Es ist ausdrücklich kein Plädoyer für eine Umgehungsstraße. Die Verkehrsanalyse und Verkehrszählung der Freien Demokraten und Unabhängigen Bürger im Mai und Juli, deren Ergebnisse nun vorliegen, soll eine Diskussionsgrundlage sein, sagt der zweite Bürgermeister Oliver Mutterer, der die Datenerhebung maßgeblich mit initiiert hat.
Mutterer ist eigenem Bekunden nach für sich noch zu keinem Schluss gekommen, ob eine Umgehung eine sinnvolle Lösung sein kann. Denn der Durchgangsverkehr sei nicht nur Belastung, er bringe auch Umsatz. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagt er, selbst Geschäftsmann mit einem Laden in eben jener Freiherr-von-Lichtenstern-Straße.
"Zahlen werden steigen"
Mutterer ist sich jedoch sicher, wie er in einem Gespräch sagt, dass der Verkehr überproportional zunehmen werde. Studien sagten für die nächsten zehn Jahre übereinstimmend eine Steigerung der Verkehrszahlen deutschlandweit um bis zu zehn Prozent voraus. Und Floß sei nun einmal eine Durchgangsstation für Verkehr aus verschiedenen Richtungen. Allein die Gedenkstätte in Flossenbürg bringe viel Durchgangsverkehr, auch der werde eher mehr als weniger werden. Dasselbe gelte für die Freizeitanlagen Gaisweiher und Silberhütte.
Braucht der Markt also doch eine Umgehung? Mutterer sagt, er wisse es nicht. Beim letzten Bürgerstammtisch von FDP und UB sei diese Frage heftig diskutiert worden. Handel und Dienstleister im Markt lebten auch von diesem Durchgangsverkehr, das dürfe man nicht übersehen, hieß es. Und das örtliche Angebot von Handel und Dienstleistungen sei für einen Ort dieser Größe weit und breit einzigartig, das dürfe man nicht gefährden. Das sieht auch Mutterer so, wie er sagt. Trotzdem bleibe die Sorge vor einer weiteren Steigerung der Verkehrszahlen.
Mutterer will die Datenerhebung verstanden wissen als eine fundierte Handreichung für den neuen Marktrat von der Wahlperiode 2020 an. Es gehe darum, rechtzeitig in die Zukunft zu schauen. Denn eines dürfe nicht passieren: Dass man in ein paar Jahren ohne jedes Konzept vor einer explodierenden Zunahme des Verkehrs stehe.
Rechtzeitig diskutieren
Wichtig sei, sich rechtzeitig Gedanken zu machen über das Für und Wider einer Umgehung oder anderer Verkehrslenkungsmaßnahmen. Die Zählungen hätten zum Beispiel auch gezeigt, dass viele Flosser selbst für kürzeste Wege das Auto nähmen. Vielleicht könne man hier mit Anreizen arbeiten oder mit Abkürzungen für Fußgänger.
Und wenn doch Umgehung, wo? Denn Floß bräuchte mit seinen fünf Einfallstraßen aus allen Richtungen mehrere Umgehungen oder einen ganzen Ring, wollte man den Durchgangsverkehr weitgehend aus dem Markt bringen. Einen Ring schließt Mutterer aus. Sinnvoll sei, wenn überhaupt, nur eine Achse zwischen der Staatsstraße 2181 zwischen Plößberg und Vohenstrauß. Im Westen und Südwesten des Marktes gebe es heute schon ausreichend Umfahrungsmöglichkeiten. Geplant sei eine Umfrage unter den Bürgern, aber auch den Mitgliedern des Gewerberings, inwieweit die Verkehrssituation tragbar sei und inwiefern man abhängig sei vom Durchgangsverkehr.
CSU spricht mit Minister
Mutterer hat im Gemeinderat die Kollegen gebeten, die Analyse nicht in der Schublade verschwinden zu lassen, sondern sie als Gedankenstütze für künftige Überlegungen im Hinterkopf zu behalten. Der CSU/FL-Sprecher Harald Gollwitzer sagte darauf, man sei dankbar für die Zahlen, man werde in wenigen Tagen beim Verkehrsminister in München die Situation zur Sprache bringen.
Es ist eine Fleißarbeit. Der Termin zur Zählung wurde dreimal neu angesetzt. Zweimal kam eine Beerdigung dazwischen, die das Bild verzerrt hätte. Dann wurde zweimal stundenlang gezählt. Die Zahlen waren jedesmal mehr oder weniger identisch, Spitzenzeiten sind erwartungsgemäß morgens zwischen 7 und 8 Uhr und gegen Feierabend zwischen 16 und 18 Uhr. Durch ein entsprechendes System konnten an einer Kreuzung vier Straßen gleichzeitig erfasst werden, wobei auch das Abbiegeverhalten registriert wurde.
Die Freiherr-von-Lichtenstern-Straße in Höhe des Marktplatzes ist den Zählungen zufolge der Knackpunkt; hier kommen erhebliche Verkehrsströme auf der Staatsstraße 2181 einmal aus Richtung Vohenstrauß, einmal aus Richtung Plößberg. Insgesamt wurden an dieser Stelle um die 6000 Fahrzeuge täglich gezählt. In ihrem unteren und oberen Teil ist die Lichtenstern-Straße mit knapp 5000 Fahrzeugen ebenfalls stark befahren. Auf den jeweiligen Zubringern - Vohenstraußer Straße, Plößberger und Weidener Straße - bewegen sich im Schnitt 3000 Fahrzeuge.















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