harald Gollwitzer Bilanz über die zurückliegende Legislaturperiode im Marktgemeinderat zieht.

Frieden gemacht mit Wahlergebnis

Er habe längst seinen Frieden gemacht mit dem unbefriedigenden Abschneiden der CSU im Kommunalwahlkampf, sagt Gollwitzer. Aber dass seine Arbeit und die seiner Fraktion auch ein halbes Jahr nach dem Wahlabend schlecht geredet werde, könne er nicht unwidersprochen stehen lassen.

Das Video auf Facebook

Der Gemeinde viel Geld gespart

Immerhin könne er schwarz auf weiß belegen, und hier kommen die Aktenstapel ins Spiel, dass er der Gemeinde durch verschiedene Vorschläge eine Menge Geld gespart habe. Nach den Schilderungen Gollwitzers ist die Brücke am Feuerwehrhaus ein Sinnbild für sechs Jahre „kaputtes Klima“ im Marktgemeinderat. Durch seine Alternativvorschläge hätten die ursprünglichen Kosten von über 600.000 Euro auf etwa 150.000 reduziert werden können. Kurz vor Baubeginn, so beschreibt der Bauunternehmer es in dem Film und gegenüber den Oberpfalz-Medien, habe die SPD ein Wahlkampf-Flugblatt verteilt, in dem die CSU „äußerst polemisch und auch ich persönlich beleidigend angegriffen wurde“. Bei einer Besprechung darauf angesprochen habe Stich sich von dem Flugblatt distanziert und zugesagt, die Aussagen richtig zu stellen. Dies habe er nicht getan. Im Gegenteil: Bei einer Bürgermeisterbesprechung sei der Satz gefallen, er lasse sich von Gollwitzer nicht unter Druck setzen. Dieser wiederum resümiert in dem Film: „Nicht das erste, aber das letzte Mal, dass er mich angelogen hat.“ Daraufhin habe er, Gollwitzer, seine Mitarbeit eingestellt, weshalb die fertige Brücke seit März im Bauhof liege.

"Fehlendes Vertrauen, Vorurteile"

Dieser Stil habe sich durch die gesamte Legislaturperiode gezogen, sagt Gollwitzer. Er sei nach der Wahl 2014 auf Stich zugegangen und habe seine Zusammenarbeit angeboten, aber schnell gemerkt, dass Bürgermeister und SPD-Fraktion „starke Vorbehalte“ gegen ihn und die CSU hegten. Viele Möglichkeiten und Chancen seien dadurch vertan, Zuschüsse nicht genutzt worden in einer Periode, geprägt von „fehlendem Vertrauen, wenig Gemeinsamkeiten und vielen Vorurteilen“. Gollwitzer zitiert im Gespräch mit Oberpfalz-Medien immer wieder aus seinen Akten, erzählt von Terminen bei Fachstellen, bei der Regierung in Regensburg und in München, von ausgearbeiteten Konzepten, Vorschlägen, Ideen, von denen kaum etwas zum Tragen gekommen sei.

Gollwitzers Film wird auf Facebook vielfach kommentiert. Unter anderem äußert sich der Zweite Bürgermeister Oliver Mutterer (FDP/UB)t: „Man darf aber hier nicht außer Acht lassen, dass der Wähler ja erst vor einem halben Jahr selbst entschieden hat, welche Personen, Konzepte und Gangarten er/sie für richtig hält. Das hat jeder als Demokrat so zu akzeptieren. Ich könnt genauso sagen, ich bin jetzt beleidigt und schieb die Schuld auf andere.“

"Menü der Gerüchteküche"

Günther Meierhöfer schreibt: „Lieber Harald, es wurde Zeit, und ich begrüße es mit äußerster Hochachtung dir gegenüber, dass du die Hintergründe für deine Konsequenzen ans Tageslicht gebracht hast und das versalzene Menü der Gerüchteküche serviert hast.“

Lehner: "Schlechter Verlierer"

Daniel Lehner, ein Kandidat auf der SPD-Liste im Kommunalwahlkampf, hält Gollwitzer vor, in dem genannten Flugblatt nicht persönlich beleidigt worden zu sein, es sei die CSU gemeint gewesen. Und er wirft ihm vor: „Schließlich wurde man ja gewählt, war ein schlechter Verlierer, nahm sein Mandat nicht an und scheint nun doch nicht damit leben zu können, nicht mehr mitreden zu dürfen.“ Darauf postet Gollwitzer, er habe die Verantwortung übernommen für das Wahlergebnis seiner Partei und wolle künftig auch nicht mehr mitreden. Sein kommunalpolitisches Engagement sei Geschichte. Er schreibt: „Ich bin aus dem Spiel raus, ihr müsst euch da einen anderen Prügelknaben suchen.“

Günter Stich: "Kein Kommentar"

Bürgermeister a. D. Günter Stich äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Er sagt am Rand der jüngsten Marktgemeinderatssitzung gegenüber Oberpfalz-Medien: „Kein Kommentar.“

Zur Person:

Harald Gollwitzer

Der 56-Jährige Bauingenieur Harald Gollwitzer engagiert oder engagierte sich ehrenamtlich an zahlreiche Stellen.

  • Parteiämter bei der CSU aktuell: Schriftführer Ortsverband Floß, in der CSU-Mittelstandsvereinigung Kreis- sowie stellvertretender Bezirksvorsitzender und Mitglied des Landesvorstands.
  • Eine Auswahl weiterer mittlerweile abgelegter Ehrenämter: Aufsichtsrat Volksbank Nordoberpfalz, Vorstandsmitglied Bundesfachabteilung Spezialtiefbau, DIN-Normenausschuss, stellvertretender Vorsitzender SV Floß, Betreuer der Alten Herren, Vorstandsmitglied Gewerbering Floß. (eig)

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.