24.09.2019 - 09:07 Uhr
FlossOberpfalz

Füracker ratscht in Floß

Ein Loblied auf das Ehrenamt singt Finanz- und Heimatminister Albert Füracker beim „Ratsch“ der CSU im Kreislehrgarten. Es geht dann aber schnell über das Thema Ehrenamt hinaus um Medien, Energiewende und Landwirtschaft.

Finanzminister Albert Füracker (links) und der CSU-Bürgermeisterkandidat Armin Betz im Gespräch mit Vereinsverantwortlichen; mit im Bild Pfarrer Max Früchtl (sitzend neben Betz).
von Gabi EichlProfil

Der Minister, schon zum dritten Mal in Floß, nimmt sich eineinhalb Stunden Zeit für ein Statement und die Fragen der Vereinsvorsitzenden und anderweitig ehrenamtlich Tätigen. Füracker spricht von der Widersprüchlichkeit der modernen Gesellschaft; hier sei Bürokratie nervig, dort rufe man nach dem Staat. Der Gastwirt beklage sich über die mangelnden Vorschriften bei Vereinsfesten, der Vereinsvorstand wiederum jammere über zunehmende Regularien beim kleinsten Gartenfest. Der Minister wirbt um Verständnis dafür, dass politische Entscheidungen - wie klein oder groß auch immer - hochkomplex seien. Und eben diese schwer vermittelbare Komplexität sei das Problem in einer Zeit, in der einfache Lösungen Konjunktur hätten.

Gefahr Gleichgültigkeit

Vom Ehrenamt zur Krise der Demokratie: Füracker sagt, man könne eine Demokratie auch durch Wahlen zerstören und erinnert an die Weimarer Republik. Auch die Gleichgültigkeit sei eine enorme Gefahr für die Demokratie. Hauptthemen des Gesprächs mit Vereinsverantwortlichen sind der Umgang mit Medien, die Energiewende und die konventionelle Landwirtschaft, die sich zunehmend nicht mehr ausreichend von der CSU vertreten fühle, wie der Marktrat Manfred Venzl sagt.

Ein Diskussionsteilnehmer beklagt deutlich, wie Landrat Andreas Meier bei der „Jetzt red' i“-Sendung in Neustadt/WN „abgesägt“ worden sei; Meier selbst sagt, die „Bisswunde“ habe noch Tage danach geschmerzt. Füracker seinerseits sagt in Bezug auf die sozialen Medien, es sei kaum mehr möglich, entsprechend auf Beleidigungen oder falsche Nachrichten zu reagieren. Er habe das mehr oder weniger aufgegeben.

Problem: Akzeptanz

Thema Energiewende: Deutschland sei das weltweit erste Land, das aus Kernenergie und Kohle gleichzeitig aussteige. Daher seien alternative Lösungen so schnell wie möglich notwendig, um nicht Strom aus den Nachbarstaaten importieren zu müssen. Füracker sagt, auch bei den erneuerbaren Energien, speziell der Windkraft, sei das Problem die Akzeptanz der Bevölkerung. In seinem Landkreis Neumarkt laufen derzeit 70 Windräder, „das führt auch nicht ausschließlich zu Begeisterung bei den Menschen“. In dem Zusammenhang streift der Minister das Thema Süd-Ost-Link, der seiner Auffassung nach auch am besten auf öffentlichem Grund entlang der Autobahn vergraben würde. An den Landrat gewandt sagt er: „Net aufgebn.“

Manfred Venzl versucht dem Minister deutlich zu machen, wie sehr Landwirte inzwischen enttäuscht seien von der CSU. Der Landwirt sei heute „an allem schuld“, da verwundere es nicht, dass kein junger Hofnachfolger mehr Landwirt werden wolle. Füracker, bis 2008 selbst Vollerwerbslandwirt, sieht in erster Linie die Technik verantwortlich für den Strukturwandel in der Landwirtschaft: „In einem modernen Schlepper ist mehr Elektronik drin als in Apollo 11.“

"Alle an einem Strang"

Der CSU-Ortsvorsitzende Sebastian Kitta wie auch Bürgermeisterkandidat Armin Betz stellen das ehrenamtliche Engagement speziell in Floß heraus. Kitta etwa bezeichnet den Kreislehrgarten als einen „Leuchtturm des Flosser Ehrenamtes“, Betz wirbt darum, Angebote nicht des Veranstalters wegen abzuhaken: „Wir ziehen doch alle an einem Strang.“ Und darum heckten der CSU-Mann und der SPDler nichts aus, wenn sie bei einer Maß zusammensäßen, sondern „da sitzen einfach zwei Flosser bei einem Bier“.

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