29.03.2019 - 15:33 Uhr
FlossOberpfalz

Zurück in die Steinzeit

Eine außergewöhnliche Geschichtsstunde erleben die Flosser Fünftklässler mit dem Archäologen Lothar Breinl. Er bringt ihnen handwerklichen Tätigkeiten näher, wie sie schon in der Jungsteinzeit vor ungefähr 7000 Jahren ausgeübt wurden.

Dustin lässt sich die Haare nach Art unserer Vor-Vorfahren schneiden.
von Gerhard SteinerProfil

Bei Erkenntnissen über die Steinzeit ist man heute von Ausgrabungen abhängig. Schriftlichen Aufzeichnungen gib es nicht. Die Kinder staunten, dass man in Bayern bereits rund 1000 Dörfer aber nur sieben Friedhöfe aus dieser Zeit gefunden hat. „Das liegt daran, dass man damals die meisten Toten verbrannte und die Asche nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche vergrub.“

Am Beispiel des Fundes einer halben Mittelmeermuschel zeigte Breinl das Prinzip der experimentellen Archäologie auf. So wird aus dem gleichen Material, aus dem das Original ist, eine Kopie erstellt, um so die Funktionsweise des Gegenstandes auszuprobieren. Außerdem erklärte er die Herstellung von Birkenpech. Es wurde aus Birkenrinde gewonnen und diente als Allzweckkleber.

Im zweiten Teil führte der Archäologe zwei handwerkliche Techniken vor. "Beim Feuermachen herrschte in unserer Gegend die Schlagtechnik vor", erklärte Breinl. Dazu benötigte man einen Feuerstein und ein oder zwei Steine Katzengold. Die abspringenden Funken brachten den fein abgeschabten Zunderschamm zum Glimmen. Richtiges Feuer entstand aber erst unter Verwendung von trockenem Riedgras, das man heute an Straßenrändern findet.

Die zweite Handwerkstechnik war das Bearbeiten des Feuersteins, dem wichtigsten Gestein in der Jungsteinzeit. Er wurde unter anderem verwendet zur Herstellung von Klingen, Schabern, Pfeilspitzen, Messern oder Bohrerspitzen. Zum Abschlag des Steins wurde meist ein weicherer verwendet, der weniger leicht zerbrach. Zur Feinarbeit, dem Retuschieren, wurden hauptsächlich Stücke eines Hirschgeweihs verwendet. Von der Schärfe eines Abschlags konnte sich der Schüler Dustin Wüstrich selber überzeugen, als er sich freiwillig seine Haare schneiden ließ.

In den anschließendes Workshops probierten die Schüler selbst einen Steinzeitbohrers oder ein Steinzeithandy, das sogenannte Schwirrholz aus. Sie stellten Pfeile mit echten Federn her, schliffen Muscheln für eine Kette oder modellierten unbearbeiteten Ton, wie er in der Jungsteinzeit verwendet wurde. Mit künstlerischem Geschick verzierten die Fünftklässler ihre Pfeile und Schwirrhölzer mit Farben, wie sie früher schon bekannt waren.

Dustin erhält seine abgeschnittenen Haare als Souvenir.

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