Das Interesse an seinem Lichtbildervortrag beim Katholischen Seniorenkreis war groß. Sein Fundus über die jüdische Geschichte, die 1684 in Floß ihren Anfang nahm, hätte noch weit mehr Zeit füllen können als die knapp 60 Minuten seines Vortrags. Lehner erzählte über die Sanierung der Synagoge nach ihrer Zerstörung bei der Pogromnacht am 9. November 1938. Das Gotteshaus sollte so wiederhergestellt werden, wie es vor der Zerstörung auf einem Foto des früheren Flosser Juden Ludwig David Bloch aus Anlass der 250-Jahr-Feier im Jahr 1934 abgebildet war. Es seien viele Schwierigkeiten zu überwinden gewesen, bis es am 9. November 1980 zur Wiedereinweihung der in Floß „Judentempel" genannten Synagoge kam, sagte Lehner. Alle mit der Sanierung im Zusammenhang stehenden Entscheidungen, auch die Übernahme der Bauträgerschaft durch den Markt, fußten auf einstimmigen Entscheidungen des Marktrats. Die Flosser Bevölkerung habe diesbezüglich eher zurückhaltend reagiert. Nicht selten habe Lehner bei gesellschaftlichen Unterhaltungen das Schimpfwort vom „Synagogendiener" zu hören bekommen. „Ein friedliches, tolerantes und geschwisterliches Miteinander war angesagt, um das Unrecht von 1933 bis 1945 gegenüber dem jüdischen Volk wieder gut zu machen", betonte der Referent.
Immer wieder habe Lehner bei seinen Vorträgen und Begegnungen von jüdischer Seite hören müssen: „Vergeben ja, vergessen nein." Das habe ihn dazu beflügelt, der jüdischen Geschichte im Markt den Wert beizumessen, den sie auch verdiene. So sei die heute über 335-jährige jüdische Vergangenheit aus der 1071-jährigen Ortsgeschichte nicht mehr auszulöschen.
Auf Fotos zeigte Lehner unter anderem die ersten vier Häusern auf dem Judenberg, den 1692 angelegten jüdischen Friedhof, die Inschriften der Grundsteinlegung 1815 und der Einweihung 1817, die nach 1813 entstandenen Häuserzeilen auf dem Judenberg sowie Bilder von der 250-Jahr-Feier der Synagoge 1934, von der Zerstörung 1938 und der Wiedereinweihung 1980.
Lehner erinnerte an die große Judengemeinde im 19. Jahrhundert mit ihren 72 Familien, an das 32 Jahre lang bestehende jüdische Ghetto, die Auswanderung der Flosser Juden nach Nordamerika, die Geschäftseröffnungen im Marktzentrum, die eigene hebräische Sprach- und Religionsschule und das Mitwirken der Juden in örtlichen Vereinen.
Weitere Bilder zeigte Feierlichkeiten aus Anlass der „Woche der Brüderlichkeit", früher und heute, sowie vielfältige Besuchergruppen in der Synagoge und auf dem Friedhof.
Lehner blieben aber vor allem Begegnungen mit früheren Flosser Juden, die in aller Welt verstreut leben, in Erinnerung. Sie alle sind bereits verstorben: Ludwig David Bloch (USA), Norbert Steinhardt (Großbritannien), seine Schwestern Martl Löbstein (Israel) und Julia Greiffenhagen (USA). Mit Oberkantor Estrongo Nachama (Berlin), Dr. Stefan Schwarz vom Landesverband der israelitische Kultusgemeinden Bayern in München, dem großen Philosophen, Schriftsteller, Journalisten, Dozenten in Jerusalem und Träger der Martin-Buber-Rosenzweig-Medaille (die krautstampfende Großmama Mathilde war eine Flosserin), Schalom Ben-Chorin (Israel) und dem früheren Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Weiden, Hermann Brenner, gab es ebenfalls viele Begegnungen, die Lehner schilderte. Kontakt habe der Referent heute noch mit der Autorin der Dissertationsarbeit „Die Judengemeinde von Floß 1684 bis 1942, Dr. Renate Höpfinger aus München.
Durch die museale Ausstellung in der Synagoge könne man den jüdischen Kultus auch heute erleben. Lehner berichtete von glanzvollen Konzerten namhafter Künstler in der Synagoge, die eine ausgesprochen gute Akustik habe. Lehner sieht es als seine Verpflichtung und Lebensaufgabe, durch Führungen und Vorträge an die jüdische Vergangenheit seiner Geburts- und Heimatgemeinde zu erinnern. Die Zuhörer im Pfarrheim St. Josef glaubten sich in der Synagoge zu befinden, als sie den auf einer CD vorgetragenen Gebetsgesang von Oberkantor Estrongo Nachama mit dem Rias-Kammerchor aus Berlin hörten.















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