20.02.2020 - 13:44 Uhr
FlossOberpfalz

Zählerwechsel kann Folgen haben

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Bei den meisten Haushalten funktioniert der Austausch des alten Stromzählers gegen ein digitales Modell problemlos. Wer jedoch ein älteres Haus besitzt, muss seine Anlage erst modernisieren lassen. Und das kann teuer werden.

Maximilian Zehent vom Bayernwerk Weiden tauscht die alten, schwarzen Zähler gegen neue digitale Modelle aus.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Egal, von welchem Anbieter der Endverbraucher seinen Strom bezieht - irgendwann bekommt jeder Post von der Bayernwerk Netz GmbH. In einem Schreiben wird der Besuch eines Mitarbeiters angekündigt, der den alten Stromzähler gegen einen neuen digitalen Zähler austauschen soll. Laut Information ist der Austausch kostenlos.

Das stimmt auch, solange die Elektroinstallationen samt Zählerkasten neueren Baujahrs sind. Wer ein Haus besitzt, das vor 1965 erbaut wurde, hat möglicherweise Pech gehabt. Denn Installationen aus den frühen 1960er-Jahren und älter, entsprechen nicht mehr den Anforderungen, die technisch nötig sind, um den digitalen Zähler einzubauen.

Sicherheit geht vor

Ulli Kelnhofer von der Firma Höllerer Elektrotechnik in Floß nennt noch einen anderen Grund. "Auch die Hausratversicherung interessiert sich dafür", sagt er. "Ein Betreiber hat Sorge zu tragen, dass seine elektrische Anlage dem neuesten Stand entspricht." Der Energieversorger habe gewisse Voraussetzungen vorgegeben und ein Standard beispielsweise von 1965 entspreche eben nicht mehr den Anforderungen. Der Umbau, der die Anlage auf den neuesten Stand bringen soll, kann teuer werden und und die 5000 Euro kosten.

Betriebssicherheit ist auch für Energieberater Thomas Wilhelm aus Windischeschenbach ein großes Anliegen. Es sei immer wichtig, einen Fachmann drüber schauen zu lassen - unabhängig davon, was das Bayernwerk fordert, um Mängel sofort zu erkennen und damit die Funktionalität der Anlage zu gewährleisten.

"Noch kann der digitale Zähler nicht in vollem Umfang genutzt werden, da es noch keine unterschiedlichen Tagestarife für Strom gibt", erklärt der Fachmann. Wenn dies einmal soweit sei, könnte durch die Ansteuerung beispielsweise die Waschmaschine dann waschen, wenn der Strom am günstigsten ist.

Das Bayernwerk will gar nicht leugnen, das der Umbau einer privaten Elektroanlage teuer werden kann. "Doch größere technische Umrüstungen in Kundenanlagen kommen bei uns derzeit nur in Einzelfällen vor", sagt Pressesprecher Maximilian Zängl. Vorwiegend bei älteren Installationen sei es möglich, dass, gemessen an heutigen Vorgaben, sicherheitsrelevante Mängel vorliegen. "Unsere Zählermonteure sind daher verpflichtet, darauf zu achten, dass alle Mängel vor dem Einbau eines neuen Zählers beseitigt sind. Daran führt kein Weg vorbei", macht Zängl deutlich. Bei erheblichen Mängeln müsse der Kunde ein eingetragenes Installationsunternehmen beauftragen und seine Anlage modernisieren lassen.

Keine Einzelfälle

Matthias Wappmann von Höllerer Elektrotechnik Floß, kann dem Bayernwerk nicht ganz Recht geben. Von Einzelfällen könne keine Rede sein. "Technische Umrüstungen sind zurzeit bei uns ein großes Thema", sagt er. "Bei drei von vier Häusern in Floß sind die Anlagen in einem bedenklichem Zustand." Zum Beispiel fehlt bei vielen Gebäuden die Erdung. Früher ist die Erdung an das Stahlrohr des Wasserhausanschlusses angeschlossen worden. Die Stahlrohre wurden dann im Laufe der Zeit von den Städten oder Gemeinden gegen Kunststoffrohre getauscht. Dadurch fiel die Erdung weg. Seit 1990 ist es verboten, die Wasserleitung als Erdung zu benutzen. Seit 1973 ist eine eigene Hauserdung Pflicht, ob dies aber auch so gemacht wurde, ist oft fraglich. Doch fehlt diese Erdung, kann der FI-Schutzschalter nicht mehr auslösen. „Und was dann passieren könnte, wenn beispielsweise der Backofen unter Strom steht, möchte sich niemand ausmalen“, gibt Wappmann zu bedenken.

Die Wenigsten würden außerdem wissen, dass in Mietshäusern die Elektroinstallationen alle vier Jahre überprüft werden müssen. "Von den Privatvermietern macht das kaum jemand." Wappmann kritisiert weiter, dass das Bayernwerk nicht wirklich konsequent in der Umsetzung sei. Er wisse von älteren Zähleranlagen, bei denen das Bayernwerk problemlos einen neuen Zähler eingebaut habe, obwohl die Anlage eindeutig veraltet war.

Förderung wünschenswert

Ein weiteres Problem sei, dass sich vor allem ältere Leute den Umbau nicht leisten könnten. Viele Rentner hätten ihr Haus zwar abbezahlt, aber zu wenig Geld auf der Seite, um den Umbau stemmen zu können. Wappmann würde sich wünschen, dass es dafür auch eine Förderung gebe, ähnlich wie bei der Erneuerung einer alten Heizung.

Bis 2032 erhalten Stromkunden mit einem Verbrauch von weniger als 6000 kWh pro Jahr oder Erzeugungsanlagen mit einer Einspeiseleistung bis zu 7 kW einen neuen Zähler. Dies schreibt das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) vor. Der Zeitpunkt für den Wechsel hängt vom Alter des aktuellen Zählers, der Eichfrist und den regionalen Gegebenheiten ab.

Der neuer Zähler ist eine sogenannte moderne Messeinrichtung (mME). Dabei handelt es sich um einen elektronischen Stromzähler mit digitaler Anzeige. In dieser lässt sich der aktuelle Zählerstand und die aktuelle Leistung aller eingeschalteten Elektrogeräte ablesen. Außerdem kann man nach Eingabe einer persönlichen PIN die detaillierten Verbrauchswerte der vergangenen zwei Jahre einsehen.

Abgelesen werden die neuen Zähler nach wie vor vom Kunden selbst. Die Werte können über das Kundenportal, per App oder per Ablesekarte dem Stromanbieter mitgeteilt werden.

Kommentar:

Sicherheit steht an erster Stelle

Die Nachricht ist für viele erst einmal ein Schock. Damit das Bayernwerk einen digitalen Zähler einbauen kann, muss die Elektrotechnik samt Zählerschrank erneuert werden. Das blüht allen Hausbesitzern, deren Eigenheim vor 1965 erbaut wurde. Der Umbau ist teuer und kann eine Summe im mittleren vierstelligen Eurobereich verschlingen. Doch wer sich erst einmal mit der Materie beschäftigt hat, merkt schnell, dass es sich durchaus lohnt, seine Anlage zu modernisieren.
Der Umbau nützt nämlich nicht nur dem Bayernwerk, sondern dient in erster Linie der eigenen Sicherheit. Alte Sicherungen könnten nicht mehr auslösen und Kabelbrände verursachen. Ein Umstand, der auch der Versicherung nicht gefallen würde. Ein Sachschaden ist noch das Wenigste, was entstehen könnte. Deshalb sollte sich niemand grämen, wenn das Bayernwerk anklopft und auf Umbau pocht.
Was allerdings mit Leuten passiert, die sich den Umbau nicht leisten können, steht noch in den Sternen. Vielleicht wäre eine staatliche Förderung, ähnlich wie bei der Modernisierung einer Heizung, tatsächlich eine Lösung.

Von Michaela Lowak

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