Floß
24.11.2019 - 09:44 Uhr

Untergegangene Orte im Flosser Amt

Ein ausgeprägtes Heimat- und Geschichtsbewusstsein zeichnet den Vorsitzenden des Arbeitskreises "Heimatmuseum Flosser Amt", Erich Schieder, aus. Der Vortrag im überfüllten Nebenzimmer des Gasthauses "Weißes Rößl" zeigt dies.

Über "Untergegangene Orte im Markt Floß" referiert Heimatforscher Erich Schieder. Bild: le
Über "Untergegangene Orte im Markt Floß" referiert Heimatforscher Erich Schieder.

Ließen schon seine in den letzten Jahren herausgegebenen Bücher "Mei Ellaboch" und "Golddorf Schlattein" aufhorchen, so hat er seine Heimat- und Forschungsarbeit mit den "Untergegangenen Orten im Markt Floß" weiter bereichert. Schieder blickte darauf zurück, was unsere Vorfahren in diesem Raum geleistet haben. Sie rodeten Wald und machten das Land fruchtbar, bauten Behausungen und Dörfer. Dabei gab es viele Opfer von Gewalt und Mordbrennen. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen, Einfällen aus Böhmen, Herrschaftsfeldern und Machtwillkür litt das gemeine Volk, während die Oberen es sich gut gehen ließen. Mehrmals, ja oft in kurzen Abständen, erlebten sie wie das Geschaffene von räuberischen Banden oder Gefolgsleuten der Grafen, Fürsten, Könige oder Kaiser vernichtet wurde.

Über 30 betroffene Orte schafften den Wiederaufbau nicht. Mord, Bandschatzungen, Raub und Vertreibung nahmen ihnen die Kraft zum Weitermachen. Gerade der Flosser Raum, im Gegensatz zu Tschechien, litt stark unter den Herrschaftsansprüchen und Kämpfen zwischen Böhmen und Bayern, Bayerischen Herzog- oder Fürstenstämmen. Die jetzigen Orte im Flosser Amt hatten meist schon vor dem 13. Jahrhundert Bestand und überlebten mit viel Leid und Opfer über die Jahrhunderte. Die Kraft und der Mut zum Weitermachen - trotz aller Negativdarstellungen in der jetzigen Zeit - fordern auch uns auf, nach den Worten von Dietrich Bonhoeffer zu handeln: "Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben für das Leben die richtige Haltung".

Erich Schieder konnte sich bei seiner Arbeit auf umfangreiche Forschungen und Eintragungen im Bayerischen Staatsarchiv Amberg, im Stadtarchiv Weiden, auf die Ortschroniken von Adolf W. Schuster, Pfarrer Adelmar Lindner, Pfarrer Johann Wißmath, Oberlehrer Leonhard Bär, Stefan Krapf, Jörg Krämer und anderen Quellen stützen. Er versuchte dabei, etwas Licht in die Flosser Vergangenheit zu bringen.

Dabei kann es durchaus sein, so räumt er ein, dass die Möglichkeit eines Irrtums oder falscher Interpretation - trotz aller Sorgfalt - nicht ausgeschlossen wird. Schließlich ist jeder Autor auf die ihm vorliegenden Unterlagen angewiesen. Das gilt auch für die Schreibweise und die der Ortsnamen.

Der Heimatforscher befasste sich eingangs mit der Besiedelung unserer Gegend, wo vor der Zeitenwende Kelten den Raum besiedelten, danach bis zur Hälfte des ersten Jahrhunderts es elbgermanische Stämme von Norden kommend waren. Das Reich der Thüringer erlebte ab 600 nach Christus den Niedergang. Slawische Stämme wanderten ein und setzten sich bis zum Jahre 900 fest. Anschließend kamen bayerische Siedler und verdrängten die Slawen. Bei den Hunneneinfällen um 900 bis 1000 wurden oft ganze Ortschaften gebrandschatzt. Nachdem 1105 der Graf von Sulzbach vom deutschen Kaiser Heinrich IV. angefallen war und den Krieg gegen i verlor, bestrafte er die Abtrünnigen damit, dass auf sein Geheiß die Tschechen einfielen und bis Oktober das Land verwüsteten.

Das derzeit 66 Seiten umfassende Geschichtswerk beschreibt auch die Pest im Flosser Raum, die Folgen des Dreißigjährigen Krieges, die Entwicklung der Bevölkerung im Amt Floß, die vielen Großbrände, vor allem den vom 26. April 1813, das Judentum mit Synagoge und Friedhof, sowie das Kriegerdenkmal am Luitpoldplatz. Breiten Raum seiner Arbeit widmet Erich Schieder den über 30 untergegangenen Ortschaften und Weilern, Burgen, Schlösser, Herrschaftssitze, Güter, Gerichtsplätze, die Grafen von Heideck bei Haupertsreuth, die Ritter von Schönbrunn, die Orte und Schlösser im Bereich Steinbruck-Hauenstein und schließlich den Münchshof mit den beiden ertragsreichen Gütern Trievenreuth und Trevenreuth. Auffallend die präzisen Jahreszahlen der einzelnen Ereignisse und Geschehnisse, was die gründliche Arbeit des Geschichtsschreibers besonders herausstellt. Dazu ein umfangreiches, sauberes Bildmaterial, Lage-, Flur- und Ortspläne aus Archiven und aus eigenen Aufnahmen. Seltenheitswert haben die Orts- und Landschaftsbilder, die den scharfen Blick und das Gespür des Autors deutlich machen und das Heimatbewusstsein zum Ausdruck bringen. Die Forschungsarbeit endet mit den drei Sätzen: "Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart gestalten, der Zukunft offen ins Auge sehen".

Überfüllt war das Nebenzimmer des Gasthauses " Weißes Rößl " beim Geschichtsvortrag von Erich Schieder. Bild: le
Überfüllt war das Nebenzimmer des Gasthauses " Weißes Rößl " beim Geschichtsvortrag von Erich Schieder.
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