02.01.2019 - 14:56 Uhr
FlossOberpfalz

Als die SPD noch reihenweise Wahlen gewann

Der prominenteste Sozialdemokrat in der 113-jährigen Geschichte des Flosser SPD-Ortsvereins dürfte Sepp Lehner sein. Nicht nur weil er zu denen gehörte, die nach dem Zweiten Weltkrieg alles in die Hand nahmen.

Josef Lehner mit seiner Frau Paula und seinen zehn Kindern. Sitzend von links: Liesbeth (geboren 1942 ), Mutter Paula, Josef Lehner, Alfons (1939). Stehend von links: Hans (1927 ), Emmi, Fred (1932 ), Lotte ( 125 ) Ludwig (1933 ), Hermine, Lothar und Rosa (1936 ).
von Fred LehnerProfil

Am 6. Januar 1946 gründete er den Ortsverein, vom 1. Mai 1948 bis zu seinem Tode am 3. Januar 1959 war er der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Floß. Mit den Liedern "Auf ihr Sozialisten" sowie "Brüder zur Sonne zur Freiheit" begann vor 72 Jahren die Gründungsversammlung.

Wilhelm Schuller war Vorsitzender, Georg Lehner Hauptkassier und Sepp Lehner Schriftführer. 51 Mitglieder wurden aufgenommen. Sie waren allesamt früher nicht Mitglieder der NSDAP.

Die politische Arbeit begann für den elffachen Familienvater (fünf Töchter und sechs Söhne, ein Sohn ist im Kindesalter verstorben) Sepp Lehner am 11. April 1946. Damals trat er im Marktrat die Nachfolge von Hans Dorner an. Bei der Kommunalwahl am 25. April 1948 stellte sich der 47-jährige Verwaltungsangestellte, ein bekannter Trompeter bei der früheren Flosser Blaskapelle, als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung. In der Stichwahl setzte sich der Vollwaise gegen Rektor Erhard Gollwitzer durch.

Mit seinen fünf Parteifreunden Wilhelm Schuller, Hans Röckl, Herbert Rutsch, Emil Möhwald und Josef Werner errang er erstmals die absolute Mehrheit im Rat. Mehr noch: Mit Schuller und Lehner zogen erstmals zwei Flosser Sozialdemokraten in den Kreistag von Neustadt ein.

In seiner Antrittsrede am 20. Mai 1948 sagte der neue Bürgermeister: „ Und nun meine Herren, gehen wir ans Werk und bauen auf, was durch das vorangegangenem Regime zerstört wurde. Das walte Gott." Die nächste Kommunalwahl 1952 war ein großer Erfolg für die Sozialdemokraten. Sie wurden mit 45,9 Prozent der Stimmen erneut stärkste Kraft. Die Kommunalwahl 1956 bestätigte Floß als rote Hochburg. Sepp Lehner war von Mai 1951 bis 3. Januar 1959 Vorsitzender des Ortsvereins.

Er widmete seine ganze Kraft der Gemeinde. Seine Frau und seiner Familie mussten zurückstecken und viel Verständnis aufbringen. Verdienstvoll ist Lehners Aufbauleistungen in den knapp elf Jahren als Rathauschef. Die Lösung des Flüchtlings- und Wohnungsproblems, die Schadensregulierung aus Anlass der „ Flosser Sintflut", der Bau einer zentralen Wasserversorgung und die damit verbundene Auflösung von über 30 privaten Wasserleitungsgenossenschaften, der Neubau eines Zentralschulhauses und schließlich die Stärkung des gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Lebens sind unvergessen. Nicht zuletzt dank Lehners Bürgernähe.

Sein Tod kam überraschend, tags zuvor hatte er noch im Rathaus angepackt.

Das politische Erbe Sepp Lehners übernahm am 6. Februar 1972 sein Sohn Fred, der mit 67,5 Prozent Bürgermeister des um sechs Landgemeinden vergrößerten Marktes Floß wurde. Fred Lehner vertrat seit 1966 die Sozialdemokraten im Marktrat und im Neustädter Kreistag. Er gehörte diesem Gremium bis 2008 an. Die Amtszeit von Fred Lehner endete erst nach 30 Jahren im Jahr 2002. So lange war zuvor noch niemand in Floß im Amt.

Bürgermeister Josef Lehner.

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